Akte X - Jenseits der Wahrheit
Dunkel ist's und bitterkalt
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 24.07.2008
Filmbeschreibung
Fünfzehn Jahre nach dem Start der Fernsehserie und zehn Jahre nach "Akte X: Der Film" folgt nun der zweite Ausflug des TV-Formats auf die Leinwand: "Akte X - Jenseits der Wahrheit". Und diesmal sind daran weder die Außerirdischen noch irgendwelche im Geheimen operierenden Regierungsstellen schuld. Im Presseheft erklärt der Serienerfinder Chris Carter, der hier als Drehbuchautor und Regisseur fungiert, mit bemerkenswert rationalen Worten: "Ich war erstaunt zu hören, dass viele Kids von heute die Serie gar nicht mehr kennen. Ein heute Zwanzigjähriger war viel zu jung für diese Art Serie, als sie vor fünfzehn Jahren anlief. Es gibt also Tausende potenzielle neue ,Akte X'-Fans. Unser Film sollte sie auf den Geschmack bringen - und die alten zufriedenstellen."
Deshalb hat sich der neue Film viel weiter von der Fernsehserie entfernt, baut anders als der Vorgänger im Kino viel weniger auf das (Vor-)Wissen von Eingeweihten, sondern erzählt eine weitgehend autonome Geschichte, die auch Neueinsteiger nicht abschreckt. Natürlich wäre es unverzeihlich, bei einem Mysterythriller wie "Akte X - Jenseits der Wahrheit" entscheidende Wendungen der Handlung zu verraten, andererseits soll hier ja ein Text entstehen, der nicht automatisch zum Teil der Werbekampagne des Films wird. Sagen wir also zunächst so viel: der Exagent Moulder (David Duchovny) und die Exagentin Scully (Gillian Anderson) haben sich auch im Film schon längere Zeit nicht mehr gesehen, als sie vom wie stets ratlosen FBI in einem mysteriösen Fall zu Rate gezogen werden.
In der winterlichen Abgeschiedenheit der Provinz verschwinden Frauen, darunter eine FBI-Agentin. Ein Priester, der offenbar über seherische Fähigkeiten verfügt, kann zwar weiterhelfen, doch Moulder und Scully sollen die Seriosität des vorbestraften Päderasten unter die Lupe nehmen. Was der rationalen Scully, die mittlerweile als Ärztin auf der Kinderstation eines katholischen Krankenhauses mit ihrem Gewissen, ihrem Glauben, ihren klerikalen Vorgesetzten und letztlich mit Gott hadert, deutlich schwerer fällt als dem zum Paranormalen neigenden Moulder.
Der Film entwickelt sein mehr oder weniger spannendes Handlungsgeflecht im Hier und Jetzt, es gibt keine bedeutungsvollen Rückblenden, die die Beziehungen zwischen den Protagonisten aufladen. Fans der alten Serie werden sich trotzdem zu Hause fühlen, denn die Erzählstrategien und die Ästhetik vertrauen auf Bekanntes. Kalt ist es, dunkel auch - und die Kamera zeigt vieles nur in Nah- und Halbnahaufnahmen, so dass rasch der Blick aufs Große und Ganze verloren geht. Dazu kommt der über Gebühr häufige Einsatz der manipulativen Parallelmontage, die unterschiedliche Handlungsstränge geradezu dramatisch engführt, um dann doch im entscheidenden Moment zum Mittel einer überraschenden Auflösung zu greifen. Das hat im Fernsehen, zumal im Verbund mit Werbeunterbrechungen, immer ganz gut funktioniert, im Kino wirkt diese Technik seit dem "Schweigen der Lämmer" nicht mehr. Wie überhaupt Moulders und Scullys neuer Fall eher unspektakulär ausgefallen ist, denn das Verschwinden der Frauen findet eine zwar makabre, letztlich aber keineswegs mysteriöse Auflösung.
So bietet "Akte X - Jenseits der Wahrheit" dem Neueinsteiger grundsolide Unterhaltung, die sogar eine höchst einprägsame Nebenrolle für Billy Connolly ("Lemony Snicket"; "Last Samurai") bereithält. Doch den ganzen Spaß bietet der anspielungsreiche Film natürlich nur den alten Fans, wenn etwa gezeigt wird, dass der vom FBI geschasste Moulder nach alter Väter Sitte eine Einsiedlerexistenz in den Wäldern gewählt hat, wo er als vollbärtige Mischung aus dem Schriftsteller Henry David Thoreau ("Walden") und dem Una-Bomber Ted Kaczynski seinen versponnenen Theorien nachhängt.
Dass "Akte X" mittlerweile mit ganz irdischen Problemen befasst ist, wird deutlich, wenn man den Untertitel des Films betrachtet: "Jenseits der Wahrheit" klingt wenig geheimnisvoll, im Original heißt es sinnigerweise "I want to believe", also "Ich will glauben" - ein Satz, der zunächst auf Moulder gemünzt zu sein scheint. Im Verlauf des Films aber wird klar, dass der ganze Umfang dieses Ansinnens viel mehr mit Scully als mit Moulder zu tun hat. Denn es ist Scully, die in ihrer Funktion als Ärztin und Ermittlerin gleich mehrfach mit dem klerikalen Umgang mit der Wahrheit konfrontiert wird und die sich auch einigen unbequemen Wahrheiten stellen muss. Dazu gehört wohl auch die unangenehme Einsicht ins eigene Altern - und vielleicht auch das Wissen, dass der trendsettende Sog, der von "Akte X" im Fernsehen ausging, fürs Kino auf diese Weise jedenfalls nicht wiederholbar ist.
Deshalb hat sich der neue Film viel weiter von der Fernsehserie entfernt, baut anders als der Vorgänger im Kino viel weniger auf das (Vor-)Wissen von Eingeweihten, sondern erzählt eine weitgehend autonome Geschichte, die auch Neueinsteiger nicht abschreckt. Natürlich wäre es unverzeihlich, bei einem Mysterythriller wie "Akte X - Jenseits der Wahrheit" entscheidende Wendungen der Handlung zu verraten, andererseits soll hier ja ein Text entstehen, der nicht automatisch zum Teil der Werbekampagne des Films wird. Sagen wir also zunächst so viel: der Exagent Moulder (David Duchovny) und die Exagentin Scully (Gillian Anderson) haben sich auch im Film schon längere Zeit nicht mehr gesehen, als sie vom wie stets ratlosen FBI in einem mysteriösen Fall zu Rate gezogen werden.
In der winterlichen Abgeschiedenheit der Provinz verschwinden Frauen, darunter eine FBI-Agentin. Ein Priester, der offenbar über seherische Fähigkeiten verfügt, kann zwar weiterhelfen, doch Moulder und Scully sollen die Seriosität des vorbestraften Päderasten unter die Lupe nehmen. Was der rationalen Scully, die mittlerweile als Ärztin auf der Kinderstation eines katholischen Krankenhauses mit ihrem Gewissen, ihrem Glauben, ihren klerikalen Vorgesetzten und letztlich mit Gott hadert, deutlich schwerer fällt als dem zum Paranormalen neigenden Moulder.
Der Film entwickelt sein mehr oder weniger spannendes Handlungsgeflecht im Hier und Jetzt, es gibt keine bedeutungsvollen Rückblenden, die die Beziehungen zwischen den Protagonisten aufladen. Fans der alten Serie werden sich trotzdem zu Hause fühlen, denn die Erzählstrategien und die Ästhetik vertrauen auf Bekanntes. Kalt ist es, dunkel auch - und die Kamera zeigt vieles nur in Nah- und Halbnahaufnahmen, so dass rasch der Blick aufs Große und Ganze verloren geht. Dazu kommt der über Gebühr häufige Einsatz der manipulativen Parallelmontage, die unterschiedliche Handlungsstränge geradezu dramatisch engführt, um dann doch im entscheidenden Moment zum Mittel einer überraschenden Auflösung zu greifen. Das hat im Fernsehen, zumal im Verbund mit Werbeunterbrechungen, immer ganz gut funktioniert, im Kino wirkt diese Technik seit dem "Schweigen der Lämmer" nicht mehr. Wie überhaupt Moulders und Scullys neuer Fall eher unspektakulär ausgefallen ist, denn das Verschwinden der Frauen findet eine zwar makabre, letztlich aber keineswegs mysteriöse Auflösung.
So bietet "Akte X - Jenseits der Wahrheit" dem Neueinsteiger grundsolide Unterhaltung, die sogar eine höchst einprägsame Nebenrolle für Billy Connolly ("Lemony Snicket"; "Last Samurai") bereithält. Doch den ganzen Spaß bietet der anspielungsreiche Film natürlich nur den alten Fans, wenn etwa gezeigt wird, dass der vom FBI geschasste Moulder nach alter Väter Sitte eine Einsiedlerexistenz in den Wäldern gewählt hat, wo er als vollbärtige Mischung aus dem Schriftsteller Henry David Thoreau ("Walden") und dem Una-Bomber Ted Kaczynski seinen versponnenen Theorien nachhängt.
Dass "Akte X" mittlerweile mit ganz irdischen Problemen befasst ist, wird deutlich, wenn man den Untertitel des Films betrachtet: "Jenseits der Wahrheit" klingt wenig geheimnisvoll, im Original heißt es sinnigerweise "I want to believe", also "Ich will glauben" - ein Satz, der zunächst auf Moulder gemünzt zu sein scheint. Im Verlauf des Films aber wird klar, dass der ganze Umfang dieses Ansinnens viel mehr mit Scully als mit Moulder zu tun hat. Denn es ist Scully, die in ihrer Funktion als Ärztin und Ermittlerin gleich mehrfach mit dem klerikalen Umgang mit der Wahrheit konfrontiert wird und die sich auch einigen unbequemen Wahrheiten stellen muss. Dazu gehört wohl auch die unangenehme Einsicht ins eigene Altern - und vielleicht auch das Wissen, dass der trendsettende Sog, der von "Akte X" im Fernsehen ausging, fürs Kino auf diese Weise jedenfalls nicht wiederholbar ist.
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