Zwei Treffer gegen Polen
Podolskis Abend des großen Mitgefühls
Marko Schumacher, veröffentlicht am 09.06.2008
Klagenfurt - Mit seinen beiden Treffern hat Lukas Podolski Polen fast im Alleingang besiegt. Nicht nur deshalb war es das vielleicht emotionalste Spiel, das der 23-Jährige in der Nationalmannschaft bestritten hat.
Von Marko Schumacher
Der letzte Versuch ist aussichtslos, Lukas Podolski hat nicht den Hauch einer Chance. Harald Stenger, der beleibte Pressechef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat sich dem Nationalspieler beim Gang in die Katakomben in den Weg gestellt und will ihm gratulieren. Vor lauter Übermut aber versucht Podolski den Hessen hochzuheben, er umfasst ihn wie einen Sumoringer. Das Unternehmen scheitert, denn Stenger wiegt nach eigener Aussage 98 Kilo, in Wahrheit dürften es aber noch ein paar mehr sein. Also kapituliert Podolski und läuft weiter in die Kabine. Der Mann des Abends ist er aber auch ohne Harald Stenger in die Höhe gewuchtet zu haben.
Beide Tore hat der 23-Jährige beim 2:0-Sieg gegen Polen geschossen und der deutschen Mannschaft damit einen perfekten EM-Start beschert. Zur Belohnung bekam er hinterher die riesige Trophäe eines dänischen Bierproduzenten überreicht, der bei der EM die Spieler des Spiels auszeichnet. Sehr geschäftsmäßig nahm er sie in Empfang – die ganz großen Gefühle lagen da bereits hinter dem Stürmer, der gegen Polen aus der Tiefe des linken Mittelfelds kam.
Es war für Podolski kein normales Spiel, es war vielleicht das emotionalste, das er in der Nationalmannschaft bestritten hat. Er ist in Polen geboren, hat noch immer enge Verbindungen zu dem Land. In Klagenfurt saß sein Vater auf der Tribüne, sein Onkel und andere Verwandte aus Polen. Tränen hatte Podolski in den Augen, als er nach dem Schlusspfiff auf die Tribüne kletterte und seiner Familie der Reihe nach um den Hals fiel. Ein Trikot seines Gegenspielers Mariusz Lewandowski trug er am Leib, mit dem er sich ein erbittertes Duell geliefert hatte – und dem er nach dem Schlusspfiff fast mitleidig den Kopf tätschelte.
Es waren keine Triumphposen, die Podolski vollführte, nicht nach dem Spiel und auch nicht nach seinen Toren. Unvergessen ist sein Jubel im WM-Achtelfinale vor zwei Jahren gegen Schweden, als er beim 2:0 ebenfalls beide Tore erzielt hatte und auf Knien Richtung Eckfahne geschlittert war. Und nun? Untersagte er sich vor allem nach seinem ersten Treffer jeden Freudenausbruch. "Ich habe eine große Familie in Polen und großen Respekt vor diesem Land", sagt Podolski. "Deshalb habe ich nicht so ausgiebig gejubelt."
Im Stillen wird Lukas Podolski dann aber doch jubiliert haben. Nicht darüber, dass er sein Geburtsland im Alleingang besiegt hatte; aber ganz sicher darüber, dass er sich selbst in seinem 49.Länderspiel mit den Toren 26 und 27 auf fulminante Weise zurück in die Stammformation gespielt hat. Podolski war zuletzt nicht unumstritten. Bei den Bayern, wo ihm Miroslav Klose und Luca Toni im Weg stehen, durfte er in der abgelaufenen Saison nur fünfmal von Beginn an spielen. Das Schicksal des Reservisten drohte ihm auch in der Nationalmannschaft, wo Mario Gomez in den vergangenen Monaten an ihm vorbeigezogen war.
Für Podolski wurde es eng – bis ausgerechnet sein WM-Kumpel Bastian Schweinsteiger Schwächen offenbarte und seinen Platz im linken Mittelfeld an Podolski verlor. Und so sieht sich plötzlich Podolski in der Rolle, dem Mitspieler Mut zu machen: "Wenn Basti im Training Gas gibt, ist er bestimmt eine Option", sagt er am Ende seines Abends des großen Mitgefühls.
Von Marko Schumacher
Der letzte Versuch ist aussichtslos, Lukas Podolski hat nicht den Hauch einer Chance. Harald Stenger, der beleibte Pressechef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat sich dem Nationalspieler beim Gang in die Katakomben in den Weg gestellt und will ihm gratulieren. Vor lauter Übermut aber versucht Podolski den Hessen hochzuheben, er umfasst ihn wie einen Sumoringer. Das Unternehmen scheitert, denn Stenger wiegt nach eigener Aussage 98 Kilo, in Wahrheit dürften es aber noch ein paar mehr sein. Also kapituliert Podolski und läuft weiter in die Kabine. Der Mann des Abends ist er aber auch ohne Harald Stenger in die Höhe gewuchtet zu haben.
Beide Tore hat der 23-Jährige beim 2:0-Sieg gegen Polen geschossen und der deutschen Mannschaft damit einen perfekten EM-Start beschert. Zur Belohnung bekam er hinterher die riesige Trophäe eines dänischen Bierproduzenten überreicht, der bei der EM die Spieler des Spiels auszeichnet. Sehr geschäftsmäßig nahm er sie in Empfang – die ganz großen Gefühle lagen da bereits hinter dem Stürmer, der gegen Polen aus der Tiefe des linken Mittelfelds kam.
Es war für Podolski kein normales Spiel, es war vielleicht das emotionalste, das er in der Nationalmannschaft bestritten hat. Er ist in Polen geboren, hat noch immer enge Verbindungen zu dem Land. In Klagenfurt saß sein Vater auf der Tribüne, sein Onkel und andere Verwandte aus Polen. Tränen hatte Podolski in den Augen, als er nach dem Schlusspfiff auf die Tribüne kletterte und seiner Familie der Reihe nach um den Hals fiel. Ein Trikot seines Gegenspielers Mariusz Lewandowski trug er am Leib, mit dem er sich ein erbittertes Duell geliefert hatte – und dem er nach dem Schlusspfiff fast mitleidig den Kopf tätschelte.
Es waren keine Triumphposen, die Podolski vollführte, nicht nach dem Spiel und auch nicht nach seinen Toren. Unvergessen ist sein Jubel im WM-Achtelfinale vor zwei Jahren gegen Schweden, als er beim 2:0 ebenfalls beide Tore erzielt hatte und auf Knien Richtung Eckfahne geschlittert war. Und nun? Untersagte er sich vor allem nach seinem ersten Treffer jeden Freudenausbruch. "Ich habe eine große Familie in Polen und großen Respekt vor diesem Land", sagt Podolski. "Deshalb habe ich nicht so ausgiebig gejubelt."
Im Stillen wird Lukas Podolski dann aber doch jubiliert haben. Nicht darüber, dass er sein Geburtsland im Alleingang besiegt hatte; aber ganz sicher darüber, dass er sich selbst in seinem 49.Länderspiel mit den Toren 26 und 27 auf fulminante Weise zurück in die Stammformation gespielt hat. Podolski war zuletzt nicht unumstritten. Bei den Bayern, wo ihm Miroslav Klose und Luca Toni im Weg stehen, durfte er in der abgelaufenen Saison nur fünfmal von Beginn an spielen. Das Schicksal des Reservisten drohte ihm auch in der Nationalmannschaft, wo Mario Gomez in den vergangenen Monaten an ihm vorbeigezogen war.
Für Podolski wurde es eng – bis ausgerechnet sein WM-Kumpel Bastian Schweinsteiger Schwächen offenbarte und seinen Platz im linken Mittelfeld an Podolski verlor. Und so sieht sich plötzlich Podolski in der Rolle, dem Mitspieler Mut zu machen: "Wenn Basti im Training Gas gibt, ist er bestimmt eine Option", sagt er am Ende seines Abends des großen Mitgefühls.
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