Musikportale

Niemand muss mehr in die musikalische Grauzone abtauchen

Maximilian von Demandowsky, veröffentlicht am 16.04.2008
Foto: AP

Stuttgart - Musik aus dem Internet herunterzuladen ist nicht mehr illegal – bei manchen Anbietern zumindest. Newcomer, aber auch bekannte Künstler versuchen so, ihre Musik besser zu vermarkten.

"Schatz, kannst du bitte mal den neuen Song von Shakira herunterladen?" Dass sich ein Internetnutzer gerade einen Titel aus dem aktuellen Album "Oral Fixation Vol. 2" der kolumbianischen Popsängerin auf den heimischen Computer lädt, lässt so manchem Verantwortlichen aus der Musikindustrie das Blut in den Adern gefrieren. Handelt es sich doch bei den Musikangeboten bei Tauschbörsen häufig um eine Verletzung der Urheberrechte, sprich um eine illegale Kopie.

Dabei ist der Schritt in die rechtliche Grauzone nicht nötig, um an reichlich Klangmaterial zu gelangen. Mehrere Portale halten im Netz inzwischen eine beachtliche Auswahl an Musiktiteln zum Speichern bereit. Ganz legal und kostenlos. Zudem finden sich nicht nur unbekannte Künstler im Netz, die ihre Musik unters Volk bringen wollen – viele Musikkonzerne verstehen das Internet inzwischen als Medium, um einzelne Titel gratis als Werbung für das neueste Album oder die bevorstehende Konzerttournee unter die Leute zu streuen.

Welche Anbieter gibt es?

Neue Stücke von bekannten und weniger bekannten Interpreten gibt es etwa beim MP3-Magazin Tonspion.de. Die Plattform stellt lizenzfreie MP3-Dateien auf ihrer Seite vor. "Wir durchforsten das gesamte Internet nach Downloadangeboten von Musiktiteln, die legal und kostenlos sind und bieten einen Link zum Künstler oder zur Plattenfirma", erklärt der Geschäftsführer von Tonspion, Udo Schaaf. Knapp 10000 Musiktitel von Electronic über Modern Pop bis hin zu Klassik sind so abrufbar. Der Nutzer kann sich die Titel anhören, auf eine CD brennen oder auf einen MP3-Player überspielen.

Unter dem Motto "entdecke unabhängige Musik" lädt die englischsprachige Website Garageband.com zum Stöbern ein. Hier laden freie Künstler ihre Musik auf den Server. Der Nutzer gibt sein favorisiertes Musikgenre ein, wählt den Titel aus und kann die Stücke anhören und runterladen. Wer die Künstler finanziell unterstützen will, kann die CDs entweder kaufen oder einen Betrag spenden. Eine Chartliste informiert außerdem über die beliebtesten Titel.

Wer sich tiefer ins Dickicht der Indepen-dentbands wagen will, sollte sich das Musikportal Elixic.de genauer ansehen. Über 26000 Titel von mehr als 6000 Bands sämtlicher Genres stehen hier zum Abruf bereit. Der Nutzer gelangt über den "Indi"-Button auf die Seite der Musiker und Newcomer mit ihrem kostenlosen Klangmaterial abseits des Mainstreams. Die Nutzung der MP3-Titel ist aber nur für den privaten Gebrauch gestattet.

Wer schon immer mal wissen wollte, welche Songs die US-Band Grateful Dead am 6. Mai 1981 live im New Yorker Nassau-Coliseum spielten, ist beim Portal Archive.org an der richtigen Stelle. Dort warten insgesamt 48000 Konzertmitschnitte von rund 2800 Bands im "Live Music Archive" auf ihre Fans – die Rocker The Smashing Pumpkins ebenso wie etwa Maroon5. Alle MP3-Dateien aus diesem Archiv sind für die nichtkommerzielle Nutzung frei.

"Mach die Ohren auf", heißt es auf Jamendo.org. Mehr als 8000 Alben von knapp 4600 Interpreten finden sich dort. Die Veröffentlichung der Musik erfolgt über die sogenannte Creative-Commons-Lizenz. Dabei räumen die Künstler den Nutzern bestimmte Rechte ein. In manchen Fällen ist das sogenannte File Sharing sogar erlaubt. Ganze Alben gibt es im komprimierten Zip-Format.

Wie gut ist die Klangqualität?

Die meisten MP3-Dateien verfügen über eine Qualität, die für den heimischen Computer völlig ausreicht. "Zum Abspielen auf dem MP3-Player ist eine Datenübertragungsrate von 128 Kilobit pro Sekunde genug. Ab 160 Kilobit pro Sekunde hat man eine gute Klangqualität für die heimische Stereoanlage", sagt Thomas Weidemann, Redakteur der Computerzeitschrift "PC Welt".

Wie ist die Rechtslage?

Im Gegensatz zu den Musiktauschbörsen sind Musikportale, die lizenzfreie Titel anbieten, für den Privatgebrauch grundsätzlich legal. Die Rechtsanwältin Marion Janke ist Spezialistin für Urheber- und Medienrecht in Rostock. "Wenn die Portale explizit darauf hinweisen, dass die Inhalte legal und kostenlos sind, darf man als Nutzer auch darauf vertrauen", sagt sie. Allerdings sollte man sich in jedem Fall die Nutzungsbedingungen genau durchlesen und in Erfahrung bringen, welche Rechte der Interpret oder die Plattenfirma dem Nutzer einräumt.
 
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