Skoda Octavia Combi
Kein Ostverächter
Jochen Fischer, veröffentlicht am 13.08.2001
Dass ein Teil des Skoda-Erfolgs nicht auf einem Geheimnis, sondern auf einer Strategie beruht, ist bekannt: Skoda ist eine der vier Marken des Volkswagenkonzerns, die das Marktspektrum zwischen Kleinwagen und oberer Mittelklasse bedienen. Mithin profitiert Skoda von der in Wolfsburg ausgetüftelten Plattformstrategie, welche die Entwicklungs- und Produktionskosten minimiert: Die Modelle des Konzerns sind auf gemeinsamen Plattformen - sie bestehen in der Regel aus Fahrwerk und Fahrzeugboden - aufgebaut, die mit geringen Veränderungen für mehrere Baureihen und Marken Verwendung finden.
Mit 4,51 Meter Karosserielänge spielt der Skoda Octavia Combi in einer Liga mit den Markenbrüdern Audi A4 Avant (4,48 Meter) und VW Passat Variant (4,68 Meter). Auch was die Raumaufteilung im Skoda angeht, will er zweifelsohne ein Mittelklassekombi sein. Die Plattform, auf der er steht, ist aber die des Kompaktmodells VW Golf, was den Skoda wegen des kurzen Radstands von nur 2,50 Metern irgendwie pummelig aussehen lässt.
Der Blick auf die Preisliste erklärt, welches Kalkül hinter dieser Einfachlösung steckt: Das Eintrittsbillett in den Skoda Octavia Combi kostet im günstigsten Falle - Basisausstattung und 1,6-Liter-Motor mit 102 PS/75 kW - 29240 Mark. Der preiswerteste Passat ist in identischer Motorisierung über 12000 Mark teurer: 41464 Mark. Und der Audi-Händler schreibt laut Liste für den A4 Avant mit demselben Motor einen Preis von 44593 Mark in den Kaufvertrag.
Bei Sonntag Aktuell fuhr der Octavia mit dem 1,9 Liter großen, 110 PS/81 kW starken TDI-Motor vor. Den bietet Skoda ab der mittleren Ausstattungslinie Ambiente an, Preis ohne Extras: 41620 Mark. Im Passat von Volkswagen findet sich ein 1,9-Liter-TDI seit dem Modellwechsel in zwei Leistungsstufen wieder, ausstattungsseitig ist die Basisversion des Passat in den wichtigsten Punkten mit der Skoda-Ausstattung Ambiente vergleichbar; sie kostet als 1,9-Liter-TDI zwischen 45766 Mark (100 PS) und 48505 Mark (130 PS). Bei Audi leistet die vergleichbare Motorisierung 115 PS/85 kW und kostet ab 50852 Mark.
Preisunterschiede zwischen 4000 und 12000 Mark für Modelle aus ein und demselben Konzern mit vielen gemeinsamen Bauteilen, vergleichbarem Raumangebot und erklärtermaßen hohem Qualitätsanspruch machen neugierig:
Wir haben also genau hingeschaut, wo die Tschechen gespart haben. Man spürt den Unterschied schon beim ersten Kontakt mit dem Skoda: Die Türgriffe sind etwas hakeliger als beim Passat, die Kunststoffverkleidungen des Innenraums fühlen sich spröder an. Und wo beim Passat die Heckklappe mit einem elektrischen Druckschalter öffnet, muss beim Octavia Mechanik genügen. Zieht man die Klappe wieder zu, wird der Unterschied noch deutlicher: VW schraubt einen Kunststoffgriff an die Innenverkleidung, die Kollegen von Skoda lediglich eine Schlaufe aus robustem Gewebe.
Ein letzter Blick aufs Detail, auf die Haltegriffe an der Innenverkleidung über den Türen: Im Passat bewegen sie sich beim Loslassen gelgedämpft, sachte und lautlos zurück in die Ausgangsposition. Im Skoda schnalzen sie, obgleich nicht völlig ungedämpft, zackig nach oben und ploppen gegen den Wagenhimmel. Ob solch kleine, aber merkliche Unterschiede ausschließlich der Kalkulation mit spitzem Stift geschuldet sind oder ob im Skoda ganz gezielt ein spröderer Qualitätseindruck vermittelt wird - mit der unterschwelligen Botschaft: wer mehr von einem Auto erwartet, möge einen VW oder Audi kaufen -, sei dahingestellt.
Der Vollständigkeit halber: Zu Sonntag Aktuell kam der Skoda Octavia Combi als Laurin & Klement. Diese Ausstattungsvariante ist benannt nach den Gründern der Skoda-Werke und das Edelste, was die Tschechen ihren Kunden zu bieten haben. Zum Preis von gut 52380 Mark ist alles drin und alles dran: Ledersitze, Lederlenkradkranz, Schaltknauf und Handbremshebel ebenfalls aus Leder, die Vordersitze sind beheizbar, der Fahrersitz elektrisch höhenverstellbar, unter den Scheinwerfergläsern strahlt Xenonlicht, und ein Regensensor regelt den Scheibenwischereinsatz automatisch. Außerdem ist im Laurin & Klement ESP serienmäßig, alle anderen Octavia-Combi-Fahrer zahlen dafür 910 Mark Aufpreis.
Der Ausstattungsaufwand macht die teuerste Version dennoch nicht zum schicken Auto. Man merkt dem Skoda den Zweckbau an und ist wohl besser bedient, wenn man sich eine einfachere Octavia-Version nach Wunsch ausstattet. Zumal die beigefarbenen Lederbezüge des Laurin & Klement nach einiger Zeit des Gebrauchs nicht mehr gar so schön aussehen dürften.
Ohne Einschränkung gut und grundsolide war der Fahreindruck, den der Octavia hinterlassen hat. Der kurze Radstand des Lastesels macht sich im Alltag nicht bemerkbar, schließlich zirkelt man ein Fahrzeug, das eine Ruhe ausstrahlt wie der Skoda, nicht wie einen Sportwagen um die Kurven.
Zur entspannten und entspannenden Fahrt trug der 1,9-Liter-TDI ein gerüttelt Maß bei. Zwar brummt er nach dem Kaltstart vernehmlich und produziert auch warm gefahren mehr betriebsame Geräusche als ein Benziner, dafür aber ist er ein Vorbild an Genügsamkeit: Mit leichtem Gepäck beladen absolvierte der 1,5 Tonnen schwere Kombi Autobahnfahrten mit Verbrauchswerten unter sechs Litern.
Dabei muss der Fahrer seinen Vorwärtsdrang nicht einmal besonders zügeln oder den Selbstzünder auf Sparflamme köcheln lassen: Bei 3000 Touren arbeitet der Motor vollkommen unaufgeregt, ist ein ausgesprochen angenehmer Langstreckenbegleiter und treibt den Kombi mit 130 bis 150 Sachen seinem Ziel zu. Sein Ziel hat auch Skoda erreicht: Die Tschechen haben ein solides, praktisches, unspektakuläres und vernünftiges Auto auf die Räder gestellt.
Das hätten wir uns auch gleich denken können. Eine halbe Million Octaviafahrer kann schließlich nicht irren.
Mit 4,51 Meter Karosserielänge spielt der Skoda Octavia Combi in einer Liga mit den Markenbrüdern Audi A4 Avant (4,48 Meter) und VW Passat Variant (4,68 Meter). Auch was die Raumaufteilung im Skoda angeht, will er zweifelsohne ein Mittelklassekombi sein. Die Plattform, auf der er steht, ist aber die des Kompaktmodells VW Golf, was den Skoda wegen des kurzen Radstands von nur 2,50 Metern irgendwie pummelig aussehen lässt.
Der Blick auf die Preisliste erklärt, welches Kalkül hinter dieser Einfachlösung steckt: Das Eintrittsbillett in den Skoda Octavia Combi kostet im günstigsten Falle - Basisausstattung und 1,6-Liter-Motor mit 102 PS/75 kW - 29240 Mark. Der preiswerteste Passat ist in identischer Motorisierung über 12000 Mark teurer: 41464 Mark. Und der Audi-Händler schreibt laut Liste für den A4 Avant mit demselben Motor einen Preis von 44593 Mark in den Kaufvertrag.
Bei Sonntag Aktuell fuhr der Octavia mit dem 1,9 Liter großen, 110 PS/81 kW starken TDI-Motor vor. Den bietet Skoda ab der mittleren Ausstattungslinie Ambiente an, Preis ohne Extras: 41620 Mark. Im Passat von Volkswagen findet sich ein 1,9-Liter-TDI seit dem Modellwechsel in zwei Leistungsstufen wieder, ausstattungsseitig ist die Basisversion des Passat in den wichtigsten Punkten mit der Skoda-Ausstattung Ambiente vergleichbar; sie kostet als 1,9-Liter-TDI zwischen 45766 Mark (100 PS) und 48505 Mark (130 PS). Bei Audi leistet die vergleichbare Motorisierung 115 PS/85 kW und kostet ab 50852 Mark.
Preisunterschiede zwischen 4000 und 12000 Mark für Modelle aus ein und demselben Konzern mit vielen gemeinsamen Bauteilen, vergleichbarem Raumangebot und erklärtermaßen hohem Qualitätsanspruch machen neugierig:
Wir haben also genau hingeschaut, wo die Tschechen gespart haben. Man spürt den Unterschied schon beim ersten Kontakt mit dem Skoda: Die Türgriffe sind etwas hakeliger als beim Passat, die Kunststoffverkleidungen des Innenraums fühlen sich spröder an. Und wo beim Passat die Heckklappe mit einem elektrischen Druckschalter öffnet, muss beim Octavia Mechanik genügen. Zieht man die Klappe wieder zu, wird der Unterschied noch deutlicher: VW schraubt einen Kunststoffgriff an die Innenverkleidung, die Kollegen von Skoda lediglich eine Schlaufe aus robustem Gewebe.
Ein letzter Blick aufs Detail, auf die Haltegriffe an der Innenverkleidung über den Türen: Im Passat bewegen sie sich beim Loslassen gelgedämpft, sachte und lautlos zurück in die Ausgangsposition. Im Skoda schnalzen sie, obgleich nicht völlig ungedämpft, zackig nach oben und ploppen gegen den Wagenhimmel. Ob solch kleine, aber merkliche Unterschiede ausschließlich der Kalkulation mit spitzem Stift geschuldet sind oder ob im Skoda ganz gezielt ein spröderer Qualitätseindruck vermittelt wird - mit der unterschwelligen Botschaft: wer mehr von einem Auto erwartet, möge einen VW oder Audi kaufen -, sei dahingestellt.
Der Vollständigkeit halber: Zu Sonntag Aktuell kam der Skoda Octavia Combi als Laurin & Klement. Diese Ausstattungsvariante ist benannt nach den Gründern der Skoda-Werke und das Edelste, was die Tschechen ihren Kunden zu bieten haben. Zum Preis von gut 52380 Mark ist alles drin und alles dran: Ledersitze, Lederlenkradkranz, Schaltknauf und Handbremshebel ebenfalls aus Leder, die Vordersitze sind beheizbar, der Fahrersitz elektrisch höhenverstellbar, unter den Scheinwerfergläsern strahlt Xenonlicht, und ein Regensensor regelt den Scheibenwischereinsatz automatisch. Außerdem ist im Laurin & Klement ESP serienmäßig, alle anderen Octavia-Combi-Fahrer zahlen dafür 910 Mark Aufpreis.
Der Ausstattungsaufwand macht die teuerste Version dennoch nicht zum schicken Auto. Man merkt dem Skoda den Zweckbau an und ist wohl besser bedient, wenn man sich eine einfachere Octavia-Version nach Wunsch ausstattet. Zumal die beigefarbenen Lederbezüge des Laurin & Klement nach einiger Zeit des Gebrauchs nicht mehr gar so schön aussehen dürften.
Ohne Einschränkung gut und grundsolide war der Fahreindruck, den der Octavia hinterlassen hat. Der kurze Radstand des Lastesels macht sich im Alltag nicht bemerkbar, schließlich zirkelt man ein Fahrzeug, das eine Ruhe ausstrahlt wie der Skoda, nicht wie einen Sportwagen um die Kurven.
Zur entspannten und entspannenden Fahrt trug der 1,9-Liter-TDI ein gerüttelt Maß bei. Zwar brummt er nach dem Kaltstart vernehmlich und produziert auch warm gefahren mehr betriebsame Geräusche als ein Benziner, dafür aber ist er ein Vorbild an Genügsamkeit: Mit leichtem Gepäck beladen absolvierte der 1,5 Tonnen schwere Kombi Autobahnfahrten mit Verbrauchswerten unter sechs Litern.
Dabei muss der Fahrer seinen Vorwärtsdrang nicht einmal besonders zügeln oder den Selbstzünder auf Sparflamme köcheln lassen: Bei 3000 Touren arbeitet der Motor vollkommen unaufgeregt, ist ein ausgesprochen angenehmer Langstreckenbegleiter und treibt den Kombi mit 130 bis 150 Sachen seinem Ziel zu. Sein Ziel hat auch Skoda erreicht: Die Tschechen haben ein solides, praktisches, unspektakuläres und vernünftiges Auto auf die Räder gestellt.
Das hätten wir uns auch gleich denken können. Eine halbe Million Octaviafahrer kann schließlich nicht irren.
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