Konzertkritik

Großväter der Klamotte

Jan Ulrich Welke, veröffentlicht am 19.06.2008
Foto: AP

Stuttgart - Was hatten, könnte man nun spöttisch fragen, die Auftritte der australischen Sängerin Kylie Minogue vor einem Monat und der amerikanischen Hardrockband Kiss am Mittwochabend in der Stuttgarter Schleyerhalle gemeinsam? Die Antwort: bei beiden spielte die Musik keine nennenswerte Rolle, beide definierten ihre Konzerte ausschließlich über eine Show, die man gut und gerne als albernen Mummenschanz bezeichnen kann.


  Von Jan Ulrich Welke

 
Denn einerseits grenzt es ja nun wirklich ans Lächerliche, was die Band Kiss auf der Bühne der mit 12.000 Zuschauern gut besuchten Halle geboten hat. Kein Klischee ist zu dämlich, als dass sie es nicht in vollen Zügen ausgekostet hätten. Zum Auftaktstück „Deuce“ schweben die vier wohlkostümierten Herren auf einer hydraulischen Bühne von der Decke hinab, die mit einer billig aussehenden Lautsprecherimitatwand bestückt ist und von der aus der Sänger und Gitarrist Paul Stanley dem Publikum seine stark behaarte Brust entgegenhält. Natürlich donnern zahlreiche Kanonenschläge, sprühen Feuerfontänen, regnet es Konfetti. Es gibt die guten alten ausufernden Gitarrensoli ebenso wie die steinalten Harte-Männer-Rockposen im Überfluss, es spuckt der Bassist Gene Simmons zu seinem Solo auf seinem einer Streitaxt nachgebildeten Bass Kunstblut, es schwebt schließlich Stanley an einem Seil durch die Hallenluft.

Simmons brüllt dazu nach Kräften, Stanleys heisere Stimme fügt sich zu dem dumpf durch die Halle wabernden Hardrock von Vorvorgestern; zu den Hits wie „C’mon and love me“ oder „Strutter“, die bereits auf dem Album „Alive“ veröffentlicht worden sind, das 1975 (!!!) erschien; oder zu „Detroit Rock City“ als letztem Stück der ausufernden Zugabe sowie zum vergurkten „I was made for loving you“ kurz vor dem Finale. Kurzum: alles ganz schön peinlich, könnte man meinen. Damit allein wird man der Sache allerdings nicht gerecht.

Denn zum einen zehrt dieses Konzert von der völlig überkandidelten Atmosphäre, vom so grenzen- wie schamlosen Selbstbewusstsein der Band, von Größenwahn, Glitzer, Glamour und grotesker Übertreibung, von Lust und Laune an der Klamotte und vom vollen Bewusstsein, dass man all dies selbstverständlich nicht ernst nehmen darf.

Zum zweiten lebt ein Kiss-Konzert natürlich vom Déjà-vu-Effekt. Von der Erinnerung des mehrheitlich recht gereiften Publikums an Jugendfreizeiten vor 25 Jahren, an vor dreißig Jahren gekaufte Audiokassetten, an mit Fuchsschwänzen verzierte Mofas, an Jeansjacken, aus deren Brusttaschen Stielbürsten ragten und auf deren Rücken oder Ärmeln immer, ausnahmslos immer ein Kiss-Schriftzug aufgebügelt war.

So einfach ist’s, und deshalb werden, so dies nicht tatsächlich die Abschiedstournee dieser Großväter des Hardrock einer durchgestandenen Epoche war, bei der nächsten Kiss-Abschiedstournee alle Besucher wiederkommen. Wir übrigens auch!
 
Kommentare
Thorgit Winter,
21.06.2008 21:28
Ich habe den Namen des Verfassers dieses Berichtes vergessen, aber ich empfinde es als eine Frechheit so über eine Band zu schreiben, die sich in 35 Jahren unvergesslich gemacht hat.
Ich denke mal, dass der Schreiberling wahrscheinlich auf Volksmusik oder Schlager steht.
Ich bin dieser Art von Musik auch nicht zu getan, würde sie aber niemals verunglimpfen und schon gar nicht deren Fans.
Sie stellen ja alle KISS Fans dar, als wären sie völlig unterbemittelt, weil sie auf KISS stehen und sich von der Show mitreißen lassen.
Ich war da und kann nur sagen, dass das was die vier auf die Bühne bringen einmalig ist.
KISS braucht keinen Backgroundchor oder no name Musiker, die sie unterstützen.
Ich wünschte, dass solche Schreiberlinge erst einmal ihr Hirn einschalten, bevor sie tausende Menschen beleidigen.
J. Biene,
20.06.2008 20:50
hallo herr ??? wie heißen sie noch ???,

ich finde es schon ziemlich frech, was sie über eine band schreiben, die über jahre hinweg eine treue anhängerschaft über den ganzen globus hat, was sich manche so hochgelobte neuband wünschen würde. gehen sie anstatt zu hansi hinterseher mal zu einem kiss konzert und sprechen sie mit den leuten ob alt oder jung alle sind da und das sogar nach über 35 jahren. nachmachen ist gefragt. ich finde daher ihre berichterstattung unter alle kanone geschriebn von jemandem der sich lediglich provokant profilieren möchte aber von einer fanfamilie wie die von kiss es ist nichts versteht. besser sie lassen es solche berichte zu schreiben und schreiben lieber über tokio hotel oder ähnliches.

gut das ich nicht gezwungen bin mehr von ihnen zu lesen.

einen schönen abend noch
markus speer,
20.06.2008 19:50
waren sie auch dort? die show war,leider im gegensatz zu mannheim,kürzer. dennoch zeigen diese rentner den neuen wo es noch langgeht. dazu kommen diese opfer des faschismus, gene und paul, liebend gerne nach deutschland. sie tun sich eine zweistunden show an und geben, trotz erkrankung, ihr bestes. leisten sie mit einer bronchitis auch si viel? also etwas mehr respekt vor dem alter.

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