30 Jahre Atari 2600
Widerstand war zwecklos
Thomas Schneider, veröffentlicht am 17.10.2007
Hätten Sie eben mal kurz Zeit? Natürlich für die Wahrheit, die volle, die reine. Dachten Sie allen Ernstes, das wäre schon alles gewesen, was das Schicksalsjahr 1977 zu bieten hatte: die bleierne Zeit, den Deutschen Herbst, stark behaarte Fußballweltmeister aus Deutschland? Dann lernen Sie jetzt, was vor dreißig Jahren wirklich geschah. Es war das Jahr, als Außerirdische die Erde eroberten. Sie kamen in kleinen, bunten Raumschiffen. Widerstand war völlig zwecklos.
Die Invasionsflotte der Außerirdischen bestand aus grobpixeligen, grell lackierten Kampfjets, die in einem intergalaktischen Großraumtransporter in unsere Biosphäre eindrangen. Dieser Kasten, anfangs noch mit Furnierholz getarnt, hörte auf den harmlos klingenden Namen Atari 2600. Es war das größte Täuschungsmanöver der Geschichte, denn diese Miniaturkampfmaschinen wurden von den Menschen selbst in ihre Wohnungen getragen. Vermutlich hatten Gedankenstrahlen aus dem Sternennebel der Beteigeuze alle Zweibeiner zuvor fügig gemacht. Der Effekt jedenfalls war verheerend: Innerhalb kürzester Zeit wollte jeder einen Atari 2600 besitzen. Das Maschinchen - es war unter dem Tarnnamen VCS (zu Deutsch: Videokonsole) in den Welthandel eingeschleust worden - sandte Angriffswelle um Angriffswelle von feindlichen Raumschiffen zur Erde. Die Katastrophe nahm ihren Lauf und wir selbst saßen am roten Feuerknopf.

Space Invaders hieß die Software, die den Atari über Nacht so beliebt machte. Millionen von Käufern hielten es für ein harmloses Spiel, bei dem man versuchen musste, Reihe um Reihe von sich langsam nähernden Alienraumschiffen abzuräumen. In Wirklichkeit war die Simulation bitterer Ernst, denn die nie nachlassende Angriffswut der Aliens veränderte die Psyche der Menschen. Sosehr sie auch lernten, mit dem Joystick des Atari die halsbrecherischsten Manöver zu vollführen, so sehr waren ihre Bestrebungen doch sinnlos. Am Ende gewannen stets die Angreifer, ob durch Bombenwurf oder Karambolage mit unserer Anti-Alien-Laserkanone.
Es war eine Invasion, die ihre Spuren hinterließ. Nach dem Atari 2600 stand fest: Computerspiele sind Ballerspiele. Die Eroberung des Planeten Erde durch die Space Invaders bereitete den Boden für viele weitere Wellen der Besitznahme. Wir erinnern nur an die Pacman-Katastrophe, die Operation ¸¸Endouring Tetris" und das Donkey-Kong-Armaggedon. Auch der vergebliche Versuch irdischer Raumstreitkräfte, an Bord des Kampffliegers Centipede einen Gegenschlag zu organisieren, änderte nichts an der Tatsache: die Aliens hatten gesiegt.
Wo stehen wir heute, 30 Jahre nach der Invasion? Selbstverständlich am Abgrund. Die Angreifer sind überall. Sie stecken in meinem Computer, sie leben in meinem Handy, und in manchem Traum sehe ich sie noch immer herabschweben, die grünen, blauen, rosafarbenen Raumschiffe - diese ekligen Bit-Ungeheuer. Sie kommen näher, ich kippe den Joystick, ich hämmere auf den Knopf, ich muss sie aufhalten, ich muss!
Nachtrag: Zwölf Jahre nach der Gründung endet am 2. Juli 1984 die Geschichte von Atari. Der US-Pionier der Computerspiele wird verkauft und zerschlagen. Das VCS ist bis heute die meistverkaufte Videokonsole aller Zeiten.
Die Invasionsflotte der Außerirdischen bestand aus grobpixeligen, grell lackierten Kampfjets, die in einem intergalaktischen Großraumtransporter in unsere Biosphäre eindrangen. Dieser Kasten, anfangs noch mit Furnierholz getarnt, hörte auf den harmlos klingenden Namen Atari 2600. Es war das größte Täuschungsmanöver der Geschichte, denn diese Miniaturkampfmaschinen wurden von den Menschen selbst in ihre Wohnungen getragen. Vermutlich hatten Gedankenstrahlen aus dem Sternennebel der Beteigeuze alle Zweibeiner zuvor fügig gemacht. Der Effekt jedenfalls war verheerend: Innerhalb kürzester Zeit wollte jeder einen Atari 2600 besitzen. Das Maschinchen - es war unter dem Tarnnamen VCS (zu Deutsch: Videokonsole) in den Welthandel eingeschleust worden - sandte Angriffswelle um Angriffswelle von feindlichen Raumschiffen zur Erde. Die Katastrophe nahm ihren Lauf und wir selbst saßen am roten Feuerknopf.

Space Invaders hieß die Software, die den Atari über Nacht so beliebt machte. Millionen von Käufern hielten es für ein harmloses Spiel, bei dem man versuchen musste, Reihe um Reihe von sich langsam nähernden Alienraumschiffen abzuräumen. In Wirklichkeit war die Simulation bitterer Ernst, denn die nie nachlassende Angriffswut der Aliens veränderte die Psyche der Menschen. Sosehr sie auch lernten, mit dem Joystick des Atari die halsbrecherischsten Manöver zu vollführen, so sehr waren ihre Bestrebungen doch sinnlos. Am Ende gewannen stets die Angreifer, ob durch Bombenwurf oder Karambolage mit unserer Anti-Alien-Laserkanone.
Es war eine Invasion, die ihre Spuren hinterließ. Nach dem Atari 2600 stand fest: Computerspiele sind Ballerspiele. Die Eroberung des Planeten Erde durch die Space Invaders bereitete den Boden für viele weitere Wellen der Besitznahme. Wir erinnern nur an die Pacman-Katastrophe, die Operation ¸¸Endouring Tetris" und das Donkey-Kong-Armaggedon. Auch der vergebliche Versuch irdischer Raumstreitkräfte, an Bord des Kampffliegers Centipede einen Gegenschlag zu organisieren, änderte nichts an der Tatsache: die Aliens hatten gesiegt.
Wo stehen wir heute, 30 Jahre nach der Invasion? Selbstverständlich am Abgrund. Die Angreifer sind überall. Sie stecken in meinem Computer, sie leben in meinem Handy, und in manchem Traum sehe ich sie noch immer herabschweben, die grünen, blauen, rosafarbenen Raumschiffe - diese ekligen Bit-Ungeheuer. Sie kommen näher, ich kippe den Joystick, ich hämmere auf den Knopf, ich muss sie aufhalten, ich muss!
Nachtrag: Zwölf Jahre nach der Gründung endet am 2. Juli 1984 die Geschichte von Atari. Der US-Pionier der Computerspiele wird verkauft und zerschlagen. Das VCS ist bis heute die meistverkaufte Videokonsole aller Zeiten.
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