Stuttgart
Gaswerk-Altlasten gefährden Heilquellen
Jürgen Brand, aus der StZ vom 12. April 2008, veröffentlicht am 11.04.2008
Stuttgart - Bis 1974 wurde im Gaswerk Ost beim Gaskessel Stadtgas produziert. Die dabei entstandenen Schadstoffe sind tief in den Boden eingedrungen und gefährden die Heilquellen. Sie sollen jetzt durch aufwendige Sanierungsmaßnahmen geschützt werden.
Jahrelang hat man auf dem EnBW-Gelände beim Gaskessel gebohrt und geforscht, Boden und Wasser sind mit besonderer Gründlichkeit untersucht worden. Das Ergebnis, das am Freitag im Rathaus vorgestellt wurde, ist erschreckend. Praktisch das gesamte Areal ist großflächig mit einer Vielzahl von Schadstoffen aus der einstigen Gasproduktion belastet. Ein Teil dieser Schadstoffe ist bereits tief in den Untergrund eingedrungen, über das Grundwasser bewegen sie sich auch in Richtung Leuze. Der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Matthias Hahn, sagte zwar: „Es gibt keinen Grund für Panik und Hektik.“ Und eine akute Gefährdung der Mineralquellen wird von den Fachleuten vom Amt für Umweltschutz für unwahrscheinlich gehalten. Unstrittig ist aber, dass möglichst bald und wegen des sensiblen Untergrunds mit möglichst großer Sorgfalt etwas getan werden muss.
Gaswerk wurde 1875 in Betrieb genommen
Die Schadstoffe stammen aus der Zeit, als im Gaswerk Ost aus Steinkohle Stadtgas hergestellt wurde. Insgesamt gab es in Stuttgart zwölf solcher Gaswerke, beispielsweise auch das Gaswerk Stuttgart-West an der Seidenstraße. Das ebenfalls stark belastete Areal dort wurde vor dem Neubau des Diakonieklinikums vor einigen Jahren saniert. Das Gaswerk Ost war die größte und am längsten betriebene derartige Einrichtung in Stuttgart. Es wurde 1875 in Betrieb genommen und erst 1974 endgültig stillgelegt. Das Areal ist nach wie vor „das Herz der Gasversorgung in Baden-Württemberg, zumindest für die EnBW“, sagte der Geschäftsführer der EnBW Gas GmbH, Albert Nonnenmacher, am Freitag.
Bei der Gasproduktion aus Steinkohle entstanden Schadstoffe wie Berliner Blau (Cyanid), Benzole, Teeröle und Phenole. Schon in den 70er Jahren wurden bei Bauarbeiten auf dem Gelände teerhaltiges Erdreich und verschmutztes Wasser entdeckt. 1994 wurde dann mit einer systematischen Altlastenuntersuchung begonnen, bei der mehr als 100 Grundwassermessstellen gebohrt und etliche Boden- und Wasserproben genommen wurden. Im Jahr 2004 begann die Sanierungsuntersuchung, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden.
Zur Verschmutzung in der Kernzone des Stuttgarter Heilquellen-Schutzgebietes sagte Bürgermeister Matthias Hahn: „Ich wundere mich, dass in der nahe gelegenen Leuze-Quelle bisher noch keine Schadstoffe angekommen sind.“
Da das Areal nach wie vor genutzt wird, ist ein großflächiger Erdaushub wie beim Gaswerk West nicht möglich. Deswegen schlagen die Fachleute den Bau eines Leitwandsystems vor, das das weitere Absinken schadstoffhaltigen Wassers verhindern soll. Außerdem ist ein Sicherungsbauwerk geplant, in dem das im Neckarkies in Richtung Leuze fließende Wasser aufgefangen und gereinigt werden soll. Der Bau dieses Wandsystems unter der Erde ist wegen des Drucks des Mineralwassers kompliziert. Gerd Wolff vom Amt für Umweltschutz sagte am Freitag: „Es ist ein großer und schwerer Schaden mit einem beachtlichen Risiko für die Heilquellen. Wir müssen mit großer Sorgfalt etwas tun, das aber in Bälde. Wenn wir dabei den Stöpsel ziehen und das Mineralwasser nach oben dringt, haben wir ein großes Problem.“ Die Schadstoffherde wie zum Beispiel alte Teergruben können erst beseitigt werden, wenn das Leitwandsystem funktioniert.
Die Sanierung wird 6,5 bis 7 Millionen Euro kosten. Finanziert wird sie aus Mitteln des Altlastenfonds des Landes und von der EnBW. Die Detailplanung wird sofort in Angriff genommen, mit dem Bau der Leitwände wird voraussichtlich Anfang 2010 begonnen. Anfang 2011 sollen sie fertig sein.
Jahrelang hat man auf dem EnBW-Gelände beim Gaskessel gebohrt und geforscht, Boden und Wasser sind mit besonderer Gründlichkeit untersucht worden. Das Ergebnis, das am Freitag im Rathaus vorgestellt wurde, ist erschreckend. Praktisch das gesamte Areal ist großflächig mit einer Vielzahl von Schadstoffen aus der einstigen Gasproduktion belastet. Ein Teil dieser Schadstoffe ist bereits tief in den Untergrund eingedrungen, über das Grundwasser bewegen sie sich auch in Richtung Leuze. Der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Matthias Hahn, sagte zwar: „Es gibt keinen Grund für Panik und Hektik.“ Und eine akute Gefährdung der Mineralquellen wird von den Fachleuten vom Amt für Umweltschutz für unwahrscheinlich gehalten. Unstrittig ist aber, dass möglichst bald und wegen des sensiblen Untergrunds mit möglichst großer Sorgfalt etwas getan werden muss.
Gaswerk wurde 1875 in Betrieb genommen
Die Schadstoffe stammen aus der Zeit, als im Gaswerk Ost aus Steinkohle Stadtgas hergestellt wurde. Insgesamt gab es in Stuttgart zwölf solcher Gaswerke, beispielsweise auch das Gaswerk Stuttgart-West an der Seidenstraße. Das ebenfalls stark belastete Areal dort wurde vor dem Neubau des Diakonieklinikums vor einigen Jahren saniert. Das Gaswerk Ost war die größte und am längsten betriebene derartige Einrichtung in Stuttgart. Es wurde 1875 in Betrieb genommen und erst 1974 endgültig stillgelegt. Das Areal ist nach wie vor „das Herz der Gasversorgung in Baden-Württemberg, zumindest für die EnBW“, sagte der Geschäftsführer der EnBW Gas GmbH, Albert Nonnenmacher, am Freitag.
Bei der Gasproduktion aus Steinkohle entstanden Schadstoffe wie Berliner Blau (Cyanid), Benzole, Teeröle und Phenole. Schon in den 70er Jahren wurden bei Bauarbeiten auf dem Gelände teerhaltiges Erdreich und verschmutztes Wasser entdeckt. 1994 wurde dann mit einer systematischen Altlastenuntersuchung begonnen, bei der mehr als 100 Grundwassermessstellen gebohrt und etliche Boden- und Wasserproben genommen wurden. Im Jahr 2004 begann die Sanierungsuntersuchung, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden.
Zur Verschmutzung in der Kernzone des Stuttgarter Heilquellen-Schutzgebietes sagte Bürgermeister Matthias Hahn: „Ich wundere mich, dass in der nahe gelegenen Leuze-Quelle bisher noch keine Schadstoffe angekommen sind.“
Da das Areal nach wie vor genutzt wird, ist ein großflächiger Erdaushub wie beim Gaswerk West nicht möglich. Deswegen schlagen die Fachleute den Bau eines Leitwandsystems vor, das das weitere Absinken schadstoffhaltigen Wassers verhindern soll. Außerdem ist ein Sicherungsbauwerk geplant, in dem das im Neckarkies in Richtung Leuze fließende Wasser aufgefangen und gereinigt werden soll. Der Bau dieses Wandsystems unter der Erde ist wegen des Drucks des Mineralwassers kompliziert. Gerd Wolff vom Amt für Umweltschutz sagte am Freitag: „Es ist ein großer und schwerer Schaden mit einem beachtlichen Risiko für die Heilquellen. Wir müssen mit großer Sorgfalt etwas tun, das aber in Bälde. Wenn wir dabei den Stöpsel ziehen und das Mineralwasser nach oben dringt, haben wir ein großes Problem.“ Die Schadstoffherde wie zum Beispiel alte Teergruben können erst beseitigt werden, wenn das Leitwandsystem funktioniert.
Die Sanierung wird 6,5 bis 7 Millionen Euro kosten. Finanziert wird sie aus Mitteln des Altlastenfonds des Landes und von der EnBW. Die Detailplanung wird sofort in Angriff genommen, mit dem Bau der Leitwände wird voraussichtlich Anfang 2010 begonnen. Anfang 2011 sollen sie fertig sein.
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