StudiVZ und Facebook
Web 2.0: Harter Kampf um Nutzer im Netz
Bettina Langer , veröffentlicht am 22.07.2008
Stuttgart - Die Betreiber der Onlinenetzwerke Facebook und StudiVZ kämpfen mit harten Bandagen um die Vormachtstellung im Internet. Ein funktionierendes Geschäftsmodell, das nennenswert Umsatz und Gewinn bringt, haben bisher aber beide noch nicht gefunden.
Von Bettina Langer
Der Konkurrenzkampf geht in die nächste Runde. Am Wochenende ließen die Betreiber des Onlinenetzwerks Facebook über Medien verlauten: Man habe in den USA Klage gegen StudiVZ eingereicht. Das Tochterunternehmen des Stuttgarter Holtzbrinck-Konzerns habe bei seinem sozialen Netzwerk Aufmachung, Service und Funktionen von Facebook kopiert und damit geistiges Eigentum missbraucht, heißt es in der 116-seitigen Anklageschrift. Ein Sprecher von StudiVZ betonte daraufhin: Die Vorwürfe seien haltlos. Man habe eine Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart eingereicht (Aktenzeichen: 17O423/08). Deutsche Gerichte sollen auf diesem Weg feststellen, dass die erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend sind.
Kleine Unterschiede in der Optik
Fakt ist: Bei Facebook und StudiVZ (Studentenverzeichnis) handelt es sich um soziale Netzwerke im Internet, die sich ziemlich ähnlich sind. Auf beiden Internetseiten können Nutzer ihr Profil erstellen, nach anderen Studenten oder alten Bekannten suchen, Fotos oder Videos hochladen, sich Online-Gruppen anschließen und gegenseitig Nachrichten auf der persönlichen Pinnwand hinterlassen. Der wesentliche optische Unterschied: Die Facebook-Seiten sind in blau, die von StudiVZ in rot gehalten.
Facebook, im Februar 2004 ursprünglich für die Studenten der US-Universität Harvard entwickelt, ist das ältere der beiden Unternehmen. Nach Zahlen des Marktforschers Nielsen Online hat das Netzwerk allein in den Vereinigten Staaten 22,5 Millionen Nutzer, weltweit sind es rund dreimal so viel. Mancher Auslandsmarkt wurde aber lange vernachlässigt. In Deutschland ist der Branchenriese erst im Frühjahr 2008 gestartet.
Facebook hat in Deutschland nur knapp eine Million Mitglieder
Zu dem Zeitpunkt war StudiVZ hierzulande längst etabliert. Das im Herbst 2005 gegründete und gut ein Jahr später von Holtzbrinck gekaufte Netzwerk hat nach Nielsen-Angaben hierzulande 3,5 Millionen Nutzer. Nach StudiVZ-Angaben sind es inklusive der Plattformen SchülerVZ und MeinVZ mehr als zehn Millionen. Facebook kommt in Deutschland dagegen nur auf insgesamt knapp eine Million Mitglieder.
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen bewertet StudiVZ auch die jetzt eingereichte Klage des Konkurrenten als Störmanöver. "Nachdem es Facebook trotz aufwendiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offensichtlich den Erfolg von StudiVZ gerichtlich zu behindern", teilte Marcus Riecke, der Chef von StudiVZ, mit. Facebook erhebe den Anspruch auf ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken. Doch dies sei schlicht vermessen.
Tatsächlich zählt für den Erfolg bei sozialen Netzwerken - wie so oft im Internet - die Zahl der Nutzer. Je größer die Chance ist, auf einer Webseite Freunde, Mitstudenten oder Geschäftskontakte zu finden, desto attraktiver ist die Seite. "Dieser Netzwerkeffekt ist extrem wichtig", sagt der Ökonom Stefan Kooths vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Auch die Wechselbereitschaft sei bei sozialen Netzwerken geringer ausgeprägt als bei anderen Online-Diensten. Schließlich müssten alle Freunde und Bekannte auf einmal mit umziehen, um weiterhin gemeinsam Funktionen nutzen zu können. Dennoch sind Marktpositionen in diesen Märkte nicht unangreifbar, sagt Kooths. Im Internet sei ein Wechsel, anders als in der realen Wirtschaftswelt, schließlich mit ein paar Klicks erledigt.
Noch keine nennenswerte Gewinne
Entsprechend hart kämpfen die Firmen um jedes neue Mitglied - obwohl mit den sozialen Netzwerken bisher kaum jemand nennenswert Umsatz oder Gewinn macht. Nutzer bei StudiVZ, Facebook, bei Myspace oder auch beim Business-Netzwerk Xing geben oft viele private Details von sich preis. Wenn der Betreiber weiß, wer gerne Golf spielt, Madonna hört oder Mangas liest - so die Idee - kann er die Nutzer auch zielgenauer und effektiver mit Werbebotschaften beglücken. Die Hoffnungen auf hohe Einnahmen im sogenannten Web 2.0 haben sich aber bisher nicht erfüllt. Die bisherigen Methoden der Onlinewerbung funktionieren dort offenbar nicht. Auch gibt es bisher nur wenige Nutzer, die bereit sind, für Premium-Dienste in den Netzwerken monatlich extra Geld zu bezahlen.
Google-Chef Eric Schmidt hat kürzlich in einem Interview betont: die Web-2.0-Architektur sei grundsätzlich nicht für Umsatz ausgelegt. Kooths vom DIW ergänzt etwas optimistischer: Noch fehle ein funktionierendes Geschäftsmodell. "Die Investitionen der Firmen sind Wetten auf die Zukunft."
Von Bettina Langer
Der Konkurrenzkampf geht in die nächste Runde. Am Wochenende ließen die Betreiber des Onlinenetzwerks Facebook über Medien verlauten: Man habe in den USA Klage gegen StudiVZ eingereicht. Das Tochterunternehmen des Stuttgarter Holtzbrinck-Konzerns habe bei seinem sozialen Netzwerk Aufmachung, Service und Funktionen von Facebook kopiert und damit geistiges Eigentum missbraucht, heißt es in der 116-seitigen Anklageschrift. Ein Sprecher von StudiVZ betonte daraufhin: Die Vorwürfe seien haltlos. Man habe eine Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart eingereicht (Aktenzeichen: 17O423/08). Deutsche Gerichte sollen auf diesem Weg feststellen, dass die erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend sind.
Kleine Unterschiede in der Optik
Fakt ist: Bei Facebook und StudiVZ (Studentenverzeichnis) handelt es sich um soziale Netzwerke im Internet, die sich ziemlich ähnlich sind. Auf beiden Internetseiten können Nutzer ihr Profil erstellen, nach anderen Studenten oder alten Bekannten suchen, Fotos oder Videos hochladen, sich Online-Gruppen anschließen und gegenseitig Nachrichten auf der persönlichen Pinnwand hinterlassen. Der wesentliche optische Unterschied: Die Facebook-Seiten sind in blau, die von StudiVZ in rot gehalten.
Facebook, im Februar 2004 ursprünglich für die Studenten der US-Universität Harvard entwickelt, ist das ältere der beiden Unternehmen. Nach Zahlen des Marktforschers Nielsen Online hat das Netzwerk allein in den Vereinigten Staaten 22,5 Millionen Nutzer, weltweit sind es rund dreimal so viel. Mancher Auslandsmarkt wurde aber lange vernachlässigt. In Deutschland ist der Branchenriese erst im Frühjahr 2008 gestartet.
Facebook hat in Deutschland nur knapp eine Million Mitglieder
Zu dem Zeitpunkt war StudiVZ hierzulande längst etabliert. Das im Herbst 2005 gegründete und gut ein Jahr später von Holtzbrinck gekaufte Netzwerk hat nach Nielsen-Angaben hierzulande 3,5 Millionen Nutzer. Nach StudiVZ-Angaben sind es inklusive der Plattformen SchülerVZ und MeinVZ mehr als zehn Millionen. Facebook kommt in Deutschland dagegen nur auf insgesamt knapp eine Million Mitglieder.
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen bewertet StudiVZ auch die jetzt eingereichte Klage des Konkurrenten als Störmanöver. "Nachdem es Facebook trotz aufwendiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offensichtlich den Erfolg von StudiVZ gerichtlich zu behindern", teilte Marcus Riecke, der Chef von StudiVZ, mit. Facebook erhebe den Anspruch auf ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken. Doch dies sei schlicht vermessen.
Tatsächlich zählt für den Erfolg bei sozialen Netzwerken - wie so oft im Internet - die Zahl der Nutzer. Je größer die Chance ist, auf einer Webseite Freunde, Mitstudenten oder Geschäftskontakte zu finden, desto attraktiver ist die Seite. "Dieser Netzwerkeffekt ist extrem wichtig", sagt der Ökonom Stefan Kooths vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Auch die Wechselbereitschaft sei bei sozialen Netzwerken geringer ausgeprägt als bei anderen Online-Diensten. Schließlich müssten alle Freunde und Bekannte auf einmal mit umziehen, um weiterhin gemeinsam Funktionen nutzen zu können. Dennoch sind Marktpositionen in diesen Märkte nicht unangreifbar, sagt Kooths. Im Internet sei ein Wechsel, anders als in der realen Wirtschaftswelt, schließlich mit ein paar Klicks erledigt.
Noch keine nennenswerte Gewinne
Entsprechend hart kämpfen die Firmen um jedes neue Mitglied - obwohl mit den sozialen Netzwerken bisher kaum jemand nennenswert Umsatz oder Gewinn macht. Nutzer bei StudiVZ, Facebook, bei Myspace oder auch beim Business-Netzwerk Xing geben oft viele private Details von sich preis. Wenn der Betreiber weiß, wer gerne Golf spielt, Madonna hört oder Mangas liest - so die Idee - kann er die Nutzer auch zielgenauer und effektiver mit Werbebotschaften beglücken. Die Hoffnungen auf hohe Einnahmen im sogenannten Web 2.0 haben sich aber bisher nicht erfüllt. Die bisherigen Methoden der Onlinewerbung funktionieren dort offenbar nicht. Auch gibt es bisher nur wenige Nutzer, die bereit sind, für Premium-Dienste in den Netzwerken monatlich extra Geld zu bezahlen.
Google-Chef Eric Schmidt hat kürzlich in einem Interview betont: die Web-2.0-Architektur sei grundsätzlich nicht für Umsatz ausgelegt. Kooths vom DIW ergänzt etwas optimistischer: Noch fehle ein funktionierendes Geschäftsmodell. "Die Investitionen der Firmen sind Wetten auf die Zukunft."
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