Großerlacher Mordfall

Mutter soll geholfen haben

Kathrin Wesely, veröffentlicht am 24.04.2008

Großerlach - Die Polizei hat im Mordfall von Großerlach eine weitere Tatverdächtige festgenommen: Die Mutter des verhafteten 26-Jährigen gibt zu, bei der Tötung des schwedischen Staatsbürgers in Großerlach am Tatort gewesen zu sein.

Am 16. April haben Polizisten den blutüberströmten toten 64-jährigen Schweden im Dachgeschoss seines Einfamilienhauses in Großerlach (Rems-Murr-Kreis) gefunden. Eine Hausbewohnerin hatte sie alarmiert, weil sie ihren Vermieter schon längere Zeit vermisst hatte. Der Tote hatte schon einige Tage in seiner Wohnung gelegen, alles wies auf ein Gewaltverbrechen hin, weshalb die Polizei eine Sonderkommission einrichtete.

Diese ist Hinweisen aus der Nachbarschaft nachgegangen, die sie auf die Spur eines jungen Mannes brachte, der das Opfer in der Vergangenheit des Öfteren besucht hatte. Die Identität des Besuchers konnte deswegen schnell geklärt werden, weil der 64-Jährige ihn im Februar wegen Diebstahls angezeigt hatte. Die Polizei nahm den 26-Jährige in der Wohnung seiner Mutter in einer Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis fest. Die Beamten fand in dieser Wohnung auch Gegenstände, die dem Getöteten gehört hatten. Nach anfänglichem Leugnen gestand der junge Mann den Mord. Er gab an, die Tat allein ausgeführt zu haben, die Polizei fand trotz "umfangreicher Spurenlage" auch keine Hinweise auf einen Komplizen.

Der 26-Jährige hat nach Erkenntnissen der Polizei auch in Stricherkreisen verkehrt und über mehrere Jahre hinweg sexuelle Kontakte zu dem 64-Jährigen unterhalten. Zuletzt war er am Abend des 10. April in Großerlach zu Gast gewesen. In jener Nacht zum 11. April hat sich die Bluttat den Ermittlungen der Polizei zufolge abgespielt.

Die weitere Arbeit der Sonderkommission habe inzwischen auch "einen dringenden Tatverdacht gegen die Mutter des 26-Jährigen" ergeben, heißt es in der jüngsten Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Kripobeamten hatten trotz des Geständnisses des 26-Jährigen weitere Personen vernommen und nach zusätzlichen Spuren gesucht. Im Rahmen dieser Recherchen wurde bekannt, dass der Tatverdächtige am 10. April nicht alleine zum Tatort gefahren, sondern in Begleitung einer weiblichen Person gewesen war. Auf diese Frau konzentrierten sich fortan die Ermittlungen. Unter anderem wurde die 49-jährige verwitwete Mutter des Tatverdächtigen noch einmal vernommen. "Nach und nach verstrickte sie sich in Widersprüche und gab letztendlich zu, bei der Tötung des Opfers im Laufe des 11. April anwesend gewesen zu sein", heißt es in der Pressemitteilung. Sie bestreite aber jegliche direkte Tatbeteiligung.

Die Polizei bliebt aber zunächst bei dem Verdacht, dass die Frau an der Tötung des 64-Jährigen beteiligt war. Aufgrund ihrer Aussagen und der Gegenstände aus dem Besitz des Opfers, die man in ihrer Wohnung fand, geht die Kripo "von Habgier als Motiv für die Tat" aus. Die 49-Jährige wurde gestern auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart dem Haftrichter vorgeführt.
 
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