Science-Fiction
Die neuen Gedankenleser
Peter Glaser, veröffentlicht am 07.12.2006
Wir leben in einer Zeit, in der Science-Fiction im technischen Sinn fast nicht mehr möglich scheint. Es gibt schon alles. Kaum stelle ich mir zum Beispiel tagtraumhaft ein Fühlofon vor - ein futuristisches Telefon, mit dem nach Tönen und den Funktionen der Bildtelefone und Videohandys auch Emotionen fernfühlbar gemacht werden -, geben Forscher der Universität Buffalo die Entwicklung eines Verfahrens bekannt, "das eine Person spüren lässt, was eine andere Person empfindet, wenn diese etwas berührt." Die Sinnesreize werden dabei übers Netz in Datenhandschuhe übertragen.
Vormals kühne Entwürfe aus Science Fiction-Filmen wie "Matrix" sind schnell im Hier und Jetzt gelandet. Bereits vor zwei Jahren erlaubte die US Food and Drug Administration den ersten klinischen Test, bei dem einem Gelähmten erfolgreich ein Braingate genanntes Hirn-Computer-Interface der Firma Cyberkinetics eingepflanzt wurde. Ein zwei mal zwei Millimeter großer Chip, auf dem 100 Elektroden angebracht sind, wird dazu von einem Chirurgen in die für Bewegung zuständige Region der Hirnrinde implantiert, die sich über dem rechten Ohr befindet. Über ein aus dem Schädel führendes Glasfaserkabel sind die Neuronen mit einem Computer verbunden.
Das System ermöglicht es einem Menschen, der dazu sonst nicht in der Lage wäre, etwa weil er gelähmt ist, einen Computer oder einen Robotarm kraft seiner Gedanken zu steuern, Schalter zu betätigen und per E-Mail zu kommunizieren. Risikokapitalfirmen und Analysten waren sogleich zügig zur Stelle. Einer Studie des Beratungsunternehmens Arthur D. Little zufolge gibt es weltweit etwa 170 000 Menschen, denen ein solches Gerät helfen könnte. Gemeinsam mit der Firma Cambridge Consultants und deren Spezialisten für Produktentwicklung erstellten die Berater einen Businessplan für die Technologie. Cyberkinetics sammelte in drei Runden 16,5 Millionen Dollar Risikokapital ein, ehe die Firma nach einer Fusion mit Trafalgar Ventures im Oktober 2004 an die Börse ging.
Inzwischen gibt es in Kliniken und anderen spezialisierten Unternehmen alternative Verfahren, die mit der technischen Umsetzung der Telepathie konkurrieren.
Wenn die Gegenwart immer mehr dem ähnelt, was vor zehn oder zwanzig Jahren noch pure Science-Fiction war, was hält dann die Zukunft überhaupt noch bereit? Auf jeden Fall eine Profanisierung der fantastischen technologischen Entwicklung. Die technische Handhabung von Gehirnströmen etwa ist auch für gesunde Menschen, die ihre Gehirnbandbreite erweitern möchten, von großem Interesse: Die ersten Entwicklungsschritte, die schließlich zum Bau des Braingate und ähnlicher Geräte geführt haben, waren von der Defence Advanced Research Projects Agency (DARPA) finanziert worden, der Ideenschmiede des US-Verteidigungsministeriums. Vielleicht kann man künftig Soldaten mit einer fortgeschrittenen Version der Technologie Unterstützung "bei hochvolumigen Anforderungen an Gehirnleistung" ausstatten.
Die Planungen bei Hitachi sind mittelfristiger. Das japanische Unternehmen hat ein neues bildgebendes Verfahren für Gehirnfunktionen entwickelt, und eine der Anwendungen für den Prototypen ist die Gedankensteuerung einer Modelleisenbahn. Hitachi will diese Spielzeug-Mindmachine innerhalb der nächsten fünf Jahre marktreif machen. Anders als bei dem Gerät von Cyberkinetics basiert sie auf einem nicht invasiven Verfahren, man kann sie sich eher als Denkkappe vorstellen.
Vormals kühne Entwürfe aus Science Fiction-Filmen wie "Matrix" sind schnell im Hier und Jetzt gelandet. Bereits vor zwei Jahren erlaubte die US Food and Drug Administration den ersten klinischen Test, bei dem einem Gelähmten erfolgreich ein Braingate genanntes Hirn-Computer-Interface der Firma Cyberkinetics eingepflanzt wurde. Ein zwei mal zwei Millimeter großer Chip, auf dem 100 Elektroden angebracht sind, wird dazu von einem Chirurgen in die für Bewegung zuständige Region der Hirnrinde implantiert, die sich über dem rechten Ohr befindet. Über ein aus dem Schädel führendes Glasfaserkabel sind die Neuronen mit einem Computer verbunden.
Das System ermöglicht es einem Menschen, der dazu sonst nicht in der Lage wäre, etwa weil er gelähmt ist, einen Computer oder einen Robotarm kraft seiner Gedanken zu steuern, Schalter zu betätigen und per E-Mail zu kommunizieren. Risikokapitalfirmen und Analysten waren sogleich zügig zur Stelle. Einer Studie des Beratungsunternehmens Arthur D. Little zufolge gibt es weltweit etwa 170 000 Menschen, denen ein solches Gerät helfen könnte. Gemeinsam mit der Firma Cambridge Consultants und deren Spezialisten für Produktentwicklung erstellten die Berater einen Businessplan für die Technologie. Cyberkinetics sammelte in drei Runden 16,5 Millionen Dollar Risikokapital ein, ehe die Firma nach einer Fusion mit Trafalgar Ventures im Oktober 2004 an die Börse ging.
Inzwischen gibt es in Kliniken und anderen spezialisierten Unternehmen alternative Verfahren, die mit der technischen Umsetzung der Telepathie konkurrieren.
Wenn die Gegenwart immer mehr dem ähnelt, was vor zehn oder zwanzig Jahren noch pure Science-Fiction war, was hält dann die Zukunft überhaupt noch bereit? Auf jeden Fall eine Profanisierung der fantastischen technologischen Entwicklung. Die technische Handhabung von Gehirnströmen etwa ist auch für gesunde Menschen, die ihre Gehirnbandbreite erweitern möchten, von großem Interesse: Die ersten Entwicklungsschritte, die schließlich zum Bau des Braingate und ähnlicher Geräte geführt haben, waren von der Defence Advanced Research Projects Agency (DARPA) finanziert worden, der Ideenschmiede des US-Verteidigungsministeriums. Vielleicht kann man künftig Soldaten mit einer fortgeschrittenen Version der Technologie Unterstützung "bei hochvolumigen Anforderungen an Gehirnleistung" ausstatten.
Die Planungen bei Hitachi sind mittelfristiger. Das japanische Unternehmen hat ein neues bildgebendes Verfahren für Gehirnfunktionen entwickelt, und eine der Anwendungen für den Prototypen ist die Gedankensteuerung einer Modelleisenbahn. Hitachi will diese Spielzeug-Mindmachine innerhalb der nächsten fünf Jahre marktreif machen. Anders als bei dem Gerät von Cyberkinetics basiert sie auf einem nicht invasiven Verfahren, man kann sie sich eher als Denkkappe vorstellen.
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