Stellenabbau bei der Polizei

Acht Großreviere in Stuttgart

Markus Heffner, aus der StZ vom 7. März 2008, veröffentlicht am 06.03.2008
Foto: Rudel/Regenscheit

Stuttgart - Ende März will der Polizeipräsident Siegfried Stumpf im Gemeinderat seine Reformpläne auf den Tisch legen und zur Diskussion stellen. In Polizeikreisen sind die Geheimpläne schon jetzt Thema Nummer eins: Sechs der 14 Reviere sollen geschlossen werden.

Noch ruhen die Papiere der hausinternen Arbeitsgruppen des Polizeipräsidiums unter dem Siegel „Streng geheim“, frühestens Ende März sollen die Pläne unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Gemeinderat vorgestellt werden. Dann sollen die Stadträte endlich aus erster Hand erfahren, wie viele der insgesamt 14 Reviere im Stadtgebiet nach Einschätzung der Polizeiführung geschlossen werden müssen, um den von der Landesregierung verordneten Stellenabbau von 200 Vollzugsbeamten kompensieren zu können.

Die Diskussionen sind derweil schon jetzt in vollem Gange: Aktuell sind die Bürger im Süden in Aufregung, weil dort die Schließung des Reviers Böheimstraße die Runde macht. Bezirksvorsteher Karl-Friedrich Jedtke hat daher den Leiter des Polizeireviers Böheimstraße in die Sitzung des Bezirksbeirats am Dienstag nächster Woche geladen, wo dieser unter Tagesordnungspunkt 1 über „mögliche Auswirkungen einer Revierschließung“ berichten soll. Zugesagt habe der Revierleiter, betont Jedtke – kommen wird er nun aber doch nicht. „Wir verstehen das Ansinnen zwar“, sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach, es werde der Sache aber nicht gerecht, über noch offene Punkte zu berichten. Im Übrigen habe der Polizeipräsident alles gesagt.

Die Polizeiführung hält sich weiter bedeckt, intern werden die Reformpläne und deren Auswirkungen aber bereits heftig diskutiert. Vor allem die Führungskräfte verspüren derzeit einigen Rededrang, nachdem sich das Zukunftsmodell offenbar abzeichnet: Die 14 Reviere sollen zu acht strategisch platzierten Großrevieren fusioniert werden, insgesamt sechs Reviere würden also wegfallen.

Polizeirevier Ost: Im neuen Polizeirevier Ost sollen die bisherigen Reviere Ostendstraße, Wangen und Untertürkheim zusammengelegt werden. Das Großrevier wäre dann für insgesamt rund 90.000 Einwohner zuständig, unter anderem auch für Hedelfingen, Rohracker und Obertürkheim. An Planstellen stehen den drei Revieren Ostendstraße (91), Wangen (40) und Untertürkheim (38) nach Berechnung der jeweiligen Belastung bisher insgesamt 169 Beamte zu. Laut Polizeipräsident Stumpf wird der Stellenschlüssel nach der Umstrukturierung aber überall neu berechnet. Für das Revier müsste wohl eine neue Bleibe gesucht werden, da keines der alten Reviere genug Platz bietet.

Polizeirevier Südwest: Das Polizeirevier Südwest wird von den beiden Revieren Gutenbergstraße (bisher 91 Planstellen) im Westen und Böheimstraße (80) im Süden gebildet. Zusammen mit dem Stadtbezirk Botnang wäre das neue Großrevier für knapp 110.000 Einwohner zuständig. Das Revier Gutenbergstraße wird in Kürze ohnehin in eine neues Gebäude umziehen.

Polizeirevier Nord: Die beiden Polizeireviere in Feuerbach (61 Planstellen) und Weilimdorf (47) sind von Beginn an als potenzielle Kandidaten für eine Zusammenlegung gehandelt worden – sie sollen künftig das Revier Nord bilden. Bei derzeit zusammen 108 zustehenden Planstellen wären die Beamten des neuen Reviers für rund 60.000 Einwohner zuständig.

Polizeirevier Filder: Im Großrevier Filder sollen die bisherigen Reviere Degerloch (67 Planstellen) und Vaihingen-Möhringen (101) aufgehen. Zum Einzugsgebiet gehören auch Plieningen, Birkach und Sillenbuch, insgesamt leben rund 135.000 Bürger in diesem Bereich. Die beiden Filderreviere Vaihingen und Möhringen waren bereits im Jahr 1995 zu einem Großrevier zusammengelegt worden, das seither als richtungweisend gilt und nun weiter ausgebaut werden könnte.

Polizeirevier Bad Cannstatt: Wie erwartet, sollen die beiden Cannstatter Reviere in der Duisburger Straße (51 Planstellen) und der Wiesbadener Straße (121) zu einem neuen Cannstatter Großrevier fusioniert werden. Mit zum Einzugsgebiet gehört der Stadtbezirk Münster, insgesamt leben rund 74.000 Einwohner in diesem Bereich.

Polizeirevier Zuffenhausen: Das Revier Zuffenhausen zählt seit der Zusammenlegung mit dem Revier Freiberg Anfang 2004 bereits zu den beispielhaften Großrevieren, an eine weitere Zusammenlegung ist daher offenbar nicht gedacht: Zuffenhausen soll weiterhin ein eigenständiges Revier bleiben. 120 Mann stehen derzeit auf dem Stellenplan, das Einzugsgebiet mit rund 75.000 Bürgern umfasst die Bezirke Zuffenhausen, Stammheim und Mühlhausen.

Polizeirevier Wolframstraße: Das Polizeirevier in der Wolframstraße ist Ende 2004 als Fusion der beiden Reviere Willy-Brandt-Straße und Mönchhaldenstraße am Rande des Stuttgart-21-Areals in den ehemaligen Räumen des Deutschen Bücherbundes in Betrieb genommen worden. Mit 130 Planstellen ist es eines der Großreviere und daher gesetzt. Zuständig ist das Revier überwiegend für den Stadtbezirk Nord (26.500 Einwohner), unter anderem für den Killesberg, das Gerichtsviertel und den Schlossgarten.

Polizeirevier Innenstadt: Mit 157 Planstellen ist das Polizeirevier in der Hauptstätter Straße das größte in Stuttgart. Zuständig sind die Beamte für den Stadtbezirk Mitte (22.000 Einwohner), der sich von der Paulinenbrücke bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof sowie von der Theodor-Heuss-Straße bis zur Katharinenstraße erstreckt. Auch dieses Revier soll unverändert erhalten bleiben.
 
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