Models auf der "Fashion Week"
Schick, streng und immer noch sehr dünn
Birgit Loff, veröffentlicht am 17.07.2008
Berlin - Mit viel Prominenz hat am Donnerstag in Berlin die "Fashion Week" begonnen. Ob man in der deutschen Modehauptstadt am verbreiteten Idealbild superschlanker Modells rütteln wird, ist fraglich.
Von Birgit Loff
Erst vor vier Jahren ist Eva Padberg von Erfurt an die Spree gezogen. Verliebt in Berlin und seine Mode zeigt sich das Topmodel zur Begrüßung, beim Beginn der "Fashion Week". Nicht nur an dem lebhaft gemusterten Seidenkleid mit etwas Ballonlook scheint es zu liegen, dass sie schlank, aber fröhlich-freundlich und alles andere als hager wirkt.
Wie sieht es aus in der Praxis, nach dem Appell von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), sich doch bitte endlich vom Leitbild - oder besser Leidbild - der superschlanken Models zu verabschieden? Viele der jungen Frauen, die zum Auftakt über den Laufsteg im weißen Zelt auf dem August-Bebel-Platz schreiten, sehen jedenfalls nicht so aus, als hätten sie den neuerdings propagierten Bodymassindex von mindestens 18,5 schon erreicht.
Schick, aber teilweise streng
Schick und streng kommen die Models daher in viel Schwarz und etwas weniger Gelb, in Satin und Leinen, mit glänzenden Kombinationen aus Mantel und Rock oder Mantel und Hose. Allzu gerne würde man einigen einen dreiwöchigen Gourmeturlaub in Frankreich nahe legen. Als Höhepunkt der Schau erscheint ein Model im langen weiten schwarzen Kleid mit Spitze, gehüllt in ein wallendes Cape, im Arm einen Strauß weißer Calla. Zuschauer fühlen sich an eine religiöse Zeremonie erinnert - oder einen Trauerfall.
Nicht überall geht es düster und ernst zu, da sind die wagemutigen jungen Designer und auch die große alte Dame Vivienne Westwood, die am Sonntagabend ihren Auftritt haben wird. Schmale Schnitte aber werden bleiben. Damit die edlen Stoffe noch ein wenig Spiel zum Körper haben und besser fallen, werden magere Models bis auf Weiteres begehrt sein. Noch etwas mehr Beharrungsvermögen dürften zahlreiche spindeldürren Schaufensterpuppen beweisen, die in den Schaufenstern der Berliner City gerade ebenfalls noble neue Entwürfe präsentieren.
Der Traum von der Modemetropole
Längst hat Mode wieder "wirtschaftliche Relevanz" für Berlin, sagte der Wirtschaftssenator Harald Wolf von den Linken. Sie "ist Experiment, spiegelt Zeitgeschichte und ignoriert Konvention". Selbst allerdings erscheint er ganz konventionell in dunklem Zwirn, mit grau-rot gestreifter Krawatte. Einst war der Hausvogteiplatz international bekannt für seine Modeateliers, jetzt will Berlin, so Wolf, als aufstrebende europäische Modemetropole wieder ein bisschen mithalten mit den Zentren Paris, New York und Mailand.
Diesmal stehen bis Sonntag 26 Modenschauen auf dem Programm, und immerhin neun Modeschulen in der Stadt lassen auch für kommende "Fashion Weeks" begabten Nachwuchs erwarten. Dazu hat vor nicht allzu langer Zeit auch die Designerin Zerlina von der Bussche gezählt. Nun bedankt sich die Chefin des Labels Sisi Wasabi bei Mercedes Benz, dem Hauptsponsor der Schau: Ohne ein solches Sprungbrett wäre so schnell nicht zu hoffen gewesen auf ein Eintauchen ins internationale Geschäft. Seit mehr als zehn Jahren engagieren sich die Stuttgarter für Modepräsentationen in aller Welt, wobei gerade Neulinge eine Chance haben sollen.
Kleine Geschäfte, Kaufhäuser oder Autohäuser ziehen mit und sogar ein Museum wie das Deutsche Guggenheim Berlin. Es zeigt im Museumsshop eine Kollektion von Schmuckentwürfen, darunter eine Kette aus Erdnüssen, noch in der Schale. In unregelmäßigem Abstand sind sie eingestrickt in eine Schlange aus feinen Maschen, die sich mehrfach um den Hals legen lässt. Gleich gegenüber auf dem August-Bebel-Platz kommt die Mode schlicht, aber vergeistigt daher. Dort verkauft ein kleiner Laden in der Humboldt-Universität T-Shirts für 15 Euro mit dem Slogan "Wilhelm & Alexander & Ich" und gibt Studenten das gute Gefühl, mit den Gebrüdern Humboldt in bester Gesellschaft zu sein.
Von Birgit Loff
Erst vor vier Jahren ist Eva Padberg von Erfurt an die Spree gezogen. Verliebt in Berlin und seine Mode zeigt sich das Topmodel zur Begrüßung, beim Beginn der "Fashion Week". Nicht nur an dem lebhaft gemusterten Seidenkleid mit etwas Ballonlook scheint es zu liegen, dass sie schlank, aber fröhlich-freundlich und alles andere als hager wirkt.
Wie sieht es aus in der Praxis, nach dem Appell von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), sich doch bitte endlich vom Leitbild - oder besser Leidbild - der superschlanken Models zu verabschieden? Viele der jungen Frauen, die zum Auftakt über den Laufsteg im weißen Zelt auf dem August-Bebel-Platz schreiten, sehen jedenfalls nicht so aus, als hätten sie den neuerdings propagierten Bodymassindex von mindestens 18,5 schon erreicht.
Schick, aber teilweise streng
Schick und streng kommen die Models daher in viel Schwarz und etwas weniger Gelb, in Satin und Leinen, mit glänzenden Kombinationen aus Mantel und Rock oder Mantel und Hose. Allzu gerne würde man einigen einen dreiwöchigen Gourmeturlaub in Frankreich nahe legen. Als Höhepunkt der Schau erscheint ein Model im langen weiten schwarzen Kleid mit Spitze, gehüllt in ein wallendes Cape, im Arm einen Strauß weißer Calla. Zuschauer fühlen sich an eine religiöse Zeremonie erinnert - oder einen Trauerfall.
Nicht überall geht es düster und ernst zu, da sind die wagemutigen jungen Designer und auch die große alte Dame Vivienne Westwood, die am Sonntagabend ihren Auftritt haben wird. Schmale Schnitte aber werden bleiben. Damit die edlen Stoffe noch ein wenig Spiel zum Körper haben und besser fallen, werden magere Models bis auf Weiteres begehrt sein. Noch etwas mehr Beharrungsvermögen dürften zahlreiche spindeldürren Schaufensterpuppen beweisen, die in den Schaufenstern der Berliner City gerade ebenfalls noble neue Entwürfe präsentieren.
Der Traum von der Modemetropole
Längst hat Mode wieder "wirtschaftliche Relevanz" für Berlin, sagte der Wirtschaftssenator Harald Wolf von den Linken. Sie "ist Experiment, spiegelt Zeitgeschichte und ignoriert Konvention". Selbst allerdings erscheint er ganz konventionell in dunklem Zwirn, mit grau-rot gestreifter Krawatte. Einst war der Hausvogteiplatz international bekannt für seine Modeateliers, jetzt will Berlin, so Wolf, als aufstrebende europäische Modemetropole wieder ein bisschen mithalten mit den Zentren Paris, New York und Mailand.
Diesmal stehen bis Sonntag 26 Modenschauen auf dem Programm, und immerhin neun Modeschulen in der Stadt lassen auch für kommende "Fashion Weeks" begabten Nachwuchs erwarten. Dazu hat vor nicht allzu langer Zeit auch die Designerin Zerlina von der Bussche gezählt. Nun bedankt sich die Chefin des Labels Sisi Wasabi bei Mercedes Benz, dem Hauptsponsor der Schau: Ohne ein solches Sprungbrett wäre so schnell nicht zu hoffen gewesen auf ein Eintauchen ins internationale Geschäft. Seit mehr als zehn Jahren engagieren sich die Stuttgarter für Modepräsentationen in aller Welt, wobei gerade Neulinge eine Chance haben sollen.
Kleine Geschäfte, Kaufhäuser oder Autohäuser ziehen mit und sogar ein Museum wie das Deutsche Guggenheim Berlin. Es zeigt im Museumsshop eine Kollektion von Schmuckentwürfen, darunter eine Kette aus Erdnüssen, noch in der Schale. In unregelmäßigem Abstand sind sie eingestrickt in eine Schlange aus feinen Maschen, die sich mehrfach um den Hals legen lässt. Gleich gegenüber auf dem August-Bebel-Platz kommt die Mode schlicht, aber vergeistigt daher. Dort verkauft ein kleiner Laden in der Humboldt-Universität T-Shirts für 15 Euro mit dem Slogan "Wilhelm & Alexander & Ich" und gibt Studenten das gute Gefühl, mit den Gebrüdern Humboldt in bester Gesellschaft zu sein.
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