Gefängniscontainer fehlen
Keine Spiele im Gazi-Stadion
Jörg Nauke, veröffentlicht am 20.07.2008
Stuttgart - Am vergangenen Freitag hat der Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum in einer Pressemitteilung den Umstand, dass die Spielstätte seiner Elf modernisiert wird, als "wichtiges Signal" gelobt. "Nun kann auch künftig Fußball im Gazi-Stadion gespielt werden", freute sich Eichelbaum. Da wusste er aber noch nicht, dass seine Einschätzung für die ersten Spiele in der neuen Liga nicht gelten wird. Mittlerweile ist die Freude des Präsidenten in blankes Entsetzen umgeschlagen.
Von Jörg Nauke
Und auch sein Kollege vom VfB Stuttgart, Erwin Staudt, ist sauer. Denn die Clubchefs haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Sicherheitsorgane in der Landeshauptstadt vorerst den Spielbetrieb im Gazi-Stadion untersagen wollen. Betroffen wären das Auftaktspiel der VfB-Amateure am kommenden Wochenende gegen Kickers Offenbach, das erste Spiel der Kickers gegen Fortuna Düsseldorf (2. August) und eventuell auch das zweite VfB-Heimspiel gegen den Wuppertaler SV (16. August).
Am Montag soll es noch einmal ein Gespräch geben; die Hoffnung, dass sich etwas ändert, ist jedoch gering. Beiden Vereinen bleibt nach Ansicht der Stadt keine andere Wahl, als die Spiele im Daimlerstadion auszutragen, wo das Erstligateam des VfB am 23. August zum ersten Punktspiel antritt. Das Rückspiel im UI-Cup findet allerdings schon am kommenden Sonntag statt, einen Tag nach dem Auftakt der VfB-Amateure. Das macht deutlich: es wird eng im Daimlerstadion.
Schwerwiegender als die Belastung des Rasens ist der organisatorische Aufwand eines kurzfristigen Umzugs. So haben die Kickers bereits Hunderte von Tickets nach Düsseldorf verkauft; auch können die Ansprüche des Inhabers des Namensrechts und Kickers-Werbepartners Garcia tangiert sein. Außerdem hieß es, dass die Kickers Probleme mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bekommen könnten, weil sie - anders als der VfB - in ihrem Lizenzantrag keine Alternativspielstätte angegeben hätten.
Die Polizei begründet die Sperrung damit, dass die sicherheitstechnischen Anforderungen ans Stadion für den Spielbetrieb in der dritten Fußball-Bundesliga nicht erfüllt seien. Die vorgeschriebenen Arrestzellen für Fußballrowdys könnten nicht rechtzeitig bis Saisonbeginn eingerichtet werden. Verantwortlich dafür ist nach Aussage der Stuttgarter Sportbürgermeisterin Susann Eisenmann (CDU) die österreichische Lieferfirma, die zwar längst den Auftrag für provisorische Containerzellen erhalten habe, aber ihre Lieferzusage nicht einhalten könne.
Eisenmann erklärte auf Anfrage, es sei peinlich, aber das Unternehmen habe die Stadt auf Mitte August vertröstet. Der Liefervertrag sehe eine Strafe von fünf Prozent des Auftragsvolumens vor. Der Versuch des Ordnungsamts, anderswo Spezialcontainer aufzutreiben, wie sie beispielsweise bei Gefängnisrenovierungen als Interimslösungen verwendet würden, sei fehlgeschlagen. Die sicherheitstechnischen Anforderungen sind jetzt wesentlich schärfer als in der Regionalliga, wo die Kickers und die VfB-Amateure in den vergangenen Jahren gespielt haben, ohne dass es zu größeren Schlägereien von Fußballanhängern gekommen wäre.
In der dritten Liga geht es aber nicht so gesittet zu, denn dort spielen einige Mannschaften, deren Fans ein erhöhtes Gewaltpotenzial haben. Dazu gehören auch verschiedene Teams aus den neuen Bundesländern. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat deshalb strenge Vorgaben gemacht. Unter anderem muss jedes Stadion eine Polizeiwache haben. Die Stadt Stuttgart hat für diese Saison eine Ausnahmegenehmigung erhalten, weil die Wache im Zuge der am Freitag beschlossenen Umbaumaßnahmen erst noch gebaut werden muss. Die Einsatzkräfte schieben also vorerst in Containern Dienst.
Voraussetzung für den Spielbetrieb, so betonte Polizeisprecher Stefan Keilbach gestern, sei aber auch bei dieser Interimslösung die Gewährleistung von Minimalanforderungen für die Sicherheit. Dies sei ohne Verwahrzellen unmöglich. Es reiche auch nicht, Fenster von Baucontainern zu vergittern oder Randalierer stundenlang in Fahrzeugen für den Gefangenentransport festzusetzen. Die Verwahrzellen müssten so gefertigt sein, dass sich darin niemand verletzen könne. Ein etwaiger Pendelverkehr zu den Hafteinrichtungen auf dem Pragsattel sei viel zu aufwendig, so Keilbach. Und gegen manchen gut gemeinten Vorschlag eines verzweifelten Clubpräsidenten spreche auch die Menschenrechtskonvention.
Von Jörg Nauke
Und auch sein Kollege vom VfB Stuttgart, Erwin Staudt, ist sauer. Denn die Clubchefs haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Sicherheitsorgane in der Landeshauptstadt vorerst den Spielbetrieb im Gazi-Stadion untersagen wollen. Betroffen wären das Auftaktspiel der VfB-Amateure am kommenden Wochenende gegen Kickers Offenbach, das erste Spiel der Kickers gegen Fortuna Düsseldorf (2. August) und eventuell auch das zweite VfB-Heimspiel gegen den Wuppertaler SV (16. August).
Am Montag soll es noch einmal ein Gespräch geben; die Hoffnung, dass sich etwas ändert, ist jedoch gering. Beiden Vereinen bleibt nach Ansicht der Stadt keine andere Wahl, als die Spiele im Daimlerstadion auszutragen, wo das Erstligateam des VfB am 23. August zum ersten Punktspiel antritt. Das Rückspiel im UI-Cup findet allerdings schon am kommenden Sonntag statt, einen Tag nach dem Auftakt der VfB-Amateure. Das macht deutlich: es wird eng im Daimlerstadion.
Schwerwiegender als die Belastung des Rasens ist der organisatorische Aufwand eines kurzfristigen Umzugs. So haben die Kickers bereits Hunderte von Tickets nach Düsseldorf verkauft; auch können die Ansprüche des Inhabers des Namensrechts und Kickers-Werbepartners Garcia tangiert sein. Außerdem hieß es, dass die Kickers Probleme mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bekommen könnten, weil sie - anders als der VfB - in ihrem Lizenzantrag keine Alternativspielstätte angegeben hätten.
Die Polizei begründet die Sperrung damit, dass die sicherheitstechnischen Anforderungen ans Stadion für den Spielbetrieb in der dritten Fußball-Bundesliga nicht erfüllt seien. Die vorgeschriebenen Arrestzellen für Fußballrowdys könnten nicht rechtzeitig bis Saisonbeginn eingerichtet werden. Verantwortlich dafür ist nach Aussage der Stuttgarter Sportbürgermeisterin Susann Eisenmann (CDU) die österreichische Lieferfirma, die zwar längst den Auftrag für provisorische Containerzellen erhalten habe, aber ihre Lieferzusage nicht einhalten könne.
Eisenmann erklärte auf Anfrage, es sei peinlich, aber das Unternehmen habe die Stadt auf Mitte August vertröstet. Der Liefervertrag sehe eine Strafe von fünf Prozent des Auftragsvolumens vor. Der Versuch des Ordnungsamts, anderswo Spezialcontainer aufzutreiben, wie sie beispielsweise bei Gefängnisrenovierungen als Interimslösungen verwendet würden, sei fehlgeschlagen. Die sicherheitstechnischen Anforderungen sind jetzt wesentlich schärfer als in der Regionalliga, wo die Kickers und die VfB-Amateure in den vergangenen Jahren gespielt haben, ohne dass es zu größeren Schlägereien von Fußballanhängern gekommen wäre.
In der dritten Liga geht es aber nicht so gesittet zu, denn dort spielen einige Mannschaften, deren Fans ein erhöhtes Gewaltpotenzial haben. Dazu gehören auch verschiedene Teams aus den neuen Bundesländern. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat deshalb strenge Vorgaben gemacht. Unter anderem muss jedes Stadion eine Polizeiwache haben. Die Stadt Stuttgart hat für diese Saison eine Ausnahmegenehmigung erhalten, weil die Wache im Zuge der am Freitag beschlossenen Umbaumaßnahmen erst noch gebaut werden muss. Die Einsatzkräfte schieben also vorerst in Containern Dienst.
Voraussetzung für den Spielbetrieb, so betonte Polizeisprecher Stefan Keilbach gestern, sei aber auch bei dieser Interimslösung die Gewährleistung von Minimalanforderungen für die Sicherheit. Dies sei ohne Verwahrzellen unmöglich. Es reiche auch nicht, Fenster von Baucontainern zu vergittern oder Randalierer stundenlang in Fahrzeugen für den Gefangenentransport festzusetzen. Die Verwahrzellen müssten so gefertigt sein, dass sich darin niemand verletzen könne. Ein etwaiger Pendelverkehr zu den Hafteinrichtungen auf dem Pragsattel sei viel zu aufwendig, so Keilbach. Und gegen manchen gut gemeinten Vorschlag eines verzweifelten Clubpräsidenten spreche auch die Menschenrechtskonvention.
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