Medienmann Hornauer

Nicht alle Fragen sind ihm genehm

Von Wolfgang Messner, aus der StZ vom 15.03.2008, veröffentlicht am 15.03.2008
Foto: dpa

Der Medienunternehmer Thomas Hornauer aus Plüderhausen muss nun auch in Österreich damit rechnen, dass er Ärger mit den Aufsichtsbehörden bekommt. Er kündigt indes an, im Sommer mit seinem Sender von Ludwigsburg nach Wien umziehen zu wollen.

Es ist eine kleine Welt, die dem Zuschauer bei Kanal Telemedial vorgeführt wird. Die Atmosphäre ist privat, alle sind per Du. Orange Table heißt das Format. Das bedeutet, dass an einem großen orangefarbenen Tisch ein paar Frauen im besten Alter und ein beleibter Mann Platz genommen haben. Sie schweigen oder reden nur, wenn sie gefragt werden. Dann sitzt da noch Thomas Hornauer, Medienunternehmer und ehedem Eigner des baden-württembergischen Privatsenders BTV4U. Der 46-Jährige ist so etwas wie das Enfant terrible der baden-württembergischen Medienszene. Als er BTV übernahm, sprang er auf einen Tisch und brüllte, er brauche Krieger und keine zahmen Küken, um Millionen zu verdienen. In seinem Kanal Telemedial schlägt er weiche Töne an und erzählt - vor allem von sich, gestikuliert, lamentiert, weint auch mal. Und das von spät bis früh. Denn die Sendezeit von 21 Uhr bis 6 Uhr will gefüllt sein. Jeden Tag ist das Schauspiel auf dem Sendeplatz des Kinderkanals (Kika) zu besichtigen. Bei Kanal Telemedial ist Hornauer Eigentümer, Finanzier, Chefmoderator und so etwas wie der Oberguru des Senders. Zuschauer gibt es auch noch. Die dürfen sich einwählen in die Sendung und Fragen stellen, was einen gut 1,99 Euro pro Minute und mehr kostet. Wer einen "Energieaustausch" braucht, ist mit 10 bis 30 Euro dabei. Anfangs bettelte Hornauer die Zuschauer direkt an, sie sollten auf eine Kontonummer der Volksbank Welzheim (Rems-Murr-Kreis) spenden, damit sein Sender am Leben bleiben könne.

Trotz seiner Nähe zum Zuschauer sind Hornauer längst nicht alle Fragen genehm. Die "Martina" zum Beispiel meint, dass sie glaube, dass es beim Kanal Telemedial darum gehe, dass Hornauer und seine Beschäftigten sich labile Menschen suchen, um sie "abzocken" zu können. Sie selbst habe auch schon 600 Euro für Beratungen in seinem Sender gelassen. So etwas mag sich Hornauer nicht lange anhören. Nach kurzer Zeit wirft er die Anruferin aus der Leitung: "Hab keine Lust mehr, mit dir zu reden."

Vielleicht wird der Medienunternehmer schon bald mit Medienwächtern reden müssen. Vor denen glaubte sich Hornauer sicher, seit er im Juli 2006 eine Volllinzenz in Österreich für sein neues Programm Primetime TV bekommen hatte, und das gleich für zehn Jahre. Die Österreicher interessierten sich allerdings wenig für die Tatsache, dass ihm in Baden-Württemberg bereits eine TV-Lizenz aberkannt worden war. Aus Primetime wurde Telemedial. Und Hornauer gefällt es bei den Österreichern offensichtlich so gut, dass er in seiner Sendung am Donnerstag ankündigte, im Sommer den Sendestandort von Ludwigsburg nach Wien verlegen zu wollen. Nichtsdestotrotz häufen sich mittlerweile die Beschwerden. Nunmehr wollen offenbar auch die deutschen Medienwächter dem Treiben nicht mehr länger zusehen. Im Fall von Telemedial schrieb die Landesanstalt für Medien (LfM) in Nordrhein-Westfalen an die österreichische TV-Zulassungs- und -Regulierungsbehörde und bat um Stellungnahme. "Arg viel mehr können wir nicht machen", bedauert ein Sprecher.

Auch die Stuttgarter Zeitung bat um Stellungnahme. Die Antwort aus Wien lautete, ein Lizenzentzug in einem anderen Staat stelle "per se keinen Hinderungsgrund für die Erteilung einer Zulassung" dar. Ob Telemedial wegen der Zuschauerbeschwerden überprüft werde, könne man aus Gründen der "Amtsverschwiegenheit" nicht mitteilen. Bereits im Oktober 2007 hatte die Landesmedienanstalt als Vorsitzende der Gemeinsamen Stelle Programm und Werbung der Landesmedienanstalten die Esoterikkanäle nach Düsseldorf eingeladen. Es ging um eine gemeinsame Selbstverpflichtung. So sollen medizinische Beratungen verboten und ein Kostenlimit pro Anruf festgesetzt werden.
 

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