Christopher Clark
Preußen - Aufstieg und Niedergang
Wilfried Mommert, dpa, veröffentlicht am 04.04.2007
Foto: Verlag
"Am Anfang war Brandenburg ... Am Ende war nur noch Brandenburg." Zwischen diesen Sätzen liegen fast 900 Seiten eines neuen historischen Standardwerkes über Preußen von dem aus Australien stammenden und heute in Cambridge lebenden Historiker Christopher Clark: "Preußen - Aufstieg und Niedergang. 1600-1947". Der 1960 geborene Clark und sein deutscher Verlag nahmen den 60. Jahrestag der Auflösung Preußens durch die alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges in diesem Jahr zum Anlass für die detailreiche und lebendig geschriebene Darstellung der Historie des früheren Kurfürstentums und späteren Königreiches.
Preußen wurde in seinen Anfängen wegen seines wenig fruchtbaren Ackerbodens auch despektierlich die "Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" genannt - und wurde dennoch zum Herzstück eines deutschen Kaiserreiches sowie eine respektierte und von vielen auch gefürchtete europäische Großmacht. "Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört", bestimmte das alliierte Kontrollratsgesetz von 1947. Womit es sich die Siegermächte nicht nur nach Clarks Meinung allzu einfach mit einer einseitigen Sicht auf das "Phänomen Preußen" machten.
Clark fasziniert die Geschichte "dieses außerordentlichen Staatswesens, eines Kunststaates, eines Königreiches aus Fetzen und Flicken, mit all seinen Widersprüchen". Dabei fühlt er sich als australischer Historiker davon befreit, das historische Erbe Preußens zu beklagen oder zu feiern. Das macht sein Mammutwerk zu einem ebenso distanzierten wie ausgewogenen Panoramabericht, der die Haupt- und Staatsaktionen genauso ausbreitet wie auch die jeweiligen Folgen für die Menschen im Alltag und ihre Lebensbedingungen.
Allerdings erstaunt schon, mit welcher Akribie der Australier viele der entscheidenden Schlachten der preußischen Armee noch einmal Revue passieren lässt. Dabei erinnert er auch an eine Bemerkung des französischen Philosophen Voltaire, zeitweise Freund Friedrich des Großen in Sanssouci: "Es wäre von einigem Nutzen, wenn man erklären könnte, wie es dazu kam, dass das sandige Land Brandenburg so mächtig geworden ist, dass man mehr Streitkräfte gegen Brandenburg mobilisiert hat als jemals gegen Ludwig XIV."
Oft werde bei Geschichtsbetrachtungen die andere Seite preußischer Geschichte verdrängt, wie zum Beispiel die Vorrangstellung des Gewissens vor Befehlen, getreu der Devise des preußischen Generals und Politikers Friedrich August Ludwig von der Marwitz (1777-1837), für den es ein höheres Gut war, dort ungehorsam zu sein, "wo Gehorsam Unrecht bedeutet". Das habe sich nicht zuletzt auch noch im Widerstand gegen Hitler gezeigt, betont Clark, der auf die lange Liste Angehöriger des preußischen Adels oder Offiziere des Potsdamer Infanterieregiments im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verweist.
Clark äußert sich erfreut darüber, dass seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 unter jungen deutschen Historikern wieder ein wachsendes Interesse an "preußischen Fragestellungen" zu beobachten sei. Der Australier hat dazu ein fundiertes Quellenwerk vorgelegt, das wohl auch weit über die Fachwelt hinaus Aufmerksamkeit finden wird.
Preußen wurde in seinen Anfängen wegen seines wenig fruchtbaren Ackerbodens auch despektierlich die "Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" genannt - und wurde dennoch zum Herzstück eines deutschen Kaiserreiches sowie eine respektierte und von vielen auch gefürchtete europäische Großmacht. "Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört", bestimmte das alliierte Kontrollratsgesetz von 1947. Womit es sich die Siegermächte nicht nur nach Clarks Meinung allzu einfach mit einer einseitigen Sicht auf das "Phänomen Preußen" machten.
Clark fasziniert die Geschichte "dieses außerordentlichen Staatswesens, eines Kunststaates, eines Königreiches aus Fetzen und Flicken, mit all seinen Widersprüchen". Dabei fühlt er sich als australischer Historiker davon befreit, das historische Erbe Preußens zu beklagen oder zu feiern. Das macht sein Mammutwerk zu einem ebenso distanzierten wie ausgewogenen Panoramabericht, der die Haupt- und Staatsaktionen genauso ausbreitet wie auch die jeweiligen Folgen für die Menschen im Alltag und ihre Lebensbedingungen.
Allerdings erstaunt schon, mit welcher Akribie der Australier viele der entscheidenden Schlachten der preußischen Armee noch einmal Revue passieren lässt. Dabei erinnert er auch an eine Bemerkung des französischen Philosophen Voltaire, zeitweise Freund Friedrich des Großen in Sanssouci: "Es wäre von einigem Nutzen, wenn man erklären könnte, wie es dazu kam, dass das sandige Land Brandenburg so mächtig geworden ist, dass man mehr Streitkräfte gegen Brandenburg mobilisiert hat als jemals gegen Ludwig XIV."
Oft werde bei Geschichtsbetrachtungen die andere Seite preußischer Geschichte verdrängt, wie zum Beispiel die Vorrangstellung des Gewissens vor Befehlen, getreu der Devise des preußischen Generals und Politikers Friedrich August Ludwig von der Marwitz (1777-1837), für den es ein höheres Gut war, dort ungehorsam zu sein, "wo Gehorsam Unrecht bedeutet". Das habe sich nicht zuletzt auch noch im Widerstand gegen Hitler gezeigt, betont Clark, der auf die lange Liste Angehöriger des preußischen Adels oder Offiziere des Potsdamer Infanterieregiments im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verweist.
Clark äußert sich erfreut darüber, dass seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 unter jungen deutschen Historikern wieder ein wachsendes Interesse an "preußischen Fragestellungen" zu beobachten sei. Der Australier hat dazu ein fundiertes Quellenwerk vorgelegt, das wohl auch weit über die Fachwelt hinaus Aufmerksamkeit finden wird.
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