Geburtstagsgeschenk

Eine neue Heimstatt für Hölderlin in Lauffen

Brigitte Fritz-Kador, aus der StZ vom 20. März 2008, veröffentlicht am 19.03.2008
Foto: StZ

Lauffen - Um den 20. März herum gibt es in Lauffen am Neckar, dem Geburtsort Friedrich Hölderlins, ein Geburtstagsgeschenk. Heuer fällt es besonders groß aus. Nach mehr als 20 Jahren ist im neu gestalteten Museum im Klosterhof ein völlig neu gestaltetes Hölderlin-Zimmer entstanden.

Nur seine ersten vier Lebensjahre hat Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar verbracht. „Aber das nimmt uns keiner weg“, sagt Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger. Tatsächlich ist er wohl der erste Bürgermeister der 12.000-Einwohner-Stadt, der sich über das Oberflächlich-Touristische hinaus intensiv mit der Figur des Dichters beschäftigt. Das bedeutet auch für die Stadt eine völlig neue Annäherung an den Dichter. Es gibt regelmäßige Veranstaltungen zu Hölderlin, wie zum Beispiel hochrangige Rezitationsabende oder auch das raumgreifende Denkmal von Peter Lenk „Hölderlin im Kreisverkehr“, das in unmittelbarer Nähe zum Klosterhof, Hölderlins Geburtstätte, im Sommer 2003 errichtet wurde.

Am Donnerstagabend wird das neu gestaltete Museum im Klosterhof mit seinem Hölderlin-Zimmer der Öffentlichkeit übergeben. Entscheidend mit dabei waren wie Waldenberger sagt, Eva Ehrenfeld, die offizielle Hölderlin-Beauftragte der Stadt“ und Stadtbaumeisterin und Architektin Claudia Seipel. So ist an dem idyllischen Flecken am Bachlauf der Zaber, kurz bevor sie in den Neckar mündet, ein kleines, sehr feines Hölderlin-Zentrum entstanden, dessen Design von der Stuttgarter Architektengruppe Coast stammt.

Für das ehemalige Nonnenkloster – man kann seine imponierende Dimension im Museum am Modell nachvollziehen – war, nach dessen Säkularisierung, Hölderlins Vater als Klosterhofmeister tätig: Eine respektable und einträgliche Position und eine gute Voraussetzung für eine schöne Kindheit, wäre der Vater nicht schon gestorben, als Hölderlin gerade vier Jahre war. Der Genius loci aber ist in Lauffen immer noch spürbar. Nicht nur in der Hölderlin-Gedenkstätte, die dort errichtet wurde, wo einmal das Geburtshaus des Dichters stand (in einem Akt kultureller Barberei wurde es 1918 abgerissen). Man fühlt ihn auch in der wiederaufgebauten Kirche des Klosters, die von einem noch erhaltenen Teil des Kreuzganges vom Verkehrslärm abgeschirmt wird. Der ehemalige Sakralraum ist jetzt ein schöner Ort für Veranstaltungen und Kunstpräsentationen geworden, hat eine kleine Präsentationfläche für örtliche frühgeschichtliche Funde und ist der Zugang zum neuen Hölderlin-Zimmer.

Es ist staunenswert, was man auf nur 25 Quadratmetern – aber immerhin für 80.000 Euro – alles machen kann. Und das unter Beibehaltung höchster ästhetischer Kriterien. Diese Museumsdidaktik ohne Zeigefinger und staubige Archivluft lädt freundlich dazu ein, sich dem Dichter so zu nähern, wie man das heute tut: „interaktiv“ und mit allen Mitteln der Wissensvermittlung im Zeitalter des Internets. „Literatur kann man nicht darstellen“, sagt Waldenberger. Man wollte „Verständniskorridore“ in der dreigliedrigen Präsentation schaffen, die neben dem biographischen Aspekt und der Rezeption seiner Schriften zur Beschäftigung mit dem Werk anregen soll.

Ein umlaufendes Wandfries, gestaltet aus Fotosequenzen der Neckar- und Weinlandschaft rund um Lauffen, zeigt das „Arkadien“ des Kindes Hölderlin, das er später in seinen griechischen Ideallandschaften noch intensiver gesucht und besungen hat. Ein einziges Gedicht gibt es von ihm, in dem er seinem Geburtsort ein lyrisches Denkmal gesetzt hat und das natürlich aufliegt.

Von feiner Symbolik aber ist auch schon die Art, wie man das Zimmer betritt: Durch eine der Kopfsilhouetten des 20-jährigen Hölderlins nachgeformte Türöffnung – dahinter ist dann alles in reinstem Weiß. Per „Klangdusche“ kann man sich Hölderlin-Rezitationen aus einem speziell angefertigten Hörbuch auswählen, dank bereitgestellter Gänsefedern selber zur Feder greifen“.

Man darf alle Schubladen öffnen und darin seine Entdeckungen machen, die kurz gefassten Texttafeln lesen oder per Computer so tief in das Werk und das Leben Hölderlins eindringen wie man möchte. Es darf alles angefasst werden. Originalexponate wird man vergeblich suchen, denn bei dieser Präsentation kommt man Hölderlin auf eine Weise nahe, die dieser Dinge nicht bedarf.

Institutionen wie unter anderem das Literaturarchiv in Marbach und die Tübinger Hölderlingesellschaft haben den Lauffenern nicht nur fachlich mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Sie haben die Stadt, worauf Eva Ehrenfeld stolz verweist, auch in den exklusiven Kreis der Dichter-Museen aufgenommen.

Dass mit dieser Hölderlin-Präsentiation ein Schritt gemacht wurde, dem noch weitere folgen werden, lässt Bürgermeister Waldenberger deutlich erkennen: Das Klosterhof-Areal sei groß genug, um hier „richtiges Museum“ zu bauen. Vor allem aber scheint sich jetzt ein Lösung für das sogenannte Wohnhaus der Familie Hölderlin anzubahnen, die lange fällig war.

Das in Privatbesitz befindliche Haus Nordheimer Straße 5, das einzige Bauwerk im Originalzustand und noch gut erhalten, so wie es Hölderlins Großvater einst erworben hat, wird die Stadt wohl im nächsten halben Jahr erwerben können.
 
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