Zornzonen
Wenn Maschinen nicht das tun, was sie sollen
Peter Glaser, veröffentlicht am 12.03.2008
Einer britischen Studie zufolge fahren mehr als 54 Prozent der Computernutzer mindestens einmal pro Woche wegen eines Ärgernisses im Netz aus der Haut. Manche dreschen dann auf die Tastatur oder hauen den Bildschirm. Es kommt auch vor, dass Personen, die sich gerade in der Nähe befinden, geschlagen werden. Die Mehrzahl der Anwender resigniert und schaltet den Rechner ab. Will man als Nutzer seinen Unwillen gegen eine Maschine kundtun, so ist der Austausch seit jeher schwierig. Es fehlt ein emotionslösendes interaktives Element. Etwas wie eine Zornzone.
So beklagt sich etwa ein gewisser Fred in seinem Blog über das lausige Design und die völlig unzulängliche Fehlerhandhabung vernetzter Systeme im Alltag. Er berichtet von einem Versuch, an einer benachbarten Tankstelle zu tanken. Kreditkarte durch das Lesegerät an der Zapfsäule gezogen, Zapfhahn gedrückt. Nichts. Gerüttelt, Knöpfchen gedrückt, Pumpe neu gestartet. Benzin für 30 Cent kommt aus dem Hahn. Der Tankwart kommt aus seinem Häuschen und empfiehlt, es mit einer anderen Zapfsäule zu versuchen, dort passiert dasselbe.
Diesmal kommt Benzin für 25 Cent aus dem Hahn. Der Tankwart zuckt mit den Schultern. Es könnte sein, dass kein Benzin mehr im Vorratstank ist. An der nächsten Tankstelle wird die Kreditkarte abgewiesen. Die Software des Kreditkartenunternehmens ist offenbar der Meinung, es handle sich um einen Betrugsversuch. Kein Benzin mehr im Wagen. Fred, der sein Mobiltelefon nicht dabei hat, läuft zu Fuß den ganzen Weg nach Haus, um bei der Kartenfirma anzurufen. Ehe er mit einem Mitarbeiter sprechen kann, muss er einen fünfminütigen automatisierten Verifikationsprozess über sich ergehen lassen. Fred ist nicht nett zu der Person, mit der er schließlich verbunden wird. "Es war", schreibt er, "zum Schreien". Eine kleine Zornzone an der Zapfsäule hätte die Situation entspannt.
Aber auch die Maschinen scheinen etwas zu ahnen. Robert P. Booth, ein Landwirt aus Wirtz im US-Bundesstaat Virginia, hat die erste "Ass Kicking Machine" der Welt gebaut - ein hölzernes Rad, an dem ein derber Schuh befestigt ist. Booth ist von der Maschine bereits attackiert worden, als er sich ihr unvorsichtig näherte.
Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. So war beispielsweise der vormalige thailändische Finanzminister Suchart Jaovisidha von seinem Dienstwagen verschluckt worden. Auf dem Weg zu einer Rede geriet sein BMW in einen Zustand katatonischer Starre. "Der Motor blieb stehen, die Klimaanlage fiel aus, die Türen verriegelten sich und die Fenster gingen nicht mehr auf", wird der Minister in einer Tageszeitung zitiert. "Wir bekamen kaum noch Luft." Fensterkurbeln gibt es in dem Fahrzeug nicht mehr.
Um auf sich aufmerksam zu machen, gestikulierten der Minister und sein Fahrer wie wild. Es dauerte zehn Minuten, ehe das jemandem ungewöhnlich vorkam. Ein Sicherheitsbeamter, der sich in der Nähe aufhielt, versuchte schließlich, ein Seitenfenster mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern. Da die Ministerkarosse mit Panzerglas ausgestattet war, erwies sich das als außerordentlich mühsam. Die Maschinen wollen uns nicht mehr entkommen lassen.
E-Mail an den Autor: p.glaser@stz.zgs.de
So beklagt sich etwa ein gewisser Fred in seinem Blog über das lausige Design und die völlig unzulängliche Fehlerhandhabung vernetzter Systeme im Alltag. Er berichtet von einem Versuch, an einer benachbarten Tankstelle zu tanken. Kreditkarte durch das Lesegerät an der Zapfsäule gezogen, Zapfhahn gedrückt. Nichts. Gerüttelt, Knöpfchen gedrückt, Pumpe neu gestartet. Benzin für 30 Cent kommt aus dem Hahn. Der Tankwart kommt aus seinem Häuschen und empfiehlt, es mit einer anderen Zapfsäule zu versuchen, dort passiert dasselbe.
Diesmal kommt Benzin für 25 Cent aus dem Hahn. Der Tankwart zuckt mit den Schultern. Es könnte sein, dass kein Benzin mehr im Vorratstank ist. An der nächsten Tankstelle wird die Kreditkarte abgewiesen. Die Software des Kreditkartenunternehmens ist offenbar der Meinung, es handle sich um einen Betrugsversuch. Kein Benzin mehr im Wagen. Fred, der sein Mobiltelefon nicht dabei hat, läuft zu Fuß den ganzen Weg nach Haus, um bei der Kartenfirma anzurufen. Ehe er mit einem Mitarbeiter sprechen kann, muss er einen fünfminütigen automatisierten Verifikationsprozess über sich ergehen lassen. Fred ist nicht nett zu der Person, mit der er schließlich verbunden wird. "Es war", schreibt er, "zum Schreien". Eine kleine Zornzone an der Zapfsäule hätte die Situation entspannt.
Aber auch die Maschinen scheinen etwas zu ahnen. Robert P. Booth, ein Landwirt aus Wirtz im US-Bundesstaat Virginia, hat die erste "Ass Kicking Machine" der Welt gebaut - ein hölzernes Rad, an dem ein derber Schuh befestigt ist. Booth ist von der Maschine bereits attackiert worden, als er sich ihr unvorsichtig näherte.
Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. So war beispielsweise der vormalige thailändische Finanzminister Suchart Jaovisidha von seinem Dienstwagen verschluckt worden. Auf dem Weg zu einer Rede geriet sein BMW in einen Zustand katatonischer Starre. "Der Motor blieb stehen, die Klimaanlage fiel aus, die Türen verriegelten sich und die Fenster gingen nicht mehr auf", wird der Minister in einer Tageszeitung zitiert. "Wir bekamen kaum noch Luft." Fensterkurbeln gibt es in dem Fahrzeug nicht mehr.
Um auf sich aufmerksam zu machen, gestikulierten der Minister und sein Fahrer wie wild. Es dauerte zehn Minuten, ehe das jemandem ungewöhnlich vorkam. Ein Sicherheitsbeamter, der sich in der Nähe aufhielt, versuchte schließlich, ein Seitenfenster mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern. Da die Ministerkarosse mit Panzerglas ausgestattet war, erwies sich das als außerordentlich mühsam. Die Maschinen wollen uns nicht mehr entkommen lassen.
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