Öko-Internet-Auto
Jeder darf mitbauen an OScar
AP, veröffentlicht am 07.03.2007
München - OScar soll einmal die Welt verändern und die Einstellung der Leute zum Auto. Noch ist das umweltfreundliche Gefährt erst im Bau. Im Internet, nicht in der Fabrik. Derzeit sieht es mit seinen drei Rädern, den beiden Sitzen vorn und einem hinten ziemlich futuristisch aus. Jedenfalls ganz anders als die heutigen Autos auf der Straße. Vielleicht kurvt OScar auch mal auf vier Rädern durch die Gegend. Solche Details müssen noch ausdiskutiert werden.
Aber die vielen Hundert Enthusiasten, die nun schon seit fast acht Jahren gemeinsam an OScar, dem Öko-Kleinwagen, bauen, haben es nicht eilig. Hauptsache, das Ergebnis wird umweltverträglich, richtungsweisend, revolutionär, anders.
Entwickelt wird das neue Fahrzeug im freiwilligen Zusammenspiel von Kreativen aus der ganzen Welt: Ohne Geld, ohne Chef, ohne Werkzeug, ohne Urheberrechte. Jeder kann mitmachen, jeder darf seine Ideen beisteuern. Deshalb heißt das Fahrzeug auch OScar - Open Source Car. Nach dem Vorbild erfolgreicher Schöpfungen wie dem Computerbetriebssystem Linux oder der Internet-Software Firefox soll etwas im offenen Miteinander entstehen, "das die Welt wirklich braucht", wie es im Manifest auf der Webseite theoscarproject.org heißt.
OScar könne "der Mobilität wieder ein menschliches Antlitz verleihen, die Welt verändern", so der Traum von Projektgründer Markus Merz. Die derzeitige Diskussion um mehr Klimaschutz biete "einen guten Rahmen für unser Thema". Mitte 1999 stellte der studierte Landwirt und spätere Quereinsteiger in die Autoindustrie sein Konzept erstmals ins weltweite Netz - inzwischen sind gut 1.500 Mitstreiter angemeldet, viele von ihnen bauen online mit, liefern Denkanstöße, bessern nach.
Aber nur etwa 30, 40 Hobby-Entwickler bilden den harten Kern der virtuellen Designer-Truppe. Sie kommen unter anderem aus Holland, Amerika, Deutschland. Die meisten sind vom Fach, viele Profis aus der Branche, wie Merz erläutert.
Entsprechend anspruchsvoll ist das technische Niveau in den Diskussionsforen. Wer von Konstruktionsplänen und Autobau nichts versteht, hat Schwierigkeiten zu folgen. Alles läuft in Englisch. Konzipiert wird auf mehreren Ebenen. In einem Forum wird an der Karosserie gebastelt, im anderen am Antrieb. Ein modernes Auto besteht immerhin aus bis zu 40.000 Einzelteilen, da muss eine straffe Aufteilung her, damit es irgendwie vorwärts geht.
Beim Thema Design treten die "Freaks", wie Merz die Kerntruppe nennt, seit Monaten schon auf der Stelle. Drei Räder, vier Räder - jede Version hat ihre Vor- und Nachteile. Die Gemeinde ist über die einheitliche Linie nach wie vor gespalten. "Ich möchte diese Diskussion nicht abwürgen, ein bisschen Spielwiese muss schon sein", weist Merz jeden Hang zu einsamen Entscheidungen von sich. Letztendlich werde es aber wohl auf vier Räder hinauslaufen.
Klare Vorgaben gibt es allerdings für das Grundgerüst des Öko-Internet-Autos, das hat Merz vor Jahren schon so festgelegt: OScar wird ein Kleinwagen sein, ein Gefährt für kurze Distanzen, für den Stadtverkehr. Kein dickes Statussymbol, kein Spritfresser. Der Antrieb soll elektrisch funktionieren. Woher die erneuerbare Energie kommt, ist dafür noch offen. "Das kann über Brennstoffzellen laufen, Akkus oder Generator", erläutert Merz.
Wann es von OScar den ersten Prototypen geben wird, kann nicht einmal der Projektgründer sagen. "Linux hat auch über zehn Jahre gebraucht", winkt er gelassen ab: "Der Weg ist das Ziel." Die Industrie biete zwar immer wieder ihre Hilfe an, um OScar auf die Straße zu bringen. "Aber wir lassen uns nicht kaufen." Wer als "big player" aus dem Autobau dazustoßen wolle, "müsste sich unseren Rahmenbedingungen unterwerfen, das wäre revolutionär".
"Vielleicht braucht die Gesellschaft Anstöße wie das OScar-Projekt", sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Ob OScar alltagstauglich und von der Kundschaft gewünscht sei, stehe jedoch auf einem anderen Blatt. "Innovation aus dem virtuellen Untergrund" sollte man nicht von vornherein als untauglich verwerfen, findet dagegen Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Clubs Europa (ACE). Erfindergeist rühre sich nicht nur in den Labors der Autokonzerne.
"Irgendwann fahren auf der ganzen Welt kleine OScars herum und lassen unseren Traum vom Guten im Menschen wieder erwachen", so haben es die Enthusiasten vor fast acht Jahren in ihr Manifest geschrieben. Trotz vieler ungelöster Probleme und skeptischer Stimmen aus der Autobranche halten sie an dieser Vision nach wie vor fest. "Ich bin sehr davon überzeugt, dass ich mal einen OScar fahre", versichert Merz.
www.theoscarproject.org
Aber die vielen Hundert Enthusiasten, die nun schon seit fast acht Jahren gemeinsam an OScar, dem Öko-Kleinwagen, bauen, haben es nicht eilig. Hauptsache, das Ergebnis wird umweltverträglich, richtungsweisend, revolutionär, anders.
Entwickelt wird das neue Fahrzeug im freiwilligen Zusammenspiel von Kreativen aus der ganzen Welt: Ohne Geld, ohne Chef, ohne Werkzeug, ohne Urheberrechte. Jeder kann mitmachen, jeder darf seine Ideen beisteuern. Deshalb heißt das Fahrzeug auch OScar - Open Source Car. Nach dem Vorbild erfolgreicher Schöpfungen wie dem Computerbetriebssystem Linux oder der Internet-Software Firefox soll etwas im offenen Miteinander entstehen, "das die Welt wirklich braucht", wie es im Manifest auf der Webseite theoscarproject.org heißt.
OScar könne "der Mobilität wieder ein menschliches Antlitz verleihen, die Welt verändern", so der Traum von Projektgründer Markus Merz. Die derzeitige Diskussion um mehr Klimaschutz biete "einen guten Rahmen für unser Thema". Mitte 1999 stellte der studierte Landwirt und spätere Quereinsteiger in die Autoindustrie sein Konzept erstmals ins weltweite Netz - inzwischen sind gut 1.500 Mitstreiter angemeldet, viele von ihnen bauen online mit, liefern Denkanstöße, bessern nach.
Aber nur etwa 30, 40 Hobby-Entwickler bilden den harten Kern der virtuellen Designer-Truppe. Sie kommen unter anderem aus Holland, Amerika, Deutschland. Die meisten sind vom Fach, viele Profis aus der Branche, wie Merz erläutert.
Entsprechend anspruchsvoll ist das technische Niveau in den Diskussionsforen. Wer von Konstruktionsplänen und Autobau nichts versteht, hat Schwierigkeiten zu folgen. Alles läuft in Englisch. Konzipiert wird auf mehreren Ebenen. In einem Forum wird an der Karosserie gebastelt, im anderen am Antrieb. Ein modernes Auto besteht immerhin aus bis zu 40.000 Einzelteilen, da muss eine straffe Aufteilung her, damit es irgendwie vorwärts geht.
Beim Thema Design treten die "Freaks", wie Merz die Kerntruppe nennt, seit Monaten schon auf der Stelle. Drei Räder, vier Räder - jede Version hat ihre Vor- und Nachteile. Die Gemeinde ist über die einheitliche Linie nach wie vor gespalten. "Ich möchte diese Diskussion nicht abwürgen, ein bisschen Spielwiese muss schon sein", weist Merz jeden Hang zu einsamen Entscheidungen von sich. Letztendlich werde es aber wohl auf vier Räder hinauslaufen.
Klare Vorgaben gibt es allerdings für das Grundgerüst des Öko-Internet-Autos, das hat Merz vor Jahren schon so festgelegt: OScar wird ein Kleinwagen sein, ein Gefährt für kurze Distanzen, für den Stadtverkehr. Kein dickes Statussymbol, kein Spritfresser. Der Antrieb soll elektrisch funktionieren. Woher die erneuerbare Energie kommt, ist dafür noch offen. "Das kann über Brennstoffzellen laufen, Akkus oder Generator", erläutert Merz.
Wann es von OScar den ersten Prototypen geben wird, kann nicht einmal der Projektgründer sagen. "Linux hat auch über zehn Jahre gebraucht", winkt er gelassen ab: "Der Weg ist das Ziel." Die Industrie biete zwar immer wieder ihre Hilfe an, um OScar auf die Straße zu bringen. "Aber wir lassen uns nicht kaufen." Wer als "big player" aus dem Autobau dazustoßen wolle, "müsste sich unseren Rahmenbedingungen unterwerfen, das wäre revolutionär".
"Vielleicht braucht die Gesellschaft Anstöße wie das OScar-Projekt", sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Ob OScar alltagstauglich und von der Kundschaft gewünscht sei, stehe jedoch auf einem anderen Blatt. "Innovation aus dem virtuellen Untergrund" sollte man nicht von vornherein als untauglich verwerfen, findet dagegen Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Clubs Europa (ACE). Erfindergeist rühre sich nicht nur in den Labors der Autokonzerne.
"Irgendwann fahren auf der ganzen Welt kleine OScars herum und lassen unseren Traum vom Guten im Menschen wieder erwachen", so haben es die Enthusiasten vor fast acht Jahren in ihr Manifest geschrieben. Trotz vieler ungelöster Probleme und skeptischer Stimmen aus der Autobranche halten sie an dieser Vision nach wie vor fest. "Ich bin sehr davon überzeugt, dass ich mal einen OScar fahre", versichert Merz.
www.theoscarproject.org
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