Stopp der Ausbaupläne
Baden-Airport könnte ein Gewinner sein
Thomas Braun, veröffentlicht am 24.06.2008
Stuttgart - Nach dem Aus für eine zweite Start-und-Lande-Bahn am Stuttgarter Flughafen wird der Vorschlag des Ministerpräsidenten, den Karlsruher Flughafen als Urlaubsfliegerstandort auszubauen, neu diskutiert. Die Gesellschafter des Baden-Airports wären keineswegs abgeneigt.
Von Thomas Braun
"Bei uns wären noch Kapazitäten vorhanden." Hermann Merx, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Baden-Airpark, kann der Idee des Regierungschefs, die unter dem Spottnamen Badehosenmodell in die Landesgeschichte eingehen wird, durchaus etwas abgewinnen. Im April hatte Günther Oettinger etwas flapsig sinngemäß formuliert, wer eine Badehose im Gepäck habe, könnte doch an den Baden-Airport in Söllingen verwiesen werden, um so dem Stuttgarter Flughafen Luft zu verschaffen. Die ebenso flapsige Reaktion von Flughafen-Geschäftsführer Georg Fundel ("Baden-Württemberg ist bekanntlich das Land der Erfinder") hat den Ministerpräsidenten so sehr verstimmt, dass nun sogar Fundels weitere berufliche Zukunft auf dem Spiel steht.
Eine Trennung von Anzugs- und Badehosenträger, wie von Oettinger propagiert, lässt sich schon deshalb nicht realisieren, weil diese oft im selben Flugzeug sitzen. Doch so ganz von der Hand weisen lässt sich der Ansatz auch nicht. Schließlich gäbe es am Baden-Airport, der im Gegensatz zu anderen Flughäfen im Land nur rund 100 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt liegt, auf einer Fläche von 270 Hektar durchaus Möglichkeiten, weitere Maschinen aus dem sogenannten Billigflugsegment zu stationieren und so den Stuttgarter Flughafen zu entlasten. Bis jetzt bieten dort neben dem Platzhirsch Ryanair unter anderem auch die großen deutschen Billigfluggesellschaften Tuifly und Air Berlin Flüge an - allerdings haben sie im Gegensatz zu Ryanair bisher keine Flugzeuge in Söllingen stationiert.
Um den Flughafen für die Airlines attraktiver zu machen als bisher, müsste nicht nur die Infrastruktur am Baden-Airport selbst ausgebaut werden, sondern vor allem die schnelle Erreichbarkeit für Fluggäste auch aus dem Großraum Stuttgart verbessert werden. Ein wichtiger Baustein dafür wäre der weitere Ausbau der Autobahn 8 in Richtung Karlsruhe und ein direkter Autobahnanschluss des Airports an die A5. Dafür müssten Bund und Land allerdings viel Geld in die Hand nehmen: Je nach Streckenverlauf und topografischen Gegebenheiten kostet ein Autobahnausbau über den Daumen gepeilt zehn Millionen Euro pro Kilometer. Ein neu gebauter Autobahnkilometer schlägt sogar mit mindestens 20 Millionen Euro zu Buche - eventuell notwendige Tunnels und Brückenbauten noch gar nicht eingerechnet.
Gegner der Stuttgarter Ausbaupläne bringen zudem einen schienengebundenen Airportexpress via Karlsruhe zum Baden-Airport ins Spiel: Warum, so fragen sie, soll nicht möglich sein, was bis vor kurzem zwischen Stuttgart und dem Frankfurter Flughafen auch funktioniert hat? Der Bau eines Bahnzubringers von Karlsruhe zum 35 Kilometer entfernten Baden-Airport wäre freilich mit 15 bis 30 Millionen Euro pro Schienenkilometer ebenfalls eine Rieseninvestition. Zum Vergleich: für den Bau einer zweiten Startbahn auf den Fildern hat der Flughafen rund 600 Millionen Euro veranschlagt. Als deutlich billigere Variante ist ein Busshuttleservice nach Söllingen im Gespräch. Motto: in Stuttgart einchecken und 40 Minuten später vom Baden-Airport aus starten. Die Kosten dafür werden auf rund fünf Millionen taxiert.
Für Hermann Merx, der jenes Drittel der Anteilseigner repräsentiert, die außer dem Stuttgarter Flughafen am Baden-Airport beteiligt sind, sind solche Überlegungen jedenfalls durchaus interessant: "Ich halte solche Planspiele nicht von vornherein für aussichtslos. Wir müssen das aber im Lichte der Erklärung des Ministerpräsidenten bei der nächsten Gesellschafterversammlung erörtern." Merx rechnet bei einem maßvollen Wachstum des Karlsruher Flughafens auch nicht mit nennenswertem Widerstand der Anrainer. Es herrsche "ein gutes Klima" zwischen dem Flughafen und den umliegenden Gemeinden. Zumindest zwei Voraussetzungen für mehr Flüge will der Baden-Airport bis Ende 2009 schaffen: Derzeit wird bereits die Sanierung der bestehenden 3300 Meter langen Startbahn vorbereitet, die neben einem neuen Belag auch eine Mittelbefeuerung bekommen soll. Durch die Installation des modernen Allwetterlandesystems CAT III B können außerdem die Jets von Herbst nächsten Jahres an auch bei extrem schlechter Sicht in Söllingen landen.
Das alles spielt freilich für Airlines wie Tuifly eine untergeordnete Rolle. "Eine Fluggesellschaft stationiert dort Maschinen, wo ihr Markt ist", urteilt Tuifly-Geschäftsführer Robert Keppler. Und da sei eben die Region Stuttgart "für uns die Nummer eins". Der Baden-Airport dagegen habe nicht das "nötige Marktvolumen". Dementsprechend will sich die drittgrößte deutsche Fluggesellschaft aufgrund der bereits heute beschränkten Kapazitäten auf den Fildern auf den Allgäu-Airport im bayerischen Memmingen als Ausweichstandort konzentrieren. Keppler: "Dort sehen wir noch Wachstumspotenzial."
Von Thomas Braun
"Bei uns wären noch Kapazitäten vorhanden." Hermann Merx, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Baden-Airpark, kann der Idee des Regierungschefs, die unter dem Spottnamen Badehosenmodell in die Landesgeschichte eingehen wird, durchaus etwas abgewinnen. Im April hatte Günther Oettinger etwas flapsig sinngemäß formuliert, wer eine Badehose im Gepäck habe, könnte doch an den Baden-Airport in Söllingen verwiesen werden, um so dem Stuttgarter Flughafen Luft zu verschaffen. Die ebenso flapsige Reaktion von Flughafen-Geschäftsführer Georg Fundel ("Baden-Württemberg ist bekanntlich das Land der Erfinder") hat den Ministerpräsidenten so sehr verstimmt, dass nun sogar Fundels weitere berufliche Zukunft auf dem Spiel steht.
Eine Trennung von Anzugs- und Badehosenträger, wie von Oettinger propagiert, lässt sich schon deshalb nicht realisieren, weil diese oft im selben Flugzeug sitzen. Doch so ganz von der Hand weisen lässt sich der Ansatz auch nicht. Schließlich gäbe es am Baden-Airport, der im Gegensatz zu anderen Flughäfen im Land nur rund 100 Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt liegt, auf einer Fläche von 270 Hektar durchaus Möglichkeiten, weitere Maschinen aus dem sogenannten Billigflugsegment zu stationieren und so den Stuttgarter Flughafen zu entlasten. Bis jetzt bieten dort neben dem Platzhirsch Ryanair unter anderem auch die großen deutschen Billigfluggesellschaften Tuifly und Air Berlin Flüge an - allerdings haben sie im Gegensatz zu Ryanair bisher keine Flugzeuge in Söllingen stationiert.
Um den Flughafen für die Airlines attraktiver zu machen als bisher, müsste nicht nur die Infrastruktur am Baden-Airport selbst ausgebaut werden, sondern vor allem die schnelle Erreichbarkeit für Fluggäste auch aus dem Großraum Stuttgart verbessert werden. Ein wichtiger Baustein dafür wäre der weitere Ausbau der Autobahn 8 in Richtung Karlsruhe und ein direkter Autobahnanschluss des Airports an die A5. Dafür müssten Bund und Land allerdings viel Geld in die Hand nehmen: Je nach Streckenverlauf und topografischen Gegebenheiten kostet ein Autobahnausbau über den Daumen gepeilt zehn Millionen Euro pro Kilometer. Ein neu gebauter Autobahnkilometer schlägt sogar mit mindestens 20 Millionen Euro zu Buche - eventuell notwendige Tunnels und Brückenbauten noch gar nicht eingerechnet.
Gegner der Stuttgarter Ausbaupläne bringen zudem einen schienengebundenen Airportexpress via Karlsruhe zum Baden-Airport ins Spiel: Warum, so fragen sie, soll nicht möglich sein, was bis vor kurzem zwischen Stuttgart und dem Frankfurter Flughafen auch funktioniert hat? Der Bau eines Bahnzubringers von Karlsruhe zum 35 Kilometer entfernten Baden-Airport wäre freilich mit 15 bis 30 Millionen Euro pro Schienenkilometer ebenfalls eine Rieseninvestition. Zum Vergleich: für den Bau einer zweiten Startbahn auf den Fildern hat der Flughafen rund 600 Millionen Euro veranschlagt. Als deutlich billigere Variante ist ein Busshuttleservice nach Söllingen im Gespräch. Motto: in Stuttgart einchecken und 40 Minuten später vom Baden-Airport aus starten. Die Kosten dafür werden auf rund fünf Millionen taxiert.
Für Hermann Merx, der jenes Drittel der Anteilseigner repräsentiert, die außer dem Stuttgarter Flughafen am Baden-Airport beteiligt sind, sind solche Überlegungen jedenfalls durchaus interessant: "Ich halte solche Planspiele nicht von vornherein für aussichtslos. Wir müssen das aber im Lichte der Erklärung des Ministerpräsidenten bei der nächsten Gesellschafterversammlung erörtern." Merx rechnet bei einem maßvollen Wachstum des Karlsruher Flughafens auch nicht mit nennenswertem Widerstand der Anrainer. Es herrsche "ein gutes Klima" zwischen dem Flughafen und den umliegenden Gemeinden. Zumindest zwei Voraussetzungen für mehr Flüge will der Baden-Airport bis Ende 2009 schaffen: Derzeit wird bereits die Sanierung der bestehenden 3300 Meter langen Startbahn vorbereitet, die neben einem neuen Belag auch eine Mittelbefeuerung bekommen soll. Durch die Installation des modernen Allwetterlandesystems CAT III B können außerdem die Jets von Herbst nächsten Jahres an auch bei extrem schlechter Sicht in Söllingen landen.
Das alles spielt freilich für Airlines wie Tuifly eine untergeordnete Rolle. "Eine Fluggesellschaft stationiert dort Maschinen, wo ihr Markt ist", urteilt Tuifly-Geschäftsführer Robert Keppler. Und da sei eben die Region Stuttgart "für uns die Nummer eins". Der Baden-Airport dagegen habe nicht das "nötige Marktvolumen". Dementsprechend will sich die drittgrößte deutsche Fluggesellschaft aufgrund der bereits heute beschränkten Kapazitäten auf den Fildern auf den Allgäu-Airport im bayerischen Memmingen als Ausweichstandort konzentrieren. Keppler: "Dort sehen wir noch Wachstumspotenzial."
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