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Wie wird der Sommer?

Die Zeichen stehen auf feuchte Hitze

Sven Titz, veröffentlicht am 29.05.2008
Foto: dpa

Freiburg - Sonnenschein, Hitze und Gewitter – der Sommer hat längst angefangen, schon vor seinem meteorologischen Beginn am Sonntag. Und die Anzeichen deuten darauf hin, dass es mit den hohen Temperaturen so weiter gehen könnte.


  Von Sven Titz

 
Glaubt man den Fachleuten vom Deutschen Wetterdienst (DWD), dann wird die Periode der kommenden drei Monate Juni, Juli und August überdurchschnittlich warm ausfallen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent werde der Sommer eine Durchschnittstemperatur erreichen, wie sie in den zehn wärmsten Sommern zwischen 1961 und 1990 herrschte, sagt Christina Koppe, die bei einer Außenstelle der Wetterbehörde in Freiburg arbeitet. Sie gibt aber zu bedenken, dass die Sommer der letzten Jahre seit 1991 ohnehin schon relativ warm waren, sodass der Sommer 2008 nicht weiter auffallen könnte.

Ozeane als Gedächtnis des Wetters

Eine Vorhersage über den Regen könne man leider noch nicht treffen. Möglicherweise werde es einen warmen, aber verregneten Sommer geben. Niederschläge sind das Sorgenkind der Wetterexperten. Sie lassen sich längst nicht so präzise vorhersagen wie die Temperatur oder der Luftdruck. "Das liegt vor allem am launischen Verhalten von Schauer- und Gewitterwolken", sagt Koppe.

Die Sommervorhersage stammt ursprünglich vom Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) in der englischen Stadt Reading. Diese Einrichtung wird von einer Gruppe nationaler Wetterdienste in Europa getragen. Dass eine Sommerprognose möglich ist, verdanken die Meteorologen dem Ozean. Da sich die Temperatur des Meerwassers nur im Zeitlupentempo ändert, wirkt der Ozean wie eine Art Gedächtnis des Wetters. Deshalb lassen die Experten vom EZMW die Meerestemperaturen detailliert in ihre Prognose einfließen. Wie wichtig das ist, erläutern die Fachleute anhand aktueller Satellitenaufnahmen. Sie zeigen, dass das Wasser der Nordsee ungewöhnlich warm ist: An der Oberfläche liegt die Temperatur mehr als 2,5 Grad Celsius über dem langjährigen Mittelwert.

Die EZMW-Experten benutzen zusätzlich eine mathematische Methode, um im chaotischen Verhalten des Wetters einen Trend zu erkennen. Sie sagen das Sommerwetter nicht einmal, sondern zigmal voraus – unter jeweils anderen Anfangsbedingungen. So wie man einen gezinkten Würfel nach zahlreichen Würfen als solchen identifizieren kann, wenn die Sechs im Schnitt viel häufiger als die Eins fällt, erlaubt die vervielfachte Simulation des Sommerwetters eine Vorhersage der Witterung über einen längeren Zeitraum.

Mit Jahreszeitenvorhersagen – das sind Prognosen über einen Zeitraum bis zu sechs Monaten – wird am EZMW schon seit dem Jahr 1995 experimentiert. Seit 1998 gehören diese Vorhersagen zum Standardrepertoire des Zentrums. Die nationalen Wetterdienste in Deutschland und den anderen beteiligten Ländern können mit den Prognosedaten nach eigenem Gutdünken verfahren.

Zur Urlaubsplanung zu ungenau

Die DWD-Meteorologin Koppe entwickelt aus den Prognosedaten Produkte für diverse Kunden. Seit zehn Jahren verkauft der DWD die Vorhersagen zum Beispiel an Energieunternehmen und andere Firmen. Die können effizienter wirtschaften, wenn sie beispielsweise den ungefähren Kühlungsbedarf im Sommer abschätzen können.

Was die Weitergabe von Jahreszeitenvorhersagen an die Öffentlichkeit angeht, sind die Meteorologen sehr vorsichtig. Noch vor Jahresfrist hieß es, für die Allgemeinheit seien die Vorhersagen zu ungenau. Doch in diesem Frühling trauen sich die deutschen Wetterspezialisten erstmals mit einer Sommerprognose vor die Medien. Sie warnen aber ausdrücklich davor, die unpräzise Vorhersage für die Urlaubsplanung zu nutzen.

In Zukunft will der DWD die Jahreszeitenprognose auch für den Katastrophenschutz zur Verfügung stellen. In einem Pilotprojekt zusammen mit der Aktion "Deutschland hilft", einem Verbund von zehn Hilfsorganisationen, sollen in den nächsten Monaten Vorhersagen für die Tropen getestet werden. Das Ziel ist es, die Helfer rechtzeitig vor widriger Witterung zu warnen, damit sie ihre Arbeitseinsätze besser planen können.
 
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