Flughafen
Das Versprechen gilt nur auf "absehbare Zeit"
Jörg Nauke, veröffentlicht am 25.06.2008
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Stuttgart - Die Landesregierung hat dem Bau einer zweiten Startbahn vorerst eine Absage erteilt. Ministerpräsident Oettinger will den Flughafen Stuttgart "veredeln". Das bedeutet mehr Geschäftsverkehr morgens und abends sowie Direktverbindungen nach Asien.
Von Jörg Nauke
Seit Mittwoch sind die Erweiterungspläne der Flughafen-Geschäftsführer Georg Fundel und Walter Schoefer Makulatur. Als Vertreter des Landes, das Hauptgesellschafter der Flughafengesellschaft (FSG) ist, hat Ministerpräsident Günther Oettinger das Aus für den Bau einer zweiten Start-und-Lande-Bahn verkündet und der Vorverlegung des Betriebsbeginns von sechs auf fünf Uhr eine Absage erteilt. Die Entscheidung sei nach "intensiver fachlicher und technischer Bewertung und unter Abwägung von Kosten und Nutzen gefallen". Ungeachtet dessen soll binnen zwei Jahren das Planfeststellungsverfahren für die Westerweiterung erfolgen. Damit würde Platz für bis zu 25 zusätzliche Parkpositionen sowie Gewerbeflächen geschaffen.
Die Einschränkung: Anders als sein Vorgänger Erwin Teufel, der versprochen hatte, nach der Messe sei Schluss mit weiteren Großprojekten auf den Fildern, hält sich Oettinger ein Hintertürchen offen. Er sagte, sowohl die zweite Bahn als auch die früheren Starts seien "auf die für uns absehbare und von uns zu verantwortende Zeit nicht zwingend erforderlich". In einem Interview wurde er wenig später konkreter: Er meine damit einen Zeitraum zwischen acht und 15 Jahren.
Die Veredlung: Laut Oettinger ist der Flughafen derzeit zu rund zwei Dritteln ausgelastet. Würden alle Slots genutzt - es sind vor allem jene frühmorgens und abends gefragt -, könnten 14 bis 15 Millionen Passagiere abgefertigt werden; derzeit sind es zehn Millionen pro Jahr. Der Landesregierung schwebt vor, in den Stoßzeiten mehr "wirtschaftlich sinnvolle Flüge" stattfinden zu lassen. Der Geschäftsverkehr soll Vorrang vor Tourismusverkehr erhalten. Durch höhere Flughafengebühren "die Spreu vom Weizen" zu trennen, lautet Oettingers Maxime.
Der Frühstart: Die Piloten lassen sich morgens viel Zeit. Zwar sind Starts von sechs Uhr an genehmigt, tatsächlich hebe die erste Maschine erst zehn bis 15 Minuten später ab, sagte der Ministerpräsident. Würden die Flugzeuge bereits von 5.50 Uhr an auf die Piste rollen, gewinne man sechs bis sieben Starts in der attraktiven ersten Stunde. Für die Gegner ist das die erste Scheibe der Salamitaktik, die Nachtflugbeschränkung weiter auszuhöhlen.
Die Interkontinentalisierung: Von Stuttgart fliegt man zwar schon nach Amerika (Atlanta) und Afrika (Hurghada), doch Oettinger will mehr. Er setzt sich dafür ein, dass Stuttgart "verstärkt ein Interkontinentalflughafen" wird mit täglichen Verbindungen in den Mittleren Osten, Asien, Nord- und Südamerika. Heute fehlen dafür teilweise die Landerechte oder die Nachfrage. Flughafenchef Fundel hatte unlängst gesagt, um für chinesische Airlines interessant zu sein, bedürfe es einer "kritischen Größe" von 15 Millionen Passagieren. Im Planfeststellungsbeschluss für die Erweiterung der Startbahn in den 90er Jahren ist allerdingsder Status eines "europäischen Mittelstreckenflughafens" zementiert. Für die "weltweite Erreichbarkeit" reiche die Kapazität des Flughafens aus, sagt Oettinger. Diese Passagiere könnten auch tagsüber landen.
Die Ergänzung: "Wir wollen, dass sich der Steigflug am Baden-Airport fortsetzt", sagte der Ministerpräsident. Wenn dort das Angebot ausgebaut und die Anbindung verbessert würde, wären Baden-Württemberger bereit, den Flughafen in Söllingen bei Baden-Baden verstärkt zu nutzen. Innerhalb von zwölf Jahren könne dort das Passagieraufkommen von einer auf zwei Millionen gesteigert werden - dies entspricht dem bisherigen jährlichen Wachstum des Flughafens Stuttgart. Oettinger hält einen direkten Anschluss des Baden-Airports an die A5 bis 2012 für nötig und bietet dafür dem Bund Finanzierungshilfen oder eine Vorfinanzierung an.
Von Jörg Nauke
Seit Mittwoch sind die Erweiterungspläne der Flughafen-Geschäftsführer Georg Fundel und Walter Schoefer Makulatur. Als Vertreter des Landes, das Hauptgesellschafter der Flughafengesellschaft (FSG) ist, hat Ministerpräsident Günther Oettinger das Aus für den Bau einer zweiten Start-und-Lande-Bahn verkündet und der Vorverlegung des Betriebsbeginns von sechs auf fünf Uhr eine Absage erteilt. Die Entscheidung sei nach "intensiver fachlicher und technischer Bewertung und unter Abwägung von Kosten und Nutzen gefallen". Ungeachtet dessen soll binnen zwei Jahren das Planfeststellungsverfahren für die Westerweiterung erfolgen. Damit würde Platz für bis zu 25 zusätzliche Parkpositionen sowie Gewerbeflächen geschaffen.
Die Einschränkung: Anders als sein Vorgänger Erwin Teufel, der versprochen hatte, nach der Messe sei Schluss mit weiteren Großprojekten auf den Fildern, hält sich Oettinger ein Hintertürchen offen. Er sagte, sowohl die zweite Bahn als auch die früheren Starts seien "auf die für uns absehbare und von uns zu verantwortende Zeit nicht zwingend erforderlich". In einem Interview wurde er wenig später konkreter: Er meine damit einen Zeitraum zwischen acht und 15 Jahren.
Die Veredlung: Laut Oettinger ist der Flughafen derzeit zu rund zwei Dritteln ausgelastet. Würden alle Slots genutzt - es sind vor allem jene frühmorgens und abends gefragt -, könnten 14 bis 15 Millionen Passagiere abgefertigt werden; derzeit sind es zehn Millionen pro Jahr. Der Landesregierung schwebt vor, in den Stoßzeiten mehr "wirtschaftlich sinnvolle Flüge" stattfinden zu lassen. Der Geschäftsverkehr soll Vorrang vor Tourismusverkehr erhalten. Durch höhere Flughafengebühren "die Spreu vom Weizen" zu trennen, lautet Oettingers Maxime.
Der Frühstart: Die Piloten lassen sich morgens viel Zeit. Zwar sind Starts von sechs Uhr an genehmigt, tatsächlich hebe die erste Maschine erst zehn bis 15 Minuten später ab, sagte der Ministerpräsident. Würden die Flugzeuge bereits von 5.50 Uhr an auf die Piste rollen, gewinne man sechs bis sieben Starts in der attraktiven ersten Stunde. Für die Gegner ist das die erste Scheibe der Salamitaktik, die Nachtflugbeschränkung weiter auszuhöhlen.
Die Interkontinentalisierung: Von Stuttgart fliegt man zwar schon nach Amerika (Atlanta) und Afrika (Hurghada), doch Oettinger will mehr. Er setzt sich dafür ein, dass Stuttgart "verstärkt ein Interkontinentalflughafen" wird mit täglichen Verbindungen in den Mittleren Osten, Asien, Nord- und Südamerika. Heute fehlen dafür teilweise die Landerechte oder die Nachfrage. Flughafenchef Fundel hatte unlängst gesagt, um für chinesische Airlines interessant zu sein, bedürfe es einer "kritischen Größe" von 15 Millionen Passagieren. Im Planfeststellungsbeschluss für die Erweiterung der Startbahn in den 90er Jahren ist allerdingsder Status eines "europäischen Mittelstreckenflughafens" zementiert. Für die "weltweite Erreichbarkeit" reiche die Kapazität des Flughafens aus, sagt Oettinger. Diese Passagiere könnten auch tagsüber landen.
Die Ergänzung: "Wir wollen, dass sich der Steigflug am Baden-Airport fortsetzt", sagte der Ministerpräsident. Wenn dort das Angebot ausgebaut und die Anbindung verbessert würde, wären Baden-Württemberger bereit, den Flughafen in Söllingen bei Baden-Baden verstärkt zu nutzen. Innerhalb von zwölf Jahren könne dort das Passagieraufkommen von einer auf zwei Millionen gesteigert werden - dies entspricht dem bisherigen jährlichen Wachstum des Flughafens Stuttgart. Oettinger hält einen direkten Anschluss des Baden-Airports an die A5 bis 2012 für nötig und bietet dafür dem Bund Finanzierungshilfen oder eine Vorfinanzierung an.
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