Kommentar zum Brandanschlag

Zweifel

Frank Rodenhausen, aus der StZ vom 31. Mär 2008, veröffentlicht am 31.03.2008

Backnang - Die Sachlage scheint eindeutig. Im Rems-Murr-Kreis, dem seit einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Waiblingen im Jahr 2000 ohnehin der Ruch anhaftet, eine Hochburg der Rechtsextremen zu sein, brennt ein Kinderwagen in einem Haus, das überwiegend von Ausländern bewohnt wird. Nur durch viel Glück kann eine Ausbreitung des Feuers verhindert werden.

An die Wand im Hinterhof sind von den gleichen Tätern spiegelverkehrte Hakenkreuze geschmiert worden. Eine Parole scheint zu belegen, dass hier gezielt ausländische Menschen getötet werden sollten. Radio- und Fernsehsender, spätestens seit dem Inferno in Ludwigshafen sensibilisiert, greifen das Thema auf und zeichnen ein überspitztes Bild der Situation: Backnang – ein Hort von Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gegen Ausländer.

Eine solche Beschreibung wird den Verhältnissen in der Stadt an der Murr sicher nicht gerecht. Dass der Rems-Murr-Kreis ein Problem mit rechten Umtrieben hat, ist unbestritten. Das hat auch eine Studie des Tübinger Sozial- und Verhaltenswissenschaftlers Josef Held unlängst bestätigt. Doch verantwortliche Kräfte haben längst darauf reagiert. Es gibt eigens eingerichtete Koordinierungsstellen gegen Rechtsextremismus. An Schulen und in Jugendhäusern wird respektable Aufklärungsarbeit geleistet, und die Polizei geht gegen rechte Umtriebe mit aller gebotenen Härte vor.

Auch den Kinderwagenbrand in dem Mehrfamilienhaus in der Backnanger Innenstadt nehmen die Ermittler sehr ernst. Und sie prüfen mit Nachdruck, welche Motive zu der Tat geführt haben. Die Schuldigen müssen zur Rechenschaft gezogen werden, ganz gleich, was sie zur der Tat veranlasst hat. Sie haben riskiert, dass ein Wohnhaus in Flammen aufgeht und viele Menschen sterben. Das ist durch nichts zu rechtfertigen und auch nicht zu relativieren.

Aber man sollte zum jetzigen Zeitpunkt keine übereilten Schlüsse aus den Ereignissen in den frühen Morgenstunden des Samstags ziehen. Die Polizei hat einige Zweifel, ob es tatsächlich Neonazis waren, die in der Backnanger Innenstadt ein Inferno unter Ausländern anrichten wollten. Und diese Zweifel erscheinen durchaus plausibel. Dass die Botschaft der Schmierer an der Wand des Hauses bei genauerem Betrachten auch „Deutsche alle sterben“ heißen könnte, ist nur eines von vielen Indizien, die zunächst eingehend geprüft werden sollten.
 
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