Protest niedergelassener Ärzte

Praxis-Streik ohne größere Folgen

dpa, veröffentlicht am 25.03.2008
Foto: dpa
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Düsseldorf/Berlin - Aus Protest gegen ihre wirtschaftliche Situation wollen zehntausende niedergelassene Ärzte nach Angaben eines Ärztevereins bis Ende der Woche ihre Praxis schließen. In der Branche wurden am Dienstag aber Zweifel an einer breiten Protestfront in den rund 100.000 Praxen laut.

Konkrete Angaben gab es zunächst nicht. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte unterdessen vor fortschreitendem Medizinermangel.

"Wir rechnen damit, dass bis 2012 rund 34.000 niedergelassene Ärzte altersbedingt ihre Praxistätigkeit aufgeben werden", sagte KBV-Chef Andreas Köhler in Berlin. Fast jeder fünfte niedergelassene Arzt in Deutschland befinde sich derzeit kurz vor dem Ruhestand. Unterstützung der Politik sei nötig. "Denn der drohende Ärztemangel ist letztlich eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft." Die geplante Honorarreform 2009 müsse kommen.

Der Verein "Freie Ärzteschaft" hatte die niedergelassenen Ärzte zur Praxisschließung nach Ostern aufgerufen. Ein Sprecher des in Abgrenzung zu den großen Ärzteorganisationen gegründeten Vereins sagte, Bilanz könne erst Mitte der Woche gezogen werden. Der Verein erwarte bis zu 40.000 teilnehmende Ärzte.

Er begründete den Protestaufruf damit, dass Politik und Gesundheitskonzerne die gesamte Versorgung in Kliniken und Versorgungszentren verlegen wollten. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums sagte, die erste Pflicht der Ärzte sei es, die medizinische Versorgung sicherzustellen. Protestierende Ärzte müssten mit Honorareinbußen rechnen.

Zunächst wurden keine Lücken in der Patienten-Versorgung bekannt. "Wir haben auch von unseren Kreisstellen keine Informationen, dass es irgendwo Schwierigkeiten gibt", sagte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. In der Vergangenheit waren schwerpunktmäßig Ärzte in Nordrhein-Westfalen Aufrufen des hier ansässigen Vereins gefolgt.

Auch aus anderen Bundesländern gab es keine Angaben über Schließungen. In der Branche war man dem Vernehmen nach skeptisch, dass die "Freie Ärzteschaft" über die Ressourcen verfügt, um allein einen Protest zu organisieren, der mit den Aktionen 2006 gegen die Gesundheitsreform vergleichbar ist. In so einem Fall müssten zum Beispiel aufwändige Vertretungspläne erstellt werden.

Bei der KBV und der Bundesärztekammer hieß es, einen Überblick über den Umfang von Praxisschließungen habe man nicht. Sicherlich seien nicht nur viele Patienten, sondern auch viele Ärzte im Osterurlaub, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl.
 

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