Leitartikel
Die Tüftler sterben aus
Alexander Mäder, veröffentlicht am 16.05.2008
Stuttgart - Noch vor zwei oder drei Jahrzehnten konnten Bastler ein Radio auseinander schrauben, wenn es nicht mehr funktionierte. Es gab auch normale Menschen, die mit einem kundigen Blick in den Motorraum eines Autos feststellten, warum der Wagen nicht mehr ansprang. Heute denkt man hingegen kaum noch daran, ein defektes Radio zu reparieren – man kauft sich ein neues. Und in der KfZ-Werkstatt muss das Auto zur Analyse an einen Computer angeschlossen werden. Das Innenleben technischer Geräte ist inzwischen nicht mehr zu durchschauen.
Da darf es eigentlich niemanden wundern, dass Jugendliche immer weniger Interesse am Tüfteln und Basteln haben. Für sie ist es verständlicherweise wichtiger, die Geräte richtig bedienen zu können. Es wäre verkehrt, das Rad der Zeit zurückdrehen zu wollen. Wer heute einen Computer konstruiert, eine erneuerbare Energiequelle erschließt oder einen Wirkstoff gegen Krebs entwickelt, schafft das nicht allein, sondern nur im Team. Auf einer Messe wie dem Ideenpark muss daher ein neues Bild der Forschung vermittelt werden. Es sind weniger Käpsele mit genialen Einfällen gefragt, als vielmehr Teamarbeiter mit Kenntnissen in mehreren Fachgebieten. Die Großveranstaltung wird sich daran messen lassen müssen, ob dies gelingt. Zu wünschen wäre es ihr.
Denn den Jugendlichen ist nicht nur das Innere moderner Geräte unbekannt, sie haben auch keine klare Vorstellung davon, wie die Arbeit als Ingenieur oder Wissenschaftler aussieht. Es gibt zwar überraschend wenige Untersuchungen zu diesem Thema, doch eine Befragung im Rahmen der letzten Pisa-Studie nennt Anhaltspunkte. 89 Prozent der 15-jährigen deutschen Schüler glauben demnach, dass der heutige Lebensstandard vom technischen und wissenschaftlichen Fortschritt abhängt. Und mehr als 60 Prozent sagen, dass ihnen Biologie, Chemie und Physik in der Schule Spaß machen und leicht fallen. Doch nur 34 Prozent wollen einen Beruf ergreifen, der etwas mit Wissenschaft zu tun hat.
Den vermeintlichen Widerspruch kann man damit erklären, dass Jugendliche nur bei den technischen Geräten einen Fortschritt sehen – und diesen Fortschritt mehr hinnehmen als bewundern. Von der Wissenschaft erwarten sie hingegen keine Lösungen gesellschaftlicher Probleme, sondern höchstens ein Herumdoktern an Symptomen. Nur acht Prozent der deutschen Schüler glauben beispielsweise, dass sich der dramatische Rückgang der Artenvielfalt in den kommenden Jahrzehnten aufhalten lässt. Und der Pessimismus ist bei den Jugendlichen am größten, die am meisten über die Natur wissen.
Der Ideenpark in der neuen Messe in Stuttgart soll daher konkrete Lösungsansätze für die großen Herausforderungen unserer Zeit präsentieren. Zum Beispiel wird das Für und Wider von Biokraftstoffen thematisiert, und es werden neue Methoden zur Entsalzung von Meerwasser vorgestellt. Doch Ideen genügen nicht, im Zweifel haben die Jugendlichen schon davon gehört. Sie wissen, dass es auf die wichtigen Fragen der heutigen Zeit keine einfachen Antworten gibt. Das Problem besteht vielmehr darin, dass ihnen nicht klar ist, was daraus folgt.
Der Tüftler hat, wenn er gut war, eine Maschine konstruiert, die das tat, was er wollte. Der Ingenieur von heute muss hingegen berücksichtigen, dass auch eine sauber arbeitende Maschine eine schlechte Ökobilanz aufweisen kann, wenn ihre Bauteile unter hohem Energieaufwand hergestellt werden. Er muss daher mit Kollegen anderer Fachgebiete zusammenarbeiten. Nicht alles, was die Kollegen tun, wird er verstehen, dafür haben sich die Disziplinen zu stark spezialisiert. Von den Ingenieuren und Wissenschaftlern der nächsten Generation wird ein Balanceakt erwartet: Sie müssen sich einerseits in ihrem Fachgebiet auskennen, dürfen aber die Verbindung zu anderen Themenfeldern nicht aus dem Auge verlieren. Es ist kein Zufall, dass die spannenden Forschungsgebiete oft an den Grenzen zwischen den klassischen Disziplinen liegen.
Auf dem Ideenpark bieten auch Berufsberater ihre Dienste an, und Wissenschaftler laden dazu ein, das eigene Talent bei der Arbeit im Labor auf die Probe zu stellen. Dieser Teil der Messe, auch wenn er sich verhältnismäßig klein ausnimmt, dürfte der nachhaltigste sein. Das meiste Geld ist in die zahlreichen Shows gesteckt worden. Aber auch sie erfüllen ihren Zweck: Sie ziehen ein breites Publikum an.
Ansonsten droht dem Ideenpark das Schicksal des Jahrs der Technik 2004. Das Wissenschaftsjahr war vom Bundesforschungsministerium ebenfalls mit dem Ziel ausgerufen worden, Nachwuchs für technische Berufe anzulocken. Doch am Ende kamen fast nur Jugendliche und Erwachsene zu den Veranstaltungen, die sowieso von Technik begeistert sind. Die Auswertung dieses Jahres fiel daher verhalten aus.
Da darf es eigentlich niemanden wundern, dass Jugendliche immer weniger Interesse am Tüfteln und Basteln haben. Für sie ist es verständlicherweise wichtiger, die Geräte richtig bedienen zu können. Es wäre verkehrt, das Rad der Zeit zurückdrehen zu wollen. Wer heute einen Computer konstruiert, eine erneuerbare Energiequelle erschließt oder einen Wirkstoff gegen Krebs entwickelt, schafft das nicht allein, sondern nur im Team. Auf einer Messe wie dem Ideenpark muss daher ein neues Bild der Forschung vermittelt werden. Es sind weniger Käpsele mit genialen Einfällen gefragt, als vielmehr Teamarbeiter mit Kenntnissen in mehreren Fachgebieten. Die Großveranstaltung wird sich daran messen lassen müssen, ob dies gelingt. Zu wünschen wäre es ihr.
Denn den Jugendlichen ist nicht nur das Innere moderner Geräte unbekannt, sie haben auch keine klare Vorstellung davon, wie die Arbeit als Ingenieur oder Wissenschaftler aussieht. Es gibt zwar überraschend wenige Untersuchungen zu diesem Thema, doch eine Befragung im Rahmen der letzten Pisa-Studie nennt Anhaltspunkte. 89 Prozent der 15-jährigen deutschen Schüler glauben demnach, dass der heutige Lebensstandard vom technischen und wissenschaftlichen Fortschritt abhängt. Und mehr als 60 Prozent sagen, dass ihnen Biologie, Chemie und Physik in der Schule Spaß machen und leicht fallen. Doch nur 34 Prozent wollen einen Beruf ergreifen, der etwas mit Wissenschaft zu tun hat.
Den vermeintlichen Widerspruch kann man damit erklären, dass Jugendliche nur bei den technischen Geräten einen Fortschritt sehen – und diesen Fortschritt mehr hinnehmen als bewundern. Von der Wissenschaft erwarten sie hingegen keine Lösungen gesellschaftlicher Probleme, sondern höchstens ein Herumdoktern an Symptomen. Nur acht Prozent der deutschen Schüler glauben beispielsweise, dass sich der dramatische Rückgang der Artenvielfalt in den kommenden Jahrzehnten aufhalten lässt. Und der Pessimismus ist bei den Jugendlichen am größten, die am meisten über die Natur wissen.
Der Ideenpark in der neuen Messe in Stuttgart soll daher konkrete Lösungsansätze für die großen Herausforderungen unserer Zeit präsentieren. Zum Beispiel wird das Für und Wider von Biokraftstoffen thematisiert, und es werden neue Methoden zur Entsalzung von Meerwasser vorgestellt. Doch Ideen genügen nicht, im Zweifel haben die Jugendlichen schon davon gehört. Sie wissen, dass es auf die wichtigen Fragen der heutigen Zeit keine einfachen Antworten gibt. Das Problem besteht vielmehr darin, dass ihnen nicht klar ist, was daraus folgt.
Der Tüftler hat, wenn er gut war, eine Maschine konstruiert, die das tat, was er wollte. Der Ingenieur von heute muss hingegen berücksichtigen, dass auch eine sauber arbeitende Maschine eine schlechte Ökobilanz aufweisen kann, wenn ihre Bauteile unter hohem Energieaufwand hergestellt werden. Er muss daher mit Kollegen anderer Fachgebiete zusammenarbeiten. Nicht alles, was die Kollegen tun, wird er verstehen, dafür haben sich die Disziplinen zu stark spezialisiert. Von den Ingenieuren und Wissenschaftlern der nächsten Generation wird ein Balanceakt erwartet: Sie müssen sich einerseits in ihrem Fachgebiet auskennen, dürfen aber die Verbindung zu anderen Themenfeldern nicht aus dem Auge verlieren. Es ist kein Zufall, dass die spannenden Forschungsgebiete oft an den Grenzen zwischen den klassischen Disziplinen liegen.
Auf dem Ideenpark bieten auch Berufsberater ihre Dienste an, und Wissenschaftler laden dazu ein, das eigene Talent bei der Arbeit im Labor auf die Probe zu stellen. Dieser Teil der Messe, auch wenn er sich verhältnismäßig klein ausnimmt, dürfte der nachhaltigste sein. Das meiste Geld ist in die zahlreichen Shows gesteckt worden. Aber auch sie erfüllen ihren Zweck: Sie ziehen ein breites Publikum an.
Ansonsten droht dem Ideenpark das Schicksal des Jahrs der Technik 2004. Das Wissenschaftsjahr war vom Bundesforschungsministerium ebenfalls mit dem Ziel ausgerufen worden, Nachwuchs für technische Berufe anzulocken. Doch am Ende kamen fast nur Jugendliche und Erwachsene zu den Veranstaltungen, die sowieso von Technik begeistert sind. Die Auswertung dieses Jahres fiel daher verhalten aus.
Mehr aus Stuttgart & Region
I want to run - Das härteste Rennen der Welt 64 Tage lang dem Glück nachlaufen
Ein ruhiges Leben Blutspur in der Provinz
The Yellow Sea Letzte Zockerchance
Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! 3D So schön könnte das Leben sein
Moonrise Kingdom Die ernsten Spiele der Kindheit
Die Farbe des Ozeans Grenzgebiete
Kill Me Please Die Verwöhnten und der Tod
Die Kunst zu lieben Sex ist anstrengend
Lachsfischen im Jemen Dr. Jones und die Liebe
Marley Der Star aus Jamaika
Our Idiot Brother Wer Gras an die Polizei verkauft
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?

Monat

| Heute | Morgen | Akt. Woche |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
Highlights am 26.05.
Ivy Quainoo & Band - KKL-Liederhalle
Jan Josef Liefers und Oblivion - Theaterhaus
49. Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" 2012: Begrüßungskonzert mit den Stuttgarter Philharmonikern - KKL-Liederhalle
Anzeigen



