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Unerwünschte Werbemails

Spam lässt sich nicht verhindern, aber vermeiden

Joachim Vögele, veröffentlicht am 15.05.2008
Foto: Ardito

Stuttgart - Jeden Tag findet man sie im E-Mail-Postfach: Spam. Die Versender der lästigen Werbenachrichten nutzen private Adressen gerne als Spamschleuder. Oft merken die Besitzer nichts davon. Einfache Maßnahmen verringern das Risiko, dass die eigene E-Mail gekapert wird.

An eine tägliche Ration Spam ist Karin Mutter gewöhnt. Ein paar der unerwünschten Werbemails finden immer den Weg am Spamfilter vorbei ins E-Mail-Postfach. Als dort aber Anfang Mai gleich 600 neue Mails auf einmal eintreffen, erschrickt sie: Es sind allesamt automatische Rückmeldungen, wie sie erzeugt werden, wenn eine Nachricht nicht zustellbar ist. Offenbar wurden unter ihrer Adresse Tausende von Mails verschickt, und sie erhält nun die "Bounces". So heißen jene Mails, die an den Absender zurückgehen, weil es keinen Empfänger gibt.

"Halb so schlimm, solange der Computer nicht heimlich zur Zombie-Drohne umfunktioniert worden ist", beruhigt Sven Karge vom Verband der Internetwirtschaft (eco). Ein beträchtlicher Teil des Spamverkehrs wird über Netzwerke aus solchen gekaperten Privatrechnern bestritten. Sie feuern ferngesteuert Massensendungen ins Internet ab, ohne dass die Besitzer das merken. "Die täglich aktualisierte Virenschutzsoftware ist deswegen das A und O im Kampf gegen Spam", sagt Karge. Denn es sind Computerviren, die den Spammern die Kontrolle über die fremden Rechner verschaffen.

Karin Mutter hat Glück: Ihr Computer ist virenfrei. Nach einer halben Woche ebbt die Flut an automatischen Rückmeldungen in ihrem Postfach ab. Der Spammer hatte lediglich ihre E-Mail-Adresse gekapert und sie für seine Massenaussendung benutzt. Beunruhigt ist sie trotzdem: Jeder der vielleicht Millionen von Empfänger könnte über den Firmennamen in der Adresse ihre Homepage erreichen und ihre Anschrift ermitteln. Drohen Beschwerden? "Denkbar wäre das, aber wer die Daten richtig interpretieren kann, wird schnell feststellen, dass die Adresse missbräuchlich verwendet wurde", erklärt Sven Karge. Der eco-Verband unterhält seit 1998 eine Beschwerdestelle zur Entgegennahme von Meldungen über rechtswidrige und schädliche Inhalte des Internets und gibt einen Anti-Spam-Leitfaden heraus.

Täglich treffen hier rund 200 Beschwerden ein. Experten analysieren die mitgeschickten Spammails. Doch nur Übeltätern aus Deutschland kann unter geltendem Recht auch das Handwerk gelegt werden. Hierzulande ist es verboten, Werbemails ohne ausdrückliche Einwilligung des Empfängers zu verschicken. Die Fälle, in denen deutsche Spammer dingfest gemacht werden können, sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn der überwiegende Teil der unerwünschten Werbemails stammt aus den Vereinigten Staaten sowie aus China.

Auch der Handel mit E-Mail-Adressen lässt sich im internationalen Geflecht kaum unterbinden. Systematisch grasen Suchroboter, sogenannte Harvester, E-Mail-Adressen auf Homepages, in Diskussionsforen und selbst in Onlinecommunitys ab. Die Teilnahme an Onlinegewinnspielen ist eine sichere Methode, um sich Spam einzuhandeln. Tricks wie jenen hingegen, das @-Zeichen durch einen Buchstaben zu ersetzen, haben gewiefte Harvester längst durchschaut.

Eine andere Methode sind Zufallsgeneratoren, die aus beliebigen Wortkombinationen Adressvarianten erzeugen und diese dann auf gut Glück aussenden. Was nicht unzustellbar zurückkommt, wird als gültige Adresse registriert. Wer wütend auf eine Spammail antwortet, avanciert als bestätigter Kontakt gar zum Premium-Adressaten für Spammer. Beim Einrichten einer neuen E-Mail-Adresse gilt der Tipp, statt "info" oder "kontakt" eine weniger nahe liegende Bezeichnung zu wählen. Auch das ist allerdings keine Garantie, unbehelligt zu bleiben.

Auch ganz ohne eigenes Zutun kann die Adresse in die Fänge der Spammer geraten: Wenn zum Beispiel ein Bekannter sie voller guter Absichten einem Dienst anvertraut, der elektronische Grußpostkarten verschickt. Viele solcher Dienste sind Sammelstellen für Adressen. "Grundsätzlich gilt: geben Sie Ihre persönliche Adresse nicht im Web preis, und legen Sie sich eine zweite Adresse zu, die Sie für Onlinedienste verwenden", rät Sven Karge. Ist eine solche Adresse irgendwann "verbrannt", kann sie einfach abgeschaltet und eine neue beschafft werden. Jene Adresse aber, die man an Freunde, Bekannte und Geschäftspartner weitergibt, sollte man schützen wie ein wertvolles Gut. Einen Anti-Spam-Leitfaden gibt es im Internet: www.eco.de/initiativen/anti-spam.htm