Cassandras Traum
Die Träume vom Aufstieg führen zum realen Mord
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 05.06.2008
Filmbeschreibung
Ein bisschen Angeben ist in einer Welt der Erfolgsprotze die schiere Notwendigkeit. Die Brüder Terry (Colin Farrell) und Ian (Ewan McGregor) aber überschreiten die Grenze vom kontrollierten Bluff zum unkontrollierbaren Wahngewuchere. Eigentlich war Terry, der Automechaniker, das Problemkind. Der Zocker, der Frau, Bruder und Eltern vorlügt, er habe mit der Wetterei aufgehört und beim Pokern mal wieder richtig satt gewonnen, steht kurz davor, von Geldeintreibern in einen undefinierbaren Schmierbelag auf dem Londoner Asphalt verwandelt zu werden.
Aber nun dreht auch der Mustersohn Ian durch, der bisher brav im Restaurant der Eltern geschuftet hat. Er lernt eine Schauspielerin (Hayley Atwell) kennen, lügt sich in die Rolle des erfolgreichen Immobilien- und Finanzspekulanten hinein, der er in seinen kühnsten Träumen erst noch werden wollte, und er braucht nun dringend Geld, um die erbluffte Zuneigung mit echtem Luxus stützen zu können.
"Cassandras Traum", der letzte Teil von Woody Allens Londoner Trilogie, ist also wieder ein Film über Lügen und Gier, der einem gesellschaftlichen Klima nachspüren will, in dem Menschen ihre Skrupel ablegen. Nach dem eher verspielt-verträumten "Scoop" will Allen hier zurück zur Härte von "Match Point", will einen Thriller der inneren Verwahrlosung erzählen. Der soll nicht einfach eine Geschichte der erfolgreichen Selbstbrutalisierung werden, sondern eine Studie peinigender Schuldgefühle und immer weiter eskalierender Verbrechenszwänge. Nur ist "Cassandras Traum" der weitaus schwächere Film als "Match Point".
Das liegt auch an seiner aufdringlichen Wichtigtuerei. Ian und Terry sind zwar beides einfache Jungs, aber Allen zwingt sie immer wieder zu bedeutungsschweren Dialogen und dem Gehabe vorsätzlich simpel tuender Intellektueller. Allen fühlt sich von Dostojewskis zerquälten Figuren und existenziellen Problemstellungen inspiriert. Das Überreißen der Figuren ginge aber noch an, könnte Allen tatsächlich düsteren Ernst vermitteln. Doch das Drehbuch ist derart schlampig, so auf Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten angewiesen, so nachsichtig gegenüber Wiederholungen und unbekümmert um Motivationslücken, dass sich unfreiwillige Komik einstellt. Wie im ganz schlechten Boulevardtheater kommen immer jene durch die Tür, die man gerade braucht, und verhalten sich so, wie es gerade nützlich ist.
Der schlimmste Popanz ist der reiche Onkel, von dem sich Ian und Terry Rettung erhoffen. An dieser unfertig ausgearbeiteten Figur muss sich ausgerechnet Tom Wilkinson abmühen, der zu großen Charakterporträts wie in "Michael Clayton" oder "In the Bedroom" fähig ist. Der vermeintliche Geldspender ist auch nur ein Trickser und steckt selbst in der Klemme. Aber er kann ein Angebot machen. Um ihn vor Gerichtsverhandlung und Bankrott zu retten, sollen seine Neffen einen Belastungszeugen beseitigen, dann werde auch wieder Geld sprudeln.
Man begreift, welchen Henkersknoten Allen daraus knüpfen wollte, schaut seinem Film aber zu wie den ersten Krawattenbindversuchen eines sehr ungeschickten Mannes. Nicht Terry und Ian bedrücken uns, sondern Allen, der seinen Stoff nicht in den Griff bekommt. In Terry, der nicht weiß, wann er ein Spiel verloren geben muss, scheint Autobiografisches zu stecken.
Aber nun dreht auch der Mustersohn Ian durch, der bisher brav im Restaurant der Eltern geschuftet hat. Er lernt eine Schauspielerin (Hayley Atwell) kennen, lügt sich in die Rolle des erfolgreichen Immobilien- und Finanzspekulanten hinein, der er in seinen kühnsten Träumen erst noch werden wollte, und er braucht nun dringend Geld, um die erbluffte Zuneigung mit echtem Luxus stützen zu können.
"Cassandras Traum", der letzte Teil von Woody Allens Londoner Trilogie, ist also wieder ein Film über Lügen und Gier, der einem gesellschaftlichen Klima nachspüren will, in dem Menschen ihre Skrupel ablegen. Nach dem eher verspielt-verträumten "Scoop" will Allen hier zurück zur Härte von "Match Point", will einen Thriller der inneren Verwahrlosung erzählen. Der soll nicht einfach eine Geschichte der erfolgreichen Selbstbrutalisierung werden, sondern eine Studie peinigender Schuldgefühle und immer weiter eskalierender Verbrechenszwänge. Nur ist "Cassandras Traum" der weitaus schwächere Film als "Match Point".
Das liegt auch an seiner aufdringlichen Wichtigtuerei. Ian und Terry sind zwar beides einfache Jungs, aber Allen zwingt sie immer wieder zu bedeutungsschweren Dialogen und dem Gehabe vorsätzlich simpel tuender Intellektueller. Allen fühlt sich von Dostojewskis zerquälten Figuren und existenziellen Problemstellungen inspiriert. Das Überreißen der Figuren ginge aber noch an, könnte Allen tatsächlich düsteren Ernst vermitteln. Doch das Drehbuch ist derart schlampig, so auf Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten angewiesen, so nachsichtig gegenüber Wiederholungen und unbekümmert um Motivationslücken, dass sich unfreiwillige Komik einstellt. Wie im ganz schlechten Boulevardtheater kommen immer jene durch die Tür, die man gerade braucht, und verhalten sich so, wie es gerade nützlich ist.
Der schlimmste Popanz ist der reiche Onkel, von dem sich Ian und Terry Rettung erhoffen. An dieser unfertig ausgearbeiteten Figur muss sich ausgerechnet Tom Wilkinson abmühen, der zu großen Charakterporträts wie in "Michael Clayton" oder "In the Bedroom" fähig ist. Der vermeintliche Geldspender ist auch nur ein Trickser und steckt selbst in der Klemme. Aber er kann ein Angebot machen. Um ihn vor Gerichtsverhandlung und Bankrott zu retten, sollen seine Neffen einen Belastungszeugen beseitigen, dann werde auch wieder Geld sprudeln.
Man begreift, welchen Henkersknoten Allen daraus knüpfen wollte, schaut seinem Film aber zu wie den ersten Krawattenbindversuchen eines sehr ungeschickten Mannes. Nicht Terry und Ian bedrücken uns, sondern Allen, der seinen Stoff nicht in den Griff bekommt. In Terry, der nicht weiß, wann er ein Spiel verloren geben muss, scheint Autobiografisches zu stecken.
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