Glasers Netzkolumne
Durchs wilde Findistan
Peter Glaser, veröffentlicht am 05.10.2005
Ich schaute mir eine Website an. Sie war neu im Netz, oder ich habe sie zum ersten Mal gesehen. In der Kopfzeile waren blaue Quadrate. So was löst im versierten Netzteilnehmer einen Spontanreflex aus: anklicken. Passierte aber nichts.
Ich habe gelernt, dass es sich mit Webseiten verhält wie mit Krimis: Jedes Detail hat eine Funktion. Wenn Kommissar Columbo auf der Motorhaube eines Autos ein Kreuzworträtsel löst, hat das einen Zweck - es stellt sich heraus, dass ihm dadurch Tautröpfchen auf dem Blech an der Schattenseite aufgefallen sind, die beweisen, dass das Auto seit frühmorgens geparkt sein muss und nicht erst seit kurzem, wie von der Verdächtigen behauptet. Ich schweife nicht ungeplant ab, genauer gesagt: erst jetzt. Es geht um Serendipity.
Vergleicht man das Internet mit einer Bibliothek, findet man ein kostbares, eigenartiges Element, das es auch bis in die digitale Weltbücherei hinein geschafft hat. Zum Einzigartigen einer Bibliothek gehört diese Mischung aus Flanieren, Suchen, an Regalreihen entlangstreifen, in kleine, angenehme Zufälligkeiten hineintauchen wie Onkel Dagobert in das Geld in seinem Geldspeicher - für diese Mischung gibt es im Deutschen keinen Begriff, aber ein schönes, konsistentes Gefühl, das dazugehört. Im Englischen gibt es ein Wort dafür: Serendipity.
Serendipity bedeutet, etwas Interessantes zu finden, das man in diesem Augenblick eigentlich gar nicht gesucht hat. Serendipity ist ein klassisches Suchmaschinenphänomen. Der Ausdruck wurde erstmals 1754 von dem englischen Autor Horace Walpole in einem Brief an einen Kollegen verwendet. Walpole erläutert darin, daß er den Begriff in Anlehnung an ein persisches Märchen mit dem englischen Titel "The three Princes of Serendip" geprägt habe. In dem Märchen machen drei Prinzen jede Menge unerwarteter Entdeckungen. Serendip ist die alte persische Bezeichnung für Ceylon, das heutige Sri Lanka.
Wie alles auf der Welt hat auch Serendipity ein Gegenteil: die 42-Verzweiflung.
Ihren Namen hat sie nach der fünfteiligen Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams, in der einem überdimensionalen, allwissenden Computer die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem gestellt wird. Die Antwort lautet: 42 (die Frage war nicht richtig gestellt). Wie zahllosen Fragenden, ist es auch mir so ergangen.
Monatelang suchte ich im Netz einen Senkrechtgrill, stets fand ich nur Kebap-Spieße, sodass ich ernsthaft zu glauben anfing, ich könne geträumt haben, dass es Senkrechtgrills auf dieser Welt überhaupt gibt. Einer Eingebung folgend tippte ich vor ein paar Tagen "Vertikalgrill". Gefunden. Obwohl draußen die Blätter fallen, kaufte ich mir einen Grill.
E-Mail an den Autor: p.glaser@stz.zgs.de
Ich habe gelernt, dass es sich mit Webseiten verhält wie mit Krimis: Jedes Detail hat eine Funktion. Wenn Kommissar Columbo auf der Motorhaube eines Autos ein Kreuzworträtsel löst, hat das einen Zweck - es stellt sich heraus, dass ihm dadurch Tautröpfchen auf dem Blech an der Schattenseite aufgefallen sind, die beweisen, dass das Auto seit frühmorgens geparkt sein muss und nicht erst seit kurzem, wie von der Verdächtigen behauptet. Ich schweife nicht ungeplant ab, genauer gesagt: erst jetzt. Es geht um Serendipity.
Vergleicht man das Internet mit einer Bibliothek, findet man ein kostbares, eigenartiges Element, das es auch bis in die digitale Weltbücherei hinein geschafft hat. Zum Einzigartigen einer Bibliothek gehört diese Mischung aus Flanieren, Suchen, an Regalreihen entlangstreifen, in kleine, angenehme Zufälligkeiten hineintauchen wie Onkel Dagobert in das Geld in seinem Geldspeicher - für diese Mischung gibt es im Deutschen keinen Begriff, aber ein schönes, konsistentes Gefühl, das dazugehört. Im Englischen gibt es ein Wort dafür: Serendipity.
Serendipity bedeutet, etwas Interessantes zu finden, das man in diesem Augenblick eigentlich gar nicht gesucht hat. Serendipity ist ein klassisches Suchmaschinenphänomen. Der Ausdruck wurde erstmals 1754 von dem englischen Autor Horace Walpole in einem Brief an einen Kollegen verwendet. Walpole erläutert darin, daß er den Begriff in Anlehnung an ein persisches Märchen mit dem englischen Titel "The three Princes of Serendip" geprägt habe. In dem Märchen machen drei Prinzen jede Menge unerwarteter Entdeckungen. Serendip ist die alte persische Bezeichnung für Ceylon, das heutige Sri Lanka.
Wie alles auf der Welt hat auch Serendipity ein Gegenteil: die 42-Verzweiflung.
Ihren Namen hat sie nach der fünfteiligen Trilogie "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams, in der einem überdimensionalen, allwissenden Computer die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem gestellt wird. Die Antwort lautet: 42 (die Frage war nicht richtig gestellt). Wie zahllosen Fragenden, ist es auch mir so ergangen.
Monatelang suchte ich im Netz einen Senkrechtgrill, stets fand ich nur Kebap-Spieße, sodass ich ernsthaft zu glauben anfing, ich könne geträumt haben, dass es Senkrechtgrills auf dieser Welt überhaupt gibt. Einer Eingebung folgend tippte ich vor ein paar Tagen "Vertikalgrill". Gefunden. Obwohl draußen die Blätter fallen, kaufte ich mir einen Grill.
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