Discounter
Aldi, Lidl & Co. gibt es in Stuttgart nicht an jeder Ecke
Thomas Faltin, veröffentlicht am 22.05.2008
Stuttgart - Nur in wenigen Kreisen Deutschlands gibt es im Verhältnis zur Einwohnerzahl so wenige Discountermärkte wie in der Region Stuttgart. Dabei würden Aldi, Lidl & Co. hier gerne neue Läden aufmachen. Doch Grundstücke sind teuer und die Bauvorschriften streng.
Von Thomas Faltin
Die Oberpfalz lohnt immer eine Reise: Das Wandern im Oberpfälzer Wald ist eine Lust, und die historische Altstadt von Weiden ist überaus sehenswert. Wie jetzt Acxiom und die Deutsche Presse-Agentur in einer Studie herausgefunden haben, ist Weiden in der Oberpfalz daneben für alle Menschen, die gerne günstig einkaufen, ein Traum: Denn dort gibt es bundesweit die weitaus meisten Discounter pro 100.000 Einwohnern – 42 an der Zahl. Der Bundesdurchschnitt liegt hingegen nur bei 19 Billigmärkten.
Stuttgart und die Landkreise der Region haben zwar nicht die rote Laterne übernommen, liegen aber mit 13 bis 14 Märkten weit hinten im Feld. Zu den Discountern zählen in dieser Studie Aldi, Lidl, Plus, Penny, Netto, Norma und Treff. Die Ursachen für die geringere Präsenz in der Region nennt die Untersuchung allerdings nicht.
Man könnte deshalb vermuten, dass die relativ restriktive Ansiedelungspolitik des Verbands Region Stuttgart (VRS) dafür verantwortlich ist – erst vor wenigen Tagen hatte sich der Verband wieder einmal den Zorn vieler Bürgermeister zugezogen, weil er das Gesetz gegen die Ansiedelung größerer Supermärkte auf der grünen Wiese nochmals verschärft hat. Damit will die Region den Einzelhandel in den Ortszentren stärken. Schon heute gebe es in 37 von 173 Gemeinden des Raums Stuttgart gar keinen Lebensmittelladen mehr, sagt Dorothee Lang, die Sprecherin des VRS. Doch selbst sie mag nicht so recht an diese politische Ursache glauben: "Wir hoffen natürlich, dass unsere Vorgaben wirken – aber beweisen können wir das nicht."
Die Pressesprecherin von Lidl, Petra Trabert, benennt tatsächlich auch andere Hinderungsgründe für die angestrebte Expansion. Vor allem die Grundstücke seien in der Region Stuttgart oft zu teuer – das sei der Hauptgrund für die verhältnismäßig geringe Zahl von Märkten in der Region. Daneben scheitere die Ansiedelung eines neuen Geschäfts häufig an den baurechtlichen Bestimmungen: Gerade in Stuttgart dürfe aufgrund der Topografie an vielen Orten nicht so hoch gebaut werden, wie Lidl es mit seinen Gebäuden möchte. Grundsätzlich aber lässt Trabert keinen Zweifel an der Lidl-Politik: "Wir haben großes Interesse daran, in der Region Stuttgart zusätzliche Märkte zu eröffnen."
Dass die hohen Grundstückspreise die Ansiedelung von Discountern bremsen, beweist indirekt auch die genannte Studie: In ähnlich teuren Regionen wie München, Düsseldorf und Frankfurt ist die Dichte an Billigmärkten ähnlich niedrig wie in Stuttgart. Dagegen ist in Ostdeutschland flächendeckend eine hohe Zahl an Märkten festzustellen. Marliese Kalthoff, die Sprecherin der Edeka-Gruppe, zu der auch der Discounter Netto gehört, sagt dazu: "Alle Discounter haben nach der Wende im Osten expandiert. Außerdem waren in den neuen Ländern Baugenehmigungen für Märkte mit 800 Quadratmeter Fläche relativ rasch zu bekommen."
Eine Unterversorgung mit Lebensmittelläden lässt sich in der Region aber nicht beobachten. Laut Eva Schulze vom Einzelhandelsverband Baden-Württemberg liegt dies daran, dass hier die inhabergeführten Supermärkte noch eine wichtige Rolle spielten. Eine überraschende Erkenntnis bietet im Übrigen eine Studie des Frankfurter Marktforschungsinstituts AC Nielsen vom März 2008: Mitglieder fast aller Haushalte in Deutschland, exakt 97,7 Prozent, kaufen bei Discountern ein – damit sind die Billigmärkte im Lebensmitteleinzelhandel das Segment mit der höchsten Käuferakzeptanz.
Im Lebensmittel-Einzelhandel liegt der Marktanteil der Discounter in Bezug auf den Umsatz bei 36,7 Prozent. Unter den Discountern steht Aldi unangefochten vorne: Fast 47 Prozent des Discounterumsatzes wandern in die Kassen von Aldi; es folgen Lidl (21 Prozent), Penny und Plus (je elf Prozent). Insgesamt bieten in Stuttgart 393 Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte ihre Waren an.
Von Thomas Faltin
Die Oberpfalz lohnt immer eine Reise: Das Wandern im Oberpfälzer Wald ist eine Lust, und die historische Altstadt von Weiden ist überaus sehenswert. Wie jetzt Acxiom und die Deutsche Presse-Agentur in einer Studie herausgefunden haben, ist Weiden in der Oberpfalz daneben für alle Menschen, die gerne günstig einkaufen, ein Traum: Denn dort gibt es bundesweit die weitaus meisten Discounter pro 100.000 Einwohnern – 42 an der Zahl. Der Bundesdurchschnitt liegt hingegen nur bei 19 Billigmärkten.
Stuttgart und die Landkreise der Region haben zwar nicht die rote Laterne übernommen, liegen aber mit 13 bis 14 Märkten weit hinten im Feld. Zu den Discountern zählen in dieser Studie Aldi, Lidl, Plus, Penny, Netto, Norma und Treff. Die Ursachen für die geringere Präsenz in der Region nennt die Untersuchung allerdings nicht.
Man könnte deshalb vermuten, dass die relativ restriktive Ansiedelungspolitik des Verbands Region Stuttgart (VRS) dafür verantwortlich ist – erst vor wenigen Tagen hatte sich der Verband wieder einmal den Zorn vieler Bürgermeister zugezogen, weil er das Gesetz gegen die Ansiedelung größerer Supermärkte auf der grünen Wiese nochmals verschärft hat. Damit will die Region den Einzelhandel in den Ortszentren stärken. Schon heute gebe es in 37 von 173 Gemeinden des Raums Stuttgart gar keinen Lebensmittelladen mehr, sagt Dorothee Lang, die Sprecherin des VRS. Doch selbst sie mag nicht so recht an diese politische Ursache glauben: "Wir hoffen natürlich, dass unsere Vorgaben wirken – aber beweisen können wir das nicht."
Die Pressesprecherin von Lidl, Petra Trabert, benennt tatsächlich auch andere Hinderungsgründe für die angestrebte Expansion. Vor allem die Grundstücke seien in der Region Stuttgart oft zu teuer – das sei der Hauptgrund für die verhältnismäßig geringe Zahl von Märkten in der Region. Daneben scheitere die Ansiedelung eines neuen Geschäfts häufig an den baurechtlichen Bestimmungen: Gerade in Stuttgart dürfe aufgrund der Topografie an vielen Orten nicht so hoch gebaut werden, wie Lidl es mit seinen Gebäuden möchte. Grundsätzlich aber lässt Trabert keinen Zweifel an der Lidl-Politik: "Wir haben großes Interesse daran, in der Region Stuttgart zusätzliche Märkte zu eröffnen."
Dass die hohen Grundstückspreise die Ansiedelung von Discountern bremsen, beweist indirekt auch die genannte Studie: In ähnlich teuren Regionen wie München, Düsseldorf und Frankfurt ist die Dichte an Billigmärkten ähnlich niedrig wie in Stuttgart. Dagegen ist in Ostdeutschland flächendeckend eine hohe Zahl an Märkten festzustellen. Marliese Kalthoff, die Sprecherin der Edeka-Gruppe, zu der auch der Discounter Netto gehört, sagt dazu: "Alle Discounter haben nach der Wende im Osten expandiert. Außerdem waren in den neuen Ländern Baugenehmigungen für Märkte mit 800 Quadratmeter Fläche relativ rasch zu bekommen."
Eine Unterversorgung mit Lebensmittelläden lässt sich in der Region aber nicht beobachten. Laut Eva Schulze vom Einzelhandelsverband Baden-Württemberg liegt dies daran, dass hier die inhabergeführten Supermärkte noch eine wichtige Rolle spielten. Eine überraschende Erkenntnis bietet im Übrigen eine Studie des Frankfurter Marktforschungsinstituts AC Nielsen vom März 2008: Mitglieder fast aller Haushalte in Deutschland, exakt 97,7 Prozent, kaufen bei Discountern ein – damit sind die Billigmärkte im Lebensmitteleinzelhandel das Segment mit der höchsten Käuferakzeptanz.
Im Lebensmittel-Einzelhandel liegt der Marktanteil der Discounter in Bezug auf den Umsatz bei 36,7 Prozent. Unter den Discountern steht Aldi unangefochten vorne: Fast 47 Prozent des Discounterumsatzes wandern in die Kassen von Aldi; es folgen Lidl (21 Prozent), Penny und Plus (je elf Prozent). Insgesamt bieten in Stuttgart 393 Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte ihre Waren an.
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