Kabel BW

Hunderttausende Pay-TV-Kunden betroffen

Viola Volland, aus der StZ vom 11. Januar, veröffentlicht am 10.01.2008
Foto: dpa

Der Kabelnetzbetreiber Kabel BW wechselt das Verschlüsselungssystem seines Bezahlfernsehens. Alle Pay-TV- Kunden müssen ihre Smartcards austauschen, einige wenige auch ihre Receiver. Für die normalen Kabelkunden ändert sich nichts.

Kunden des digitalen Kabelfernsehens, die plötzlich auf ihrem Fernsehbildschirm die Aufforderung entdecken, eine neue Software für den Receiver herunterzuladen, müssen nicht erschrecken. Hintergrund ist ein neues Verschlüsselungssystem im Bezahlfernsehen, das der Netzbetreiber Kabel BW und der Sender Premiere derzeit einführen. Mit NDS Videoguard, so der Name des Systems, verbinden die Verantwortlichen einige Hoffnungen. So sollen unter anderem die Zeiten vorbei sein, in denen gewiefte Trickser illegal Pay-TV gucken. "Das neue System ist weltweit noch nicht geknackt worden", behauptet zumindest der Sprecher von Kabel-BW, Maurice Böhler. Bei der alten Verschlüsselung sei das anders gewesen.

Einige 100000 Pay-TV-Nutzer im Land sind von der Umstellung betroffen, ob sie nun Kabel Digital Home, Bundesliga-TV oder Premiere abonniert haben. Für die Kunden, die frei empfängliches digitales Kabelfernsehen beziehen, ändert sich nach Kabel-BW-Angaben hingegen nichts.

Aber auch diese Kunden werden in der Regel von ihrem Receiver dazu aufgefordert, das Update durchzuführen. Das Unternehmen rät dazu, der Aufforderung zu folgen. "Es ändert sich dadurch für die Kunden nichts, auch die Sendereinstellungen bleiben erhalten", versichert Böhler.

Die Installation der neuen Verschlüsselung bedeute in der Regel nur wenige Sekunden Aufwand, sagt der Sprecher. Die Kunden müssten zweimal mit der Fernbedienung auf "Okay" klicken, dann starte sich der Receiver neu und installiere die Software. In einem zweiten Schritt müssen die Pay-TV-Nutzer die sogenannte Smartcard in ihrem Receiver austauschen. Diese Karte weist den Zuschauer als Abonnenten aus und schaltet die Programme frei.

Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen an seine 160000 Kunden im Land neue Smartcards verschickt - "ein Mammutprojekt", wie Maurice Böhler sagt. Auch die mehr als 100000 Kunden von Premiere haben von dem Sender per Post Karten erhalten. Die Smartcards von Kabel BW sind leicht auseinanderzuhalten: Bisher war die Rückseite der Smartcards von Kabel-BW blau gehalten, die neuen Karten sind auf ihrer Rückseite orange eingefärbt.

Sollte ein Kabel-BW-Nutzer noch keine Smartcard bekommen haben, müsse er keine Angst haben, die bezahlten Programme nicht empfangen zu können, versichert Maurice Böhler. In dem Fall werde der Zugang vorübergehend über die Software freigeschaltet. Dafür muss der Kunde sich aber zuvor bei Kabel BW telefonisch melden. Das Unternehmen versucht zudem, Problemen vorzubeugen, indem im ersten Quartal 2008 sowohl die alte als auch die neue Verschlüsselungstechnik gesendet werden. Das könnte auch deshalb notwendig sein, weil einige wenige Kunden neue Receiver benötigen. Denn nicht alle Geräte sind kompatibel mit der Software. In diesem Fall tauscht Kabel BW die Receiver kostenlos aus (siehe Kasten). Wer einen Plasmafernseher mit integriertem Receiver hat, der nicht den technischen Voraussetzungen entspricht, enthält ebenfalls ein neues Gerät - allerdings keinen neuen Fernseher.

Wenn Videoguard läuft, soll die Zukunft ins Kabelfernsehen einziehen. Dann ist es zumindest theoretisch möglich, dass sich die Nutzer Videofilme auswählen (Video on Demand) oder mittels Fernbedienung bei Quizshows mitraten können. In Großbritannien können die Zuschauer schon jetzt bei der Sendung "Wer wird Millionär?" mitraten. Videoguard ist nämlich "rückkanalfähig", das heißt, dass nicht nur Informationen zum, sondern auch vom Zuschauer gesendet werden können. Kabel BW erhofft sich vor allem von Video On Demand mehr Kunden.

Seit Monaten hat das Unternehmen die Umstellung auf das neue Verschlüsselungssystem Videoguard intern getestet. Baden-Württemberg ist das erste Land, in dem die Technik gestartet wird. "Wir spielen deutschlandweit eine innovative Rolle", sagt Böhler.
 
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