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Die Chronik

Der Hauptbahnhof im Spiegel der Zeit (2)

Achim Wörner, aus der StZ vom 30. Januar 2008, veröffentlicht am 22.01.2008
Foto: Stadtarchiv

Die Geschichte der Stuttgarter Hauptbahnhöfe ist 1901 um ein weiteres Kapitel reicher. Der Ingenieur Albert Sprickerhof übergibt sein Gutachten für einen zehngleisigen Durchgangsbahnhof im Talkessel an die Württembergischen Staatseisenbahnen - und damit nimmt die Debatte über den dann dritten Hauptbahnhof konkrete Formen an.

1903 legt die Generaldirektion der Bahn drei alternative Pläne für einen neuen Kopfbahnhof vor: mit einem Empfangsgebäude erstens an der Schlossstraße (also am bestehenden Standort), zweitens an der Kronenstraße und drittens an der Schillerstraße, also zum Talausgang hin in Richtung Bad Cannstatt gelegen. Die Zahl der Zugreisenden, die in Stuttgart Station machen, ist inzwischen auf 8,3 Millionen gestiegen. 1904 nimmt dann eine von König Wilhelm II. eingesetzte Kommission "zur qualitätvollen Abwicklung der Neubauprojekte" die Arbeit auf. 1905 machen sich die Unzulänglichkeiten im Engpass Hauptbahnhof immer stärker bemerkbar. 1906 werden die diversen Neubaualternativen politisch sehr kontrovers debattiert - wobei der Landtag sich am Ende eindeutig für den Standort an der Schillerstraße ausspricht. 1907 unterzeichnet König WilhelmII. das entsprechende Gesetz dazu - und auch der Verkauf des durch die Verlegung des Bahnhofs frei werdenden Gleisgeländes an den Fürsten von Donnersmarck wird besiegelt.

1908, inzwischen werden 13 Millionen Bahnpassagiere gezählt, beginnen die Vorarbeiten für die neue Centralstation. 1911 wendet sich der Bund für Heimatschutz gegen erste Pläne, auf dem alten Schienengelände Geschäftshäuser zu erstellen. Zugleich wird der Wettbewerb für das künftige Empfangsgebäude entschieden: Paul Bonatz und Eugen Scholer erhalten den Zuschlag.

1913 gibt es noch einmal einen heftigen Schlagabtausch um die Bahnhofsarchitektur - und auch deutliche Veränderungen an den Plänen. 1914 beginnt dann der Bau des neuen Bahnhofs mit ersten Fundamentarbeiten. 1916, am 9. April, macht Lenin in Stuttgart Station, freilich noch im alten Bahnhof. Am 21. Oktober 1922 wird der erste Teil des neuen Hauptbahnhofs eröffnet. Doch der Weiterbau ist aus finanziellen Gründen immer wieder infrage gestellt. Die Stadt Stuttgart gibt deshalb 1925 zwei Millionen Reichsmark zu halbiertem Zinssatz und stellte der Reichsbahngesellschaft 1927 ein Darlehen von weiteren fünf Millionen Reichsmark zur Verfügung, um die Fertigstellung im selben Jahr zu sichern.

1929 wird das Zollamt im Güterbahnhof gebaut. 1931 wird das Zeppelin-Hotel eröffnet. 1942 bis 1945 ist der Bahnhof während des Zweiten Weltkriegs immer wieder Ziel schwerer Luftangriffe. Die Umfassungsmauern bleiben weitgehend stehen, aber die Dächer stürzen ein.
 
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