Schwäbische Winzerinnen
Eine Eva verführt zum Trollinger-Genuss
Andrea Koch-Widmann, veröffentlicht am 03.06.2008
Heilbronn - Sieben junge Wengerterinnen aus Württemberg sind stolz auf das schwäbische Nationalgetränk. Mit großer Energie haben sie binnen eines Jahres das Projekt "der Trollinger" vollendet. Nun gibt es sieben Weine mit einheitlichen Qualitätskriterien und Künstlerinnenetikett.
Von Andrea Koch-Widmann
Unbescheiden sind sie nun wirklich nicht, die sieben Schwabenfrauen: "der Trollinger" heißt schlicht ihr Projekt, und ist durch den Artikel der doch sehr bestimmend, erhebt Anspruch auf Einzigartigkeit, aber auch auf allumfassende Verallgemeinerung. Tatsächlich ist dieser Trollinger aus Frauenhand einzigartig - die Flaschen ziert eine nackte Eva, die doch züchtig eine blattumrankte Trollingerrebe anbietet. Das Künstlerinnenetikett, einen handkolorierten Linolschnitt, hat die Heilbronner Künstlerin Crina Fleischmann ganz ohne die arglistige Schlange gestaltet. Und ganz generell gilt – der Trollinger soll durch Qualität und seine typische Charakteristik bestechen. Just an einer solchen Profilierung der wichtigsten Weinsorte arbeitet der Weinbauverband Württemberg seit 2006. Der Trollinger wird im Verbandsgebiet auf knapp 2500 Hektar Fläche angebaut und liegt mit 21,6 Prozent bei den Roten, die 71,1 Prozent der Anbaufläche beanspruchen, deutlich vor dem Schwarzriesling (15,6 Prozent) und Lemberger (13,4 Prozent).
"Das Trollinger-Projekt der sieben Schwabenfrauen passt ideal in die Profilbestrebungen", lobte auch der Verbandspräsident Hermann Hohl die jungen Winzerinnen auf der Messe Pro Wein in Düsseldorf. Er musste jedoch zugeben: "Die Frauen waren schneller." Die sieben Erzeugerinnen haben sich nach vielen Weinproben geeinigt, wie ihr Trollinger schmecken soll, erzählt ihre Sprecherin Christina Hengerer-Müller, nämlich jung, unverhüllt und ungeschminkt. "Der Trollinger ist einfach und unkompliziert, so wie die Leute hier", sagt sie.
Auch wenn sie ihr Produkt bundesweit bekannt machen wollen, widerstehen sie doch den Trends zu mehr Farbe, mehr Alkohol und mehr Tannin. Es sei eine Unsitte, sagt Hengerer-Müller, sich mit einem so einzigartigen regionaltypischen Produkt anzupassen an andere Weinbaugebiete in der EU. Deshalb setzten die Erzeugerinnen auf die Trollinger-typische Farbe Ziegelrot und haben den Alkoholgehalt auf maximal 12,5 Prozent Volumenprozent Alkohol festgelegt. Weitere Qualitätskriterien sind, dass die Rebstöcke für ihren Trollinger mindestens 15 Jahre alt sein müssen. "Die Wurzeln greifen dann tiefer, es gibt mehr Inhaltsstoffe", erklärt die Heilbronner Winzermeisterin. Und sie setzen auf Qualität statt Masse, deshalb ist der Ertrag auf 120 Kilogramm je Ar begrenzt.
Die sieben Schwabenfrauen gehören zum inzwischen 323 Mitglieder zählenden bundesweiten Frauennetzwerk der Weinbranche Vinissima, das 1991 von sieben Frauen in Südbaden gegründet wurde. Sechs stammen aus Weingütern, Christine Golter (Ilsfeld), Andrea Gruber (Obersulm-Eschenau), Christina Hengerer-Müller (Heilbronn), Angelika Knauer (Remshalden), Margret Kuhnle (Weinstadt-Strümpfelbach), Sabrina Roth (Happenbach), die siebte, Heidrun Hohl, arbeitet für die Genossenschaft Weingärtner Willsbach (Obersulm-Willsbach).
Für alle ist der Trollinger-Anbau die Existenzgrundlage, und deshalb schmerzte es alle, dass der Trollinger als ihr wichtigstes Produkt lange Zeit so miesgemacht wurde, sagt Hengerer-Müller. Auf Weinreisen mit Vinissima ins italienische Piemont und ins Prosecco-Gebiet, wo die dortigen Winzerinnen stolz ihre Produkte präsentierten, keimte bei den Schwäbinnen die Idee: "Das können wir auch."
Regionale Produkte stünden doch hoch im Kurs, und der Trollinger, so ihre Überzeugung, sei zudem ein Alleinstellungsmerkmal wie aus dem Bilderbuch. Binnen eines Jahres setzen sie, mit Unterstützung der Marketingprofessorin an der Heilbronner Hochschule, Ruth Fleuchaus, die ebenfalls Vinissima angehört, ihr Projekt um. Vorigen Herbst wurde ihr erster Trollinger gelesen. "Kein Einheitswein", wie Hengerer-Müller betont. Jede der sieben baut ihren eigenen Wein aus, die Erzeugerin ist klein auf dem Etikett zu finden, im Vordergrund steht die Marke mit der Eva. Ihre Hoffnung: dem schwäbischen Nationalgetränk ein jüngeres Image zu verpassen und neues Publikum zu erschließen – und die eingefleischten Viertelesschlotzer an den Stammtischen nicht allzu sehr erschreckt zu haben, weil nun Frauen in die Männerdomäne eingedrungen sind.
Weitere Infos: www.der-trollinger.de
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Von Andrea Koch-Widmann
Unbescheiden sind sie nun wirklich nicht, die sieben Schwabenfrauen: "der Trollinger" heißt schlicht ihr Projekt, und ist durch den Artikel der doch sehr bestimmend, erhebt Anspruch auf Einzigartigkeit, aber auch auf allumfassende Verallgemeinerung. Tatsächlich ist dieser Trollinger aus Frauenhand einzigartig - die Flaschen ziert eine nackte Eva, die doch züchtig eine blattumrankte Trollingerrebe anbietet. Das Künstlerinnenetikett, einen handkolorierten Linolschnitt, hat die Heilbronner Künstlerin Crina Fleischmann ganz ohne die arglistige Schlange gestaltet. Und ganz generell gilt – der Trollinger soll durch Qualität und seine typische Charakteristik bestechen. Just an einer solchen Profilierung der wichtigsten Weinsorte arbeitet der Weinbauverband Württemberg seit 2006. Der Trollinger wird im Verbandsgebiet auf knapp 2500 Hektar Fläche angebaut und liegt mit 21,6 Prozent bei den Roten, die 71,1 Prozent der Anbaufläche beanspruchen, deutlich vor dem Schwarzriesling (15,6 Prozent) und Lemberger (13,4 Prozent).
"Das Trollinger-Projekt der sieben Schwabenfrauen passt ideal in die Profilbestrebungen", lobte auch der Verbandspräsident Hermann Hohl die jungen Winzerinnen auf der Messe Pro Wein in Düsseldorf. Er musste jedoch zugeben: "Die Frauen waren schneller." Die sieben Erzeugerinnen haben sich nach vielen Weinproben geeinigt, wie ihr Trollinger schmecken soll, erzählt ihre Sprecherin Christina Hengerer-Müller, nämlich jung, unverhüllt und ungeschminkt. "Der Trollinger ist einfach und unkompliziert, so wie die Leute hier", sagt sie.
Auch wenn sie ihr Produkt bundesweit bekannt machen wollen, widerstehen sie doch den Trends zu mehr Farbe, mehr Alkohol und mehr Tannin. Es sei eine Unsitte, sagt Hengerer-Müller, sich mit einem so einzigartigen regionaltypischen Produkt anzupassen an andere Weinbaugebiete in der EU. Deshalb setzten die Erzeugerinnen auf die Trollinger-typische Farbe Ziegelrot und haben den Alkoholgehalt auf maximal 12,5 Prozent Volumenprozent Alkohol festgelegt. Weitere Qualitätskriterien sind, dass die Rebstöcke für ihren Trollinger mindestens 15 Jahre alt sein müssen. "Die Wurzeln greifen dann tiefer, es gibt mehr Inhaltsstoffe", erklärt die Heilbronner Winzermeisterin. Und sie setzen auf Qualität statt Masse, deshalb ist der Ertrag auf 120 Kilogramm je Ar begrenzt.
Die sieben Schwabenfrauen gehören zum inzwischen 323 Mitglieder zählenden bundesweiten Frauennetzwerk der Weinbranche Vinissima, das 1991 von sieben Frauen in Südbaden gegründet wurde. Sechs stammen aus Weingütern, Christine Golter (Ilsfeld), Andrea Gruber (Obersulm-Eschenau), Christina Hengerer-Müller (Heilbronn), Angelika Knauer (Remshalden), Margret Kuhnle (Weinstadt-Strümpfelbach), Sabrina Roth (Happenbach), die siebte, Heidrun Hohl, arbeitet für die Genossenschaft Weingärtner Willsbach (Obersulm-Willsbach).
Für alle ist der Trollinger-Anbau die Existenzgrundlage, und deshalb schmerzte es alle, dass der Trollinger als ihr wichtigstes Produkt lange Zeit so miesgemacht wurde, sagt Hengerer-Müller. Auf Weinreisen mit Vinissima ins italienische Piemont und ins Prosecco-Gebiet, wo die dortigen Winzerinnen stolz ihre Produkte präsentierten, keimte bei den Schwäbinnen die Idee: "Das können wir auch."
Regionale Produkte stünden doch hoch im Kurs, und der Trollinger, so ihre Überzeugung, sei zudem ein Alleinstellungsmerkmal wie aus dem Bilderbuch. Binnen eines Jahres setzen sie, mit Unterstützung der Marketingprofessorin an der Heilbronner Hochschule, Ruth Fleuchaus, die ebenfalls Vinissima angehört, ihr Projekt um. Vorigen Herbst wurde ihr erster Trollinger gelesen. "Kein Einheitswein", wie Hengerer-Müller betont. Jede der sieben baut ihren eigenen Wein aus, die Erzeugerin ist klein auf dem Etikett zu finden, im Vordergrund steht die Marke mit der Eva. Ihre Hoffnung: dem schwäbischen Nationalgetränk ein jüngeres Image zu verpassen und neues Publikum zu erschließen – und die eingefleischten Viertelesschlotzer an den Stammtischen nicht allzu sehr erschreckt zu haben, weil nun Frauen in die Männerdomäne eingedrungen sind.
Weitere Infos: www.der-trollinger.de
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