Reutlingen
Neues Bosch-Werk soll 2009 eröffnet werden
Inge Nowak, aus der StZ vom 8. April 2008, veröffentlicht am 07.04.2008
Reutlingen - Haben Sie so etwas schon einmal gehört? Wenn das Horn ertönt, müssen die Bauarbeiter langsamer tun. Die Handlungsanweisung ist eindeutig. Bosch sorgt sich in diesem Moment aber nicht etwa um das Wohl besonders eifriger Menschen. Dem Autozulieferer geht es vielmehr um seine Produkte, konkret um die besonders empfindlichen Halbleiter.
Bereits seit Jahren fertigen die Stuttgarter in Reutlingen Mikrochips. Direkt daneben entsteht derzeit ein neues, modernes Halbleiterwerk. Erschütterungen kommen bei Bauarbeiten vor. Doch eben diese Erschütterungen können die Chip-Qualität im „alten“ Werk beeinträchtigen. Mehrmals am Tage ruft das Horn die Arbeiter deshalb zur Mäßigung.
Kirschkern im Bodensee
600 Millionen Euro verbaut der Stuttgarter Autozulieferer Bosch derzeit in Reutlingen. 800 Beschäftigte sollen dort einmal arbeiten. Es ist die größte Einzelinvestition des Konzerns weltweit. Von Mitte kommenden Jahres an sollen dort Mikrochips hergestellt werden, deren Strukturen noch feiner sind als ein menschliches Haar, sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach anlässlich des Richtfestes. Kein Wunder also, dass auch an die Produktion besondere Anforderungen gestellt werden. Vermummte Mitarbeiter werden in der künftigen Fertigung zu sehen sein. Denn die elektronischen Winzlinge werden in einer extrem sauberen Umgebung hergestellt, Experten reden vom Reinraum. In Reutlingen entsteht ein Reinraum der Klasse eins. Um zu veranschaulichen, wie wenig Staubpartikel da erlaubt sind, zieht Christoph Kübel, der Vorsitzende des Bosch-Bereichsvorstands Automobilelektronik, den Vergleich: Ein Kirschkern im Bodensee.
„Das Halbleitergeschäft ist für uns eine sehr große Chance“, sagte Fehrenbach. „Denn Innovationen in der Autoindustrie basieren zurzeit sehr stark auf Elektronik und Sensorik“. In Zahlen liest es sich so: Chips im Wert von 300 Dollar (190 Euro) sind derzeit im Schnitt in jedem Auto. Bis 2020 soll sich dieser Wert verdoppelt haben. Rechnet man alles zusammen, liegt das Marktvolumen derzeit bei 15 Milliarden Dollar. Und Jahr für Jahr werden es zehn Prozent mehr. In Europa wächst der Markt sogar um zwölf Prozent.
Oettinger beim Richtfest
Chips sind die Sinnessensoren im Auto, zieht Fehrenbach den Vergleich. Quasi das Gehirn. Sie sorgen dafür, dass Airbag oder Antiblockiersystem funktionieren. Künftig sollen sie eine Kollision schon vor dem eigentlichen Unfall erkennen und frühzeitig etwa Notbremsung und Airbag auslösen, erläutert der Bosch-Chef. Moderne Motoren verbrauchen dank elektronischer Steuersysteme weniger Kraftstoff und stoßen damit weniger Kohlendioxid aus. Apropos Kohlendioxid. Viele Verbraucher würden derzeit rätseln, was sie beim Kauf eines neuen Autos beachten sollen, weil es noch keine klare CO2-Besteuerung gebe. In Deutschland werde aber keine Umweltdebatte geführt, „sondern der Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern kann offenbar nicht geregelt werden“, mahnte Fehrenbach die Politiker. Ministerpräsident Günther Oettinger, der zum Richtfest gekommen war, blieb eine konkrete Antwort schuldig.
Bosch-Chips in der Sony-Playstation
Die Reutlinger Chips sollen aber nicht nur die Sicherheit im Auto erhöhen, Bosch strebt mit den Winzlingen auch in ganz neue Märkte. Mit Sony ist man sich bereits einig; Bosch-Chips werden auch in der Playstation zu finden sein. Samsung könnte als Kunde bald hinzu kommen. Der Bedarf sei da, sagt Bereichsvorstand Kübel. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen sehr. So müssen Halbleiter, die in der Unterhaltungselektronik eingesetzt werden, Temperaturschwankungen von lediglich null bis 40 Grad aushalten. Kein Vergleich mit dem Auto, wo die Schwankungen zwischen minus 40 und weit mehr als 100 Grad liegen. Auch die Wünsche an die Lebensdauer unterscheiden sich deutlich. Mehr als 20 Jahre sollten die Winzlinge im Auto fehlerlos laufen; Ersatzteile müssen gar über Jahrzehnte hinweg vorgehalten werden. Die Lebensdauer von Handys oder Laptops ist zwei, drei, vielleicht auch vier Jahre. Dafür kommen alle paar Monate neue Geräte mit hoffentlich neuen Anwendungen auf den Markt.
Probleme, den unterschiedlichen Märkten gerecht zu werden, sieht Kübel nicht. Die Tochter Sensortec wird sich um das Konsumgeschäft kümmern. Besonders stolz ist Fehrenbach, dass mit der neuen Chipfabrik ein Personalproblem gelöst wurde. Der Betriebsteil Rommelsbach wird in einigen Jahren geschlossen, weil der Kunde Volkswagen die dort gefertigte Dieseltechnik nicht mehr einsetzen will. Die 600 betroffenen Mitarbeiter sollen in Reutlingen neue Arbeit finden.
Bereits seit Jahren fertigen die Stuttgarter in Reutlingen Mikrochips. Direkt daneben entsteht derzeit ein neues, modernes Halbleiterwerk. Erschütterungen kommen bei Bauarbeiten vor. Doch eben diese Erschütterungen können die Chip-Qualität im „alten“ Werk beeinträchtigen. Mehrmals am Tage ruft das Horn die Arbeiter deshalb zur Mäßigung.
Kirschkern im Bodensee
600 Millionen Euro verbaut der Stuttgarter Autozulieferer Bosch derzeit in Reutlingen. 800 Beschäftigte sollen dort einmal arbeiten. Es ist die größte Einzelinvestition des Konzerns weltweit. Von Mitte kommenden Jahres an sollen dort Mikrochips hergestellt werden, deren Strukturen noch feiner sind als ein menschliches Haar, sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach anlässlich des Richtfestes. Kein Wunder also, dass auch an die Produktion besondere Anforderungen gestellt werden. Vermummte Mitarbeiter werden in der künftigen Fertigung zu sehen sein. Denn die elektronischen Winzlinge werden in einer extrem sauberen Umgebung hergestellt, Experten reden vom Reinraum. In Reutlingen entsteht ein Reinraum der Klasse eins. Um zu veranschaulichen, wie wenig Staubpartikel da erlaubt sind, zieht Christoph Kübel, der Vorsitzende des Bosch-Bereichsvorstands Automobilelektronik, den Vergleich: Ein Kirschkern im Bodensee.
„Das Halbleitergeschäft ist für uns eine sehr große Chance“, sagte Fehrenbach. „Denn Innovationen in der Autoindustrie basieren zurzeit sehr stark auf Elektronik und Sensorik“. In Zahlen liest es sich so: Chips im Wert von 300 Dollar (190 Euro) sind derzeit im Schnitt in jedem Auto. Bis 2020 soll sich dieser Wert verdoppelt haben. Rechnet man alles zusammen, liegt das Marktvolumen derzeit bei 15 Milliarden Dollar. Und Jahr für Jahr werden es zehn Prozent mehr. In Europa wächst der Markt sogar um zwölf Prozent.
Oettinger beim Richtfest
Chips sind die Sinnessensoren im Auto, zieht Fehrenbach den Vergleich. Quasi das Gehirn. Sie sorgen dafür, dass Airbag oder Antiblockiersystem funktionieren. Künftig sollen sie eine Kollision schon vor dem eigentlichen Unfall erkennen und frühzeitig etwa Notbremsung und Airbag auslösen, erläutert der Bosch-Chef. Moderne Motoren verbrauchen dank elektronischer Steuersysteme weniger Kraftstoff und stoßen damit weniger Kohlendioxid aus. Apropos Kohlendioxid. Viele Verbraucher würden derzeit rätseln, was sie beim Kauf eines neuen Autos beachten sollen, weil es noch keine klare CO2-Besteuerung gebe. In Deutschland werde aber keine Umweltdebatte geführt, „sondern der Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern kann offenbar nicht geregelt werden“, mahnte Fehrenbach die Politiker. Ministerpräsident Günther Oettinger, der zum Richtfest gekommen war, blieb eine konkrete Antwort schuldig.
Bosch-Chips in der Sony-Playstation
Die Reutlinger Chips sollen aber nicht nur die Sicherheit im Auto erhöhen, Bosch strebt mit den Winzlingen auch in ganz neue Märkte. Mit Sony ist man sich bereits einig; Bosch-Chips werden auch in der Playstation zu finden sein. Samsung könnte als Kunde bald hinzu kommen. Der Bedarf sei da, sagt Bereichsvorstand Kübel. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen sehr. So müssen Halbleiter, die in der Unterhaltungselektronik eingesetzt werden, Temperaturschwankungen von lediglich null bis 40 Grad aushalten. Kein Vergleich mit dem Auto, wo die Schwankungen zwischen minus 40 und weit mehr als 100 Grad liegen. Auch die Wünsche an die Lebensdauer unterscheiden sich deutlich. Mehr als 20 Jahre sollten die Winzlinge im Auto fehlerlos laufen; Ersatzteile müssen gar über Jahrzehnte hinweg vorgehalten werden. Die Lebensdauer von Handys oder Laptops ist zwei, drei, vielleicht auch vier Jahre. Dafür kommen alle paar Monate neue Geräte mit hoffentlich neuen Anwendungen auf den Markt.
Probleme, den unterschiedlichen Märkten gerecht zu werden, sieht Kübel nicht. Die Tochter Sensortec wird sich um das Konsumgeschäft kümmern. Besonders stolz ist Fehrenbach, dass mit der neuen Chipfabrik ein Personalproblem gelöst wurde. Der Betriebsteil Rommelsbach wird in einigen Jahren geschlossen, weil der Kunde Volkswagen die dort gefertigte Dieseltechnik nicht mehr einsetzen will. Die 600 betroffenen Mitarbeiter sollen in Reutlingen neue Arbeit finden.
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