Gesprächsreihe
"Die Grünen sollten Grundrechte achten"
Fragen von Frank Buchmeier , veröffentlicht am 17.06.2008
Weinstadt - Genau in der Mitte der Region steht ein Wengerthäusle. Der ideale Ort, um mit StZ-Gästen regionale Fragen zu diskutieren. Dabei sitzen alle an einem Tisch – und dann wird bei einem guten Tropfen offen geredet. Diesmal hat Frank Buchmeier den Nürtinger Agrarwissenschaftler Andreas Schier und den Leonberger Landtagsabgeordneten Bernd Murschel von den Grünen zum Gespräch ins Wengerthäusle gebeten. Das Thema: Gentechnik in der Landwirtschaft.
Herr Schier, Ihnen wurden Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Mais verboten. Was bedeutet das für Sie?
Schier: Ich habe mich in den vergangenen 13 Jahren auf dieses Projekt fokussiert. Dass ich es nun einstellen musste, ist für mich ein herber Schlag. Und auch für die Studenten, die auf den Feldern in Oberboihingen praktische Erfahrungen sammeln konnten. Wenn eines Tages hierzulande erkannt wird, dass wir diese Zukunftstechnologie benötigen, werden uns die Fachleute fehlen. Uns geht wichtiges Knowhow verloren.
Wir haben eine CDU-FDP-Landesregierung. Beide Parteien zeigen sich laut ihren offiziellen Programmen der Grünen Gentechnik gegenüber aufgeschlossen. Wie viele Christdemokraten und Freidemokraten haben Ihnen Rückendeckung gegeben?
Schier: Weder das baden-württembergische Wissenschafts- noch das Landwirtschaftsministerium haben reagiert. Auch die Bundesregierung hatte angekündigt, dass sie die Forschung im Bereich der Grünen Gentechnik erleichtern will. Das Gegenteil ist eingetroffen: Die Politik hat zugelassen, dass die Freiheit von Forschung und Lehre in meiner Disziplin nicht mehr existiert.
Murschel: Eine solche Freiheit hört da auf, wo Gefahren für die Gesellschaft nicht ausgeschlossen werden können. Außerdem müssen Sie endlich mal akzeptieren, dass 70 Prozent der Bevölkerung Grüne Gentechnik ablehnen.
Schier: Als Wissenschaftler fühle ich mich eher der Wissenschaft verpflichtet als bestimmten Meinungsumfragen. Hierbei kommt es doch immer sehr auf die Fragestellung an. Wenn man fragt "Würden Sie einen gentechnisch veränderten Joghurt essen, der gesundheitliche Vorteile verspricht?", wird das eine Vielzahl der Leute bejahen. In der Arzneimittelproduktion ist Gentechnik unumstritten, weil sich jeder davon einen persönlichen Vorteil verspricht. Ob der Bauer hingegen Probleme mit Schädlingen hat, die durch Grüne Gentechnik gelöst werden könnten, interessiert den Großteil der Bevölkerung nicht. Zudem muss in puncto Wissen sicherlich noch viel sachliche Aufklärungsarbeit geleistet werden. Dass bei der letzten Eurobarometer-Umfrage zur Biotechnologie fast 40 Prozent der Befragten meinten, nur gentechnisch veränderte Tomaten enthielten Gene und andere nicht, lasse ich in diesem Zusammenhang einfach mal so im Raum stehen.
Murschel: Ich finde es nicht richtig, dass Sie so tun, als wäre die Hälfte der Bevölkerung blöd. Sie dürfen als Wissenschaftler nicht in Ihrem Elfenbeinturm verharren - nach dem Motto: Es ist völlig egal, was in der Gesellschaft abgeht. Ich möchte ja auch nicht, dass in Baden-Württemberg Splitterbomben entwickelt werden, nur weil es technisch machbar ist. Sprich: es gibt Grenzen in der Forschung, die man nicht überschreiten sollte.
Kann man Splitterbomben und Grüne Gentechnik tatsächlich vergleichen?
Murschel: Es ist beides gefährlich. Wir wissen nicht, was Professor Schiers offene Feldversuche in 30, 40 oder 50 Jahren bewirken werden. Sicher ist: wenn wir einmal damit angefangen haben, werden wir kaum mehr aus dieser Geschichte rauskommen.
Was hilft es uns in der Region Stuttgart, wenn die Grüne Gentechnik künftig nur noch in China, Amerika oder anderswo weiterentwickelt wird?
Murschel: Für unseren Wirtschaftsstandort ist diese Technik irrelevant. Weder im Bereich der Ökologie noch bei der Ernährungssicherung bringt sie uns etwas. Deswegen sehe ich keinen Anlass, Ländern wie Kanada oder Brasilien nachzueifern. In der Region Stuttgart müssen wir auf Qualität in der Landwirtschaft setzen. Das bedeutet für mich: eine gentechnikfreie, tierartgerechte und umweltfreundliche Produktion von Lebensmitteln.
Schier: Das sind Sprechblasen eines politischen Lobbyisten der Biolandwirtschaft. Es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten für gentechnisch veränderte Pflanzen. Man kann doch nicht unisono sagen, das sei für uns alles irrelevant. Nehmen Sie zum Beispiel den gegen den Maiswurzelbohrer resistenten Mais, den Sie ja hier ebenfalls über einen Kamm scheren. Im Rheintal wurde dieser Schädling großflächig mit einem Insektizid eingenebelt, die Folge war bekanntermaßen ein Bienensterben. Zudem findet man in gentechnisch verändertem Mais deutlich weniger Pilzgifte als in konventionellen Sorten. Das zeigt: Grüne Gentechnik kann unsere Umwelt schützen und die Nahrungsqualität steigern.
Murschel: Warum will dann kein schwäbischer Landwirt Ihre Gentechnik?
Schier: Weil die Bauern von den Gegnern enorm unter Druck gesetzt werden. Wissen Sie, was in einem Dorf passiert, wenn ein Bauer Gentechnik anwendet? Sogar der Pfarrer erzählt dann auf der Kanzel vor allen Leuten, dass das ein böser Mann sei.
Murschel: Ach was!
Schier: Ich kenne die Fälle und könnte Ihnen Namen nennen.
Im vergangenen Jahr wurden weltweit auf 114 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Sind Ihnen negative Folgen bekannt?
Murschel: Durchaus. Es ist erwiesen, dass der wachsende Einfluss von Genagrokonzernen wie Monsanto insbesondere der Landwirtschaft in Entwicklungsländern massiv schadet. Die Bauern werden von den Großunternehmen abhängig und können nicht mehr ihre eigenen, gentechnikfreien Maissorten anbauen. Wenn ich etwas gegen den Hunger auf der Welt tun will, dann darf ich bestimmt nicht auf Gentechnik setzen.
Herr Schier, darf eine Pflanze einem Unternehmen wie Monsanto gehören?
Schier: Eine Pflanzensorte gehört immer einer Firma, auch eine konventionell gezüchtete. Wenn ein Bauer sie nutzt, dann muss er dafür bezahlen. Sonst würde sich keine Züchter die Mühe machen, Sorten zu verbessern. Ob und wie sich Firmen durch die Gentechnik Monopole schaffen, ist eine andere Sache. Es fordert ja auch niemand, dass keine Computerprogramme entwickelt werden dürfen, weil die Marktmacht von Microsoft in bestimmten Bereichen groß ist.
Murschel: Es muss aber in einem demokratischen Diskurs möglich sein, dass man sich gegen die Fortführung von Experimenten engagiert, die den Menschen schaden könnten.
Befürworten Sie Aktionen wie die Besetzung des Versuchsfelds in Oberboihingen?
Murschel: Ich bin gegen Gewalt. Aber ich kann nachvollziehen, dass junge Menschen sagen: Ich sehe keinen anderen Weg als die Feldbesetzung, weil andere Protestformen ins Leere laufen. Die Medien reagieren doch nur auf spektakuläre Aktionen.
Schier: Sie und Ihr Fraktionsvorsitzender Winfried Kretschmann waren höchstpersönlich auf dem Besetzerfeld. In der Presse wurde Ihr Fraktionsvorsitzender hierzu mit den Worten "Ein guter Tag für Nürtingen" zitiert. Das ist ein Skandal. Jeder demokratische Politiker sollte sich an unser Grundgesetz halten, in dem die Freiheit von Forschung und Lehre garantiert ist. Auch die Grünen sollten dieses Grundrecht achten.
Murschel: Ich sehe es als meine Aufgabe als Politiker, mit allen Gruppen zu diskutieren. Sie haben die Feldbesetzer öffentlich als Kriminelle dargestellt und damit für eine weitere Eskalation gesorgt.
Schier: Wie würden Sie reagieren, wenn sich jemand in ihren Garten setzt und sagt: "Ich gehe, wenn du meine Forderungen erfüllst"?
Murschel: Ich würde jedenfalls niemanden, der auf meinem Acker sitzt ...
Schier: ... das ist kein Acker, sondern ein behördlich zugelassenes Versuchsfeld der Hochschule Nürtingen-Geislingen.
Murschel: Das war ein kahler Acker, da war ja noch gar nichts angepflanzt.
Schier: Sie wissen genauso gut wie ich, dass ich an keiner anderen Stelle meine Experimente durchführen dürfte.
Haben Sie mit den Besetzern gesprochen?
Schier: Die haben von Anfang an gesagt: "Wir räumen das Feld erst, wenn die Forschungen gestoppt werden!" Das ist für mich Erpressung und keine Basis für konstruktive Gespräche. Man muss in diesem Zusammenhang erwähnen, dass kürzlich auch Versuchsfelder der Uni Gießen besetzt wurden, und zwar größtenteils von denselben Leuten. Wir haben es mit militanten Gentechnikgegnern zu tun. Die kommen nicht aus der Region Stuttgart, sondern aus ganz Deutschland. Und die Landtagsgrünen unterstützen solche Leute. Das bringt mich auf die Palme.
Wir werden hier wohl keinen Konsens zwischen Ihnen beiden finden. Oder haben Sie einen guten Kompromissvorschlag?
Murschel: Man sollte den Verbraucher entscheiden lassen, ob er gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen will, indem man sie deutlich deklariert. Ich prophezeie: das manipulierte Zeug bleibt im Regal liegen.
Schier: Weltweit werden unsere Ressourcen knapper, beim Treibstoff macht sich das schon deutlich bemerkbar, beim Wasser in weiten Landstrichen unseres Planeten ebenfalls. Die Bevölkerung nimmt aber weltweit zu. Das heißt, wir müssen auf vorhandenen Flächen ein Optimum erzeugen. Vor diesem Hintergrund werden sich gentechnisch veränderte Pflanzen früher oder später überall durchsetzen, auch bei uns.
Herr Schier, Ihnen wurden Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Mais verboten. Was bedeutet das für Sie?
Schier: Ich habe mich in den vergangenen 13 Jahren auf dieses Projekt fokussiert. Dass ich es nun einstellen musste, ist für mich ein herber Schlag. Und auch für die Studenten, die auf den Feldern in Oberboihingen praktische Erfahrungen sammeln konnten. Wenn eines Tages hierzulande erkannt wird, dass wir diese Zukunftstechnologie benötigen, werden uns die Fachleute fehlen. Uns geht wichtiges Knowhow verloren.
Wir haben eine CDU-FDP-Landesregierung. Beide Parteien zeigen sich laut ihren offiziellen Programmen der Grünen Gentechnik gegenüber aufgeschlossen. Wie viele Christdemokraten und Freidemokraten haben Ihnen Rückendeckung gegeben?
Schier: Weder das baden-württembergische Wissenschafts- noch das Landwirtschaftsministerium haben reagiert. Auch die Bundesregierung hatte angekündigt, dass sie die Forschung im Bereich der Grünen Gentechnik erleichtern will. Das Gegenteil ist eingetroffen: Die Politik hat zugelassen, dass die Freiheit von Forschung und Lehre in meiner Disziplin nicht mehr existiert.
Murschel: Eine solche Freiheit hört da auf, wo Gefahren für die Gesellschaft nicht ausgeschlossen werden können. Außerdem müssen Sie endlich mal akzeptieren, dass 70 Prozent der Bevölkerung Grüne Gentechnik ablehnen.
Schier: Als Wissenschaftler fühle ich mich eher der Wissenschaft verpflichtet als bestimmten Meinungsumfragen. Hierbei kommt es doch immer sehr auf die Fragestellung an. Wenn man fragt "Würden Sie einen gentechnisch veränderten Joghurt essen, der gesundheitliche Vorteile verspricht?", wird das eine Vielzahl der Leute bejahen. In der Arzneimittelproduktion ist Gentechnik unumstritten, weil sich jeder davon einen persönlichen Vorteil verspricht. Ob der Bauer hingegen Probleme mit Schädlingen hat, die durch Grüne Gentechnik gelöst werden könnten, interessiert den Großteil der Bevölkerung nicht. Zudem muss in puncto Wissen sicherlich noch viel sachliche Aufklärungsarbeit geleistet werden. Dass bei der letzten Eurobarometer-Umfrage zur Biotechnologie fast 40 Prozent der Befragten meinten, nur gentechnisch veränderte Tomaten enthielten Gene und andere nicht, lasse ich in diesem Zusammenhang einfach mal so im Raum stehen.
Murschel: Ich finde es nicht richtig, dass Sie so tun, als wäre die Hälfte der Bevölkerung blöd. Sie dürfen als Wissenschaftler nicht in Ihrem Elfenbeinturm verharren - nach dem Motto: Es ist völlig egal, was in der Gesellschaft abgeht. Ich möchte ja auch nicht, dass in Baden-Württemberg Splitterbomben entwickelt werden, nur weil es technisch machbar ist. Sprich: es gibt Grenzen in der Forschung, die man nicht überschreiten sollte.
Kann man Splitterbomben und Grüne Gentechnik tatsächlich vergleichen?
Murschel: Es ist beides gefährlich. Wir wissen nicht, was Professor Schiers offene Feldversuche in 30, 40 oder 50 Jahren bewirken werden. Sicher ist: wenn wir einmal damit angefangen haben, werden wir kaum mehr aus dieser Geschichte rauskommen.
Was hilft es uns in der Region Stuttgart, wenn die Grüne Gentechnik künftig nur noch in China, Amerika oder anderswo weiterentwickelt wird?
Murschel: Für unseren Wirtschaftsstandort ist diese Technik irrelevant. Weder im Bereich der Ökologie noch bei der Ernährungssicherung bringt sie uns etwas. Deswegen sehe ich keinen Anlass, Ländern wie Kanada oder Brasilien nachzueifern. In der Region Stuttgart müssen wir auf Qualität in der Landwirtschaft setzen. Das bedeutet für mich: eine gentechnikfreie, tierartgerechte und umweltfreundliche Produktion von Lebensmitteln.
Schier: Das sind Sprechblasen eines politischen Lobbyisten der Biolandwirtschaft. Es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten für gentechnisch veränderte Pflanzen. Man kann doch nicht unisono sagen, das sei für uns alles irrelevant. Nehmen Sie zum Beispiel den gegen den Maiswurzelbohrer resistenten Mais, den Sie ja hier ebenfalls über einen Kamm scheren. Im Rheintal wurde dieser Schädling großflächig mit einem Insektizid eingenebelt, die Folge war bekanntermaßen ein Bienensterben. Zudem findet man in gentechnisch verändertem Mais deutlich weniger Pilzgifte als in konventionellen Sorten. Das zeigt: Grüne Gentechnik kann unsere Umwelt schützen und die Nahrungsqualität steigern.
Murschel: Warum will dann kein schwäbischer Landwirt Ihre Gentechnik?
Schier: Weil die Bauern von den Gegnern enorm unter Druck gesetzt werden. Wissen Sie, was in einem Dorf passiert, wenn ein Bauer Gentechnik anwendet? Sogar der Pfarrer erzählt dann auf der Kanzel vor allen Leuten, dass das ein böser Mann sei.
Murschel: Ach was!
Schier: Ich kenne die Fälle und könnte Ihnen Namen nennen.
Im vergangenen Jahr wurden weltweit auf 114 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Sind Ihnen negative Folgen bekannt?
Murschel: Durchaus. Es ist erwiesen, dass der wachsende Einfluss von Genagrokonzernen wie Monsanto insbesondere der Landwirtschaft in Entwicklungsländern massiv schadet. Die Bauern werden von den Großunternehmen abhängig und können nicht mehr ihre eigenen, gentechnikfreien Maissorten anbauen. Wenn ich etwas gegen den Hunger auf der Welt tun will, dann darf ich bestimmt nicht auf Gentechnik setzen.
Herr Schier, darf eine Pflanze einem Unternehmen wie Monsanto gehören?
Schier: Eine Pflanzensorte gehört immer einer Firma, auch eine konventionell gezüchtete. Wenn ein Bauer sie nutzt, dann muss er dafür bezahlen. Sonst würde sich keine Züchter die Mühe machen, Sorten zu verbessern. Ob und wie sich Firmen durch die Gentechnik Monopole schaffen, ist eine andere Sache. Es fordert ja auch niemand, dass keine Computerprogramme entwickelt werden dürfen, weil die Marktmacht von Microsoft in bestimmten Bereichen groß ist.
Murschel: Es muss aber in einem demokratischen Diskurs möglich sein, dass man sich gegen die Fortführung von Experimenten engagiert, die den Menschen schaden könnten.
Befürworten Sie Aktionen wie die Besetzung des Versuchsfelds in Oberboihingen?
Murschel: Ich bin gegen Gewalt. Aber ich kann nachvollziehen, dass junge Menschen sagen: Ich sehe keinen anderen Weg als die Feldbesetzung, weil andere Protestformen ins Leere laufen. Die Medien reagieren doch nur auf spektakuläre Aktionen.
Schier: Sie und Ihr Fraktionsvorsitzender Winfried Kretschmann waren höchstpersönlich auf dem Besetzerfeld. In der Presse wurde Ihr Fraktionsvorsitzender hierzu mit den Worten "Ein guter Tag für Nürtingen" zitiert. Das ist ein Skandal. Jeder demokratische Politiker sollte sich an unser Grundgesetz halten, in dem die Freiheit von Forschung und Lehre garantiert ist. Auch die Grünen sollten dieses Grundrecht achten.
Murschel: Ich sehe es als meine Aufgabe als Politiker, mit allen Gruppen zu diskutieren. Sie haben die Feldbesetzer öffentlich als Kriminelle dargestellt und damit für eine weitere Eskalation gesorgt.
Schier: Wie würden Sie reagieren, wenn sich jemand in ihren Garten setzt und sagt: "Ich gehe, wenn du meine Forderungen erfüllst"?
Murschel: Ich würde jedenfalls niemanden, der auf meinem Acker sitzt ...
Schier: ... das ist kein Acker, sondern ein behördlich zugelassenes Versuchsfeld der Hochschule Nürtingen-Geislingen.
Murschel: Das war ein kahler Acker, da war ja noch gar nichts angepflanzt.
Schier: Sie wissen genauso gut wie ich, dass ich an keiner anderen Stelle meine Experimente durchführen dürfte.
Haben Sie mit den Besetzern gesprochen?
Schier: Die haben von Anfang an gesagt: "Wir räumen das Feld erst, wenn die Forschungen gestoppt werden!" Das ist für mich Erpressung und keine Basis für konstruktive Gespräche. Man muss in diesem Zusammenhang erwähnen, dass kürzlich auch Versuchsfelder der Uni Gießen besetzt wurden, und zwar größtenteils von denselben Leuten. Wir haben es mit militanten Gentechnikgegnern zu tun. Die kommen nicht aus der Region Stuttgart, sondern aus ganz Deutschland. Und die Landtagsgrünen unterstützen solche Leute. Das bringt mich auf die Palme.
Wir werden hier wohl keinen Konsens zwischen Ihnen beiden finden. Oder haben Sie einen guten Kompromissvorschlag?
Murschel: Man sollte den Verbraucher entscheiden lassen, ob er gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen will, indem man sie deutlich deklariert. Ich prophezeie: das manipulierte Zeug bleibt im Regal liegen.
Schier: Weltweit werden unsere Ressourcen knapper, beim Treibstoff macht sich das schon deutlich bemerkbar, beim Wasser in weiten Landstrichen unseres Planeten ebenfalls. Die Bevölkerung nimmt aber weltweit zu. Das heißt, wir müssen auf vorhandenen Flächen ein Optimum erzeugen. Vor diesem Hintergrund werden sich gentechnisch veränderte Pflanzen früher oder später überall durchsetzen, auch bei uns.
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