Spielanalyse am PC
In 90 Minuten 14 Kilometer gelaufen
Helmut Merschmann, veröffentlicht am 24.06.2008
Stutttgart - Die Zeiten, in denen Fußballtrainer die Stärken und Schwächen der Spieler auf Zettelchen notierten, sind vorbei - die moderne Technik hat Einzug gehalten. Heute setzen fast alle namhaften Fußballmannschaften auf Spielanalysen vom Computer und verbessern damit ihre Chancen.
Von Helmut Merschmann
Es sieht so einfach aus: 22 Fußballspieler, 90 Minuten, 7000 Quadratmeter, ein runder Ball und ziemlich große Tore. Dass bei Spielen der Bundesliga oder augenblicklich bei der Europa-Meisterschaft dennoch so wenig Tore fallen, hängt nicht nur mit der Topform, der Ausdauer und dem Spielvermögen der Fußballer zusammen. Fußball ist eine der komplexesten Sportarten. Zum Training gehören auch Spielstrategie und Taktik dazu.
Fast alle namhaften Vereine benutzen mittlerweile den Computer, um an ihrer Spielstrategie zu feilen. Mittels spezieller Analysesoftware können Spiele minutiös rekapituliert werden. Zuerst wird das Match mit mehreren Kameras aus verschiedenen Winkeln aufgenommen, danach lässt es sich beliebig oft anschauen. Beispielsweise aus der Vogelperspektive. Auf dem Bildschirm werden die Spieler dann zu bunten Punkten und ihre Bewegungen zu langen Linien. Gelbe Linien bedeuten, dass ein Spieler langsam gelaufen ist. Schwarz steht für schnelle Sprints. Sämtliche Bewegungsabläufe der Spieler lassen sich auf diese Weise erfassen.
Doch die geheimnisvollen Muster verraten noch mehr: Sie zeigen die Strategie und Taktik der Mannschaft auf. Beispielsweise kann man erkennen, wie viele Kilometer die einzelnen Spieler gelaufen sind. Angriffsspieler legen bis zu 14 Kilometer zurück. Andere weisen große Sprintstärke auf. Wieder andere beherrschen den Zweikampf und lassen den gegnerischen Spieler nicht vorbei. Die Muster verraten auch, ob die Aufstellung der Mannschaft funktioniert hat oder ob es Lücken gab. Ebenso wichtig wie die Analyse des eigenen Spiels ist für Trainer und Spieler die der gegnerischen Mannschaft. Kennt man deren Stärken und Schwächen, kann man sich optimal auf ein Turnier vorbereiten.
Im Einsatz sind unterschiedliche Systeme. Die französische Firma Mastercoach, mit deutschem Sitz in Düsseldorf, bietet Analysesoftware für verschiedene Sportarten an. Beim Fußball eignet sich besonders das Amisco-Tool, das das Fußballfeld in eine 2-D-Animation auflöst und detaillierte Spieler- und Mannschaftsstatistiken ausgeben kann. Vereine wie beispielsweise Real Madrid, Bayer Leverkusen und Chelsea FC setzen dieses System ein.
Eine andere Software von der Schweizer Firma LiberoVision nimmt das Fußballfeld mit fünf Kameras auf und verwandelt die Bilder sogar in eine 3-D-Animation. Eine virtuelle Kamera kann um einzelne Spieler herumfliegen, auch wenn sie während des Matchs gar keine Gelegenheit dazu hatte. "Magisches Auge" nennt sich das Feature: Mit Hilfe des Computers lassen sich eben alle möglichen Perspektiven errechnen. Dieses System wird gerne von den Fernsehsendern zur Spielanalyse genutzt. Sowohl der Schweizer Pay-TV-Sender Teleclub als auch das ZDF setzen LiberoVision ein.
Computeranalysen kosten die Vereine viel Geld. In den Stadien hängen manchmal bis zu zehn Kameras unter dem Tribünendach. Während im Fernsehen immer nur die Spielszenen am Ball zu sehen sind, zeichnen die Computerkameras das gesamte Spielfeld auf - auch dort, wo gerade nicht so viel los ist. Allein die Installation der Kameras und das Verlegen der Datenleitungen in den Stadien kosten bis zu 25.000 Euro. Dazu kommen pro Saison noch mal 60.000 Euro für die Auswertung der Daten. Beim Amisco-System dauert das knapp zwei Tage. Dann liegen den Fußballern und Trainern die genauen Analysen des letzten Spiels vor. An Echtzeitanalysen wird bereits in einem Forschungsprojekt der TU München und der Uni Augsburg gearbeitet. Ein "Football Interaction and Process Model" (FIPM) soll künftig noch während des Spiels dessen Verlauf vorhersagen können. Doch noch ist die Technik nicht so weit. Deshalb konzentriert sich Joachim Löw bei der EM noch auf seine Spieler auf dem Feld, anstatt auf einen Bildschirm zu starren.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bei der Nationalmannschaft äußerst gute Erfahrungen mit der Spielbeobachtung am Computer gemacht und will sie auch bei seinen Jugendmannschaften und in der Frauenliga einsetzen. Junge Talente mit überdurchschnittlich guten technischen und taktischen Fähigkeiten können auf diese Weise besonders effektiv gefördert werden. Die Entwicklung des Fußballs und die Vorbereitungen auf ein Spiel haben sich durch den Computer bereits verändert.
Von Helmut Merschmann
Es sieht so einfach aus: 22 Fußballspieler, 90 Minuten, 7000 Quadratmeter, ein runder Ball und ziemlich große Tore. Dass bei Spielen der Bundesliga oder augenblicklich bei der Europa-Meisterschaft dennoch so wenig Tore fallen, hängt nicht nur mit der Topform, der Ausdauer und dem Spielvermögen der Fußballer zusammen. Fußball ist eine der komplexesten Sportarten. Zum Training gehören auch Spielstrategie und Taktik dazu.
Fast alle namhaften Vereine benutzen mittlerweile den Computer, um an ihrer Spielstrategie zu feilen. Mittels spezieller Analysesoftware können Spiele minutiös rekapituliert werden. Zuerst wird das Match mit mehreren Kameras aus verschiedenen Winkeln aufgenommen, danach lässt es sich beliebig oft anschauen. Beispielsweise aus der Vogelperspektive. Auf dem Bildschirm werden die Spieler dann zu bunten Punkten und ihre Bewegungen zu langen Linien. Gelbe Linien bedeuten, dass ein Spieler langsam gelaufen ist. Schwarz steht für schnelle Sprints. Sämtliche Bewegungsabläufe der Spieler lassen sich auf diese Weise erfassen.
Doch die geheimnisvollen Muster verraten noch mehr: Sie zeigen die Strategie und Taktik der Mannschaft auf. Beispielsweise kann man erkennen, wie viele Kilometer die einzelnen Spieler gelaufen sind. Angriffsspieler legen bis zu 14 Kilometer zurück. Andere weisen große Sprintstärke auf. Wieder andere beherrschen den Zweikampf und lassen den gegnerischen Spieler nicht vorbei. Die Muster verraten auch, ob die Aufstellung der Mannschaft funktioniert hat oder ob es Lücken gab. Ebenso wichtig wie die Analyse des eigenen Spiels ist für Trainer und Spieler die der gegnerischen Mannschaft. Kennt man deren Stärken und Schwächen, kann man sich optimal auf ein Turnier vorbereiten.
Im Einsatz sind unterschiedliche Systeme. Die französische Firma Mastercoach, mit deutschem Sitz in Düsseldorf, bietet Analysesoftware für verschiedene Sportarten an. Beim Fußball eignet sich besonders das Amisco-Tool, das das Fußballfeld in eine 2-D-Animation auflöst und detaillierte Spieler- und Mannschaftsstatistiken ausgeben kann. Vereine wie beispielsweise Real Madrid, Bayer Leverkusen und Chelsea FC setzen dieses System ein.
Eine andere Software von der Schweizer Firma LiberoVision nimmt das Fußballfeld mit fünf Kameras auf und verwandelt die Bilder sogar in eine 3-D-Animation. Eine virtuelle Kamera kann um einzelne Spieler herumfliegen, auch wenn sie während des Matchs gar keine Gelegenheit dazu hatte. "Magisches Auge" nennt sich das Feature: Mit Hilfe des Computers lassen sich eben alle möglichen Perspektiven errechnen. Dieses System wird gerne von den Fernsehsendern zur Spielanalyse genutzt. Sowohl der Schweizer Pay-TV-Sender Teleclub als auch das ZDF setzen LiberoVision ein.
Computeranalysen kosten die Vereine viel Geld. In den Stadien hängen manchmal bis zu zehn Kameras unter dem Tribünendach. Während im Fernsehen immer nur die Spielszenen am Ball zu sehen sind, zeichnen die Computerkameras das gesamte Spielfeld auf - auch dort, wo gerade nicht so viel los ist. Allein die Installation der Kameras und das Verlegen der Datenleitungen in den Stadien kosten bis zu 25.000 Euro. Dazu kommen pro Saison noch mal 60.000 Euro für die Auswertung der Daten. Beim Amisco-System dauert das knapp zwei Tage. Dann liegen den Fußballern und Trainern die genauen Analysen des letzten Spiels vor. An Echtzeitanalysen wird bereits in einem Forschungsprojekt der TU München und der Uni Augsburg gearbeitet. Ein "Football Interaction and Process Model" (FIPM) soll künftig noch während des Spiels dessen Verlauf vorhersagen können. Doch noch ist die Technik nicht so weit. Deshalb konzentriert sich Joachim Löw bei der EM noch auf seine Spieler auf dem Feld, anstatt auf einen Bildschirm zu starren.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bei der Nationalmannschaft äußerst gute Erfahrungen mit der Spielbeobachtung am Computer gemacht und will sie auch bei seinen Jugendmannschaften und in der Frauenliga einsetzen. Junge Talente mit überdurchschnittlich guten technischen und taktischen Fähigkeiten können auf diese Weise besonders effektiv gefördert werden. Die Entwicklung des Fußballs und die Vorbereitungen auf ein Spiel haben sich durch den Computer bereits verändert.
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