Flughafen
Eine Million zusätzliche Passagiere durch Stuttgart 21
Mathias Bury, veröffentlicht am 22.06.2008
Stuttgart - Im Streit über den Flughafenausbau spielt auch Stuttgart 21 eine Rolle. Der Zug, so heißt es, könnte dem Flieger künftig Kunden abjagen. Laut Prognosen beschert jedoch das Projekt dem Airport (zurzeit gut 10 Millionen Reisende jährlich) zusätzlich pro Jahr eine Million Passagiere.
Von Mathias Bury
Das Paradebeispiel ist der TGV. Der Train à grand vitesse, Frankreichs schnellster Zug der Welt, bietet seit seinem Start im Juni 2007 dem Flugzeug auf der Strecke zwischen Stuttgart und Paris - mit einer Fahrzeitverkürzung von sechs auf drei Stunden und 39 Minuten - die Stirn. Von den elf Verbindungen, die der Filderairport zuvor jeden Tag Richtung Seinemetropole im Programm hatte, sind drei gestrichen worden, zwei Touristenflieger von Germanwings und einer von Air France. Allerdings bringen es die Lufthansa und die Air France heute noch immer auf acht Flugpaare pro Tag nach Paris.
Für Ulrich Noll, den prominentesten Gegner des Flughafenausbaus in der Landtags-FPD, dient die neue, 680 Kilometer lange Schnellverbindung nach Paris als Beispiel dafür, dass der Zug durchaus dem Flugzeug Konkurrenz machen und den Airport entlasten könnte - und dort mithin auch den Ausbaudruck vermindern würde.
Schusters Vision: Zug statt Flieger
Oberbürgermeister Wolfgang Schuster ist es aus dem gleichen Grund wichtig, dass im Rahmen der laufenden Ausbaudebatte geprüft wird, in welchem Umfang die Bahn langfristig dem Flugzeug Passagiere abnehmen könnte. Schuster hat die Vision, dass die Menschen in nicht allzu langer Zeit für Reisen in Mitteleuropa den Hochgeschwindigkeitszug statt des Fliegers nehmen, auf Distanzen bis zu 800 Kilometer. Der Luftraum in Europa stoße bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen, sagt der Oberbürgermeister.
Nun wird Stuttgart 21 zusammen mit der geplanten ICE-Strecke nach Ulm zwar auf vielen Verbindungen die Fahrzeiten der Bahn zum Teil erheblich reduzieren und als zentrales Teilstück die Durchgängigkeit der Ost-West-Verbindung im europäischen Schnellbahnnetz verbessern. Ob dadurch aber auch die Zahl der Flüge - etwa nach Berlin (26 Verbindungen pro Tag) oder Hamburg (16 Flugpaare), um die beiden Hauptziele von Stuttgart aus zu nennen - abnehmen werden, steht auf einem anderen Blatt. Bei der Bahn geht man davon aus, dass der Zug auf Strecken bis 600 Kilometer sehr gute Chancen hat im Wettbewerb mit dem Flieger.
Airport als Nutznießer des Filderbahnhofs
In der Planung für Stuttgart 21 taucht der Airport jedenfalls vor allem als Nutznießer des Milliardenprojekts auf. Als 2002 Vertreter von Land, Stadt, Bahn und Flughafen den Finanzierungsvertrag für den Filderbahnhof unterzeichnet haben, erklärte der Flughafen-Chef Georg Fundel: "Der Filderbahnhof sichert eine attraktive Erreichbarkeit für Hochgeschwindigkeitszüge und für regionale Verbindungen. Prognosen sagen zusätzlich etwa eine Million Fahrgäste voraus."
In der gegenwärtigen Lage äußert sich die Flughafen-Gesellschaft nicht zu diesem Thema. Kenner aber wissen, dass in dem Gutachten zum Bau einer zweiten Piste auch die Ergebnisse der Jahre zurückliegenden Expertise überprüft wurden. Danach liegt der Passagiergewinn des Flughafens durch Stuttgart 21 im Saldo sogar um etwa zehn Prozent über dem alten Wert. Das ist nicht überraschend, wenn man weiß, welche Vorteile das Milliardenprojekt für den Regionalverkehr verspricht. Über den unterirdischen Durchgangsbahnhof in der City und die Flughafenstation können Regionalzüge - ähnlich einer in die Metropolregion erweiterten S-Bahn - zwischen Heilbronn, Aalen und Schwäbisch Hall auf der einen, Tübingen und Horb auf der anderen Seite hin und her pendeln; von Ulm braucht man nur eine halbe Stunde zum Flughafen.
Ohne die Vorteile des Vorhabens für den Flughafen wäre auch nicht zu begründen, dass der den 128 Millionen Euro teuren Filderbahnhof finanziert. Im ersten Schritt sollte der Airport 51 Millionen Euro tragen, bei der Nachfinanzierung kamen 100 Millionen Euro dazu. Die Begründung von Land und Stadt: der Flughafen sei der "Hauptnutznießer" des Filderbahnhofs.
Von Mathias Bury
Das Paradebeispiel ist der TGV. Der Train à grand vitesse, Frankreichs schnellster Zug der Welt, bietet seit seinem Start im Juni 2007 dem Flugzeug auf der Strecke zwischen Stuttgart und Paris - mit einer Fahrzeitverkürzung von sechs auf drei Stunden und 39 Minuten - die Stirn. Von den elf Verbindungen, die der Filderairport zuvor jeden Tag Richtung Seinemetropole im Programm hatte, sind drei gestrichen worden, zwei Touristenflieger von Germanwings und einer von Air France. Allerdings bringen es die Lufthansa und die Air France heute noch immer auf acht Flugpaare pro Tag nach Paris.
Für Ulrich Noll, den prominentesten Gegner des Flughafenausbaus in der Landtags-FPD, dient die neue, 680 Kilometer lange Schnellverbindung nach Paris als Beispiel dafür, dass der Zug durchaus dem Flugzeug Konkurrenz machen und den Airport entlasten könnte - und dort mithin auch den Ausbaudruck vermindern würde.
Schusters Vision: Zug statt Flieger
Oberbürgermeister Wolfgang Schuster ist es aus dem gleichen Grund wichtig, dass im Rahmen der laufenden Ausbaudebatte geprüft wird, in welchem Umfang die Bahn langfristig dem Flugzeug Passagiere abnehmen könnte. Schuster hat die Vision, dass die Menschen in nicht allzu langer Zeit für Reisen in Mitteleuropa den Hochgeschwindigkeitszug statt des Fliegers nehmen, auf Distanzen bis zu 800 Kilometer. Der Luftraum in Europa stoße bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen, sagt der Oberbürgermeister.
Nun wird Stuttgart 21 zusammen mit der geplanten ICE-Strecke nach Ulm zwar auf vielen Verbindungen die Fahrzeiten der Bahn zum Teil erheblich reduzieren und als zentrales Teilstück die Durchgängigkeit der Ost-West-Verbindung im europäischen Schnellbahnnetz verbessern. Ob dadurch aber auch die Zahl der Flüge - etwa nach Berlin (26 Verbindungen pro Tag) oder Hamburg (16 Flugpaare), um die beiden Hauptziele von Stuttgart aus zu nennen - abnehmen werden, steht auf einem anderen Blatt. Bei der Bahn geht man davon aus, dass der Zug auf Strecken bis 600 Kilometer sehr gute Chancen hat im Wettbewerb mit dem Flieger.
Airport als Nutznießer des Filderbahnhofs
In der Planung für Stuttgart 21 taucht der Airport jedenfalls vor allem als Nutznießer des Milliardenprojekts auf. Als 2002 Vertreter von Land, Stadt, Bahn und Flughafen den Finanzierungsvertrag für den Filderbahnhof unterzeichnet haben, erklärte der Flughafen-Chef Georg Fundel: "Der Filderbahnhof sichert eine attraktive Erreichbarkeit für Hochgeschwindigkeitszüge und für regionale Verbindungen. Prognosen sagen zusätzlich etwa eine Million Fahrgäste voraus."
In der gegenwärtigen Lage äußert sich die Flughafen-Gesellschaft nicht zu diesem Thema. Kenner aber wissen, dass in dem Gutachten zum Bau einer zweiten Piste auch die Ergebnisse der Jahre zurückliegenden Expertise überprüft wurden. Danach liegt der Passagiergewinn des Flughafens durch Stuttgart 21 im Saldo sogar um etwa zehn Prozent über dem alten Wert. Das ist nicht überraschend, wenn man weiß, welche Vorteile das Milliardenprojekt für den Regionalverkehr verspricht. Über den unterirdischen Durchgangsbahnhof in der City und die Flughafenstation können Regionalzüge - ähnlich einer in die Metropolregion erweiterten S-Bahn - zwischen Heilbronn, Aalen und Schwäbisch Hall auf der einen, Tübingen und Horb auf der anderen Seite hin und her pendeln; von Ulm braucht man nur eine halbe Stunde zum Flughafen.
Ohne die Vorteile des Vorhabens für den Flughafen wäre auch nicht zu begründen, dass der den 128 Millionen Euro teuren Filderbahnhof finanziert. Im ersten Schritt sollte der Airport 51 Millionen Euro tragen, bei der Nachfinanzierung kamen 100 Millionen Euro dazu. Die Begründung von Land und Stadt: der Flughafen sei der "Hauptnutznießer" des Filderbahnhofs.
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