Postelein oder Portulak

Postelein ist ein Salat für Experimentierfreudige

Mylena Decker , veröffentlicht am 20.02.2008
Foto: factum/Granville

Stuttgart - Pastinaken, Pflaumen, Papaya - das Angebot auf den Stuttgarter Märkten ist groß und bunt. Die StZ stellt im Markt-Führer einmal pro Woche ein Produkt vor. Das Thema ín dieser Folge: Postelein oder Portulak.


  Von Mylena Decker

 
"Portulak ist vielleicht etwas leiser im Geschmack", sagt Susanne Raff, die an ihrem Stand auf dem Schillerplatz ein Kistchen davon zwischen Feldsalat und Rote-Bete-Blattsalat anbietet. Das hat seinen Grund: mit diesen beiden im Geschmack kräftigeren Salatsorten lässt sich Portulak bestens kombinieren. Er ist zwar frisch und saftig, verfügt aber über keinen starken Eigengeschmack und wird aufgrund seines zurückhaltenden Aromas eher als neutral, mild und leicht nussig beschrieben. Die hellgrünen Blätter sind zart und rautenförmig, die langen Stiele etwas knackiger beim Verzehr.

"Portulak kaufen eher Leute, die gerne auch einmal experimentieren, ihn etwa als Vorspeise zusammen mit dem dunklen Rote-Bete-Blattsalat anrichten", sagt Susanne Raff, Inhaberin der gleichnamigen Gärtnerei aus Filderstadt. Dazu passe eine Vinaigrette mit hellem Balsamico-Essig, die auch "ruhig ein bisschen intensiver" sein dürfe.

Susanne Raff und ihr Mann verkaufen den Portulak nur in den Wintermonaten. Sie beziehen ihn aus dem Remstal, um ihren Kunden auch in der kalten Jahreszeit Abwechslung zu bieten. Portulak wird es bei ihr noch drei Wochen geben, dann, so hofft Raff, werde sie wieder Salate aus Eigenanbau anbieten können.

Portulak (lateinisch Montia perfoliata), auch Postelein oder Kubaspinat genannt, wird bereits seit einigen Jahren hierzulande angebaut und ist insbesondere im Winter zu haben, allerdings insgesamt noch eher selten. Im Biobereich ist er inzwischen ein bisschen verbreiteter. Die Pflanze stammt aus Nordamerika. Bekannt ist sie auch unter dem Namen Winter-Portulak, weil sie relativ geringe Temperaturen braucht, um zu keimen.

Ideal für Vegetarier

Aufgrund ihres hohen Gehalts an Vitamin C und Eisen gilt sie als ideal für die Ernährung von Vegetariern. Man kann Portulak nicht nur als Salat roh essen, sondern als Gemüse wie Spinat verwenden. Dafür eine klein gehackte Zwiebel in der Pfanne andünsten, die zerkleinerten Blätter und Stiele hinzugeben und kurz garen.

Portulak wird von September bis März ausgesät, im April beginnt die Blüte. Bis dahin kann mehrmals geerntet werden, vorausgesetzt, die einzelnen Blätter werden nicht zu tief über dem Boden abgeschnitten. "Die Pflanze gedeiht bei uns bestens im Folienhaus, also im unbeheizten Gewächshaus", sagt Stefan Eysermans von der Demeter-Gärtnerei von Woedtke in Murr.

Der Gärtnermeister hat einen Tipp parat: Er verzehrt die zarten Blätter am liebsten als Salat in Kombination mit Spinat, Kresse und Gänseblümchen. Die Blüte des Postelein sei übrigens auch genießbar, so Eysermans, schmecke allerdings etwas intensiver. Petra Proß, die zusammen mit Stefan Eysermans hinter dem Stand auf dem Marktplatz steht, hat eine andere Vorliebe: Sie findet, dass frische Pilze und Zwiebeln ganz gut zu den zarten Blättern passen.

Auch Viviana Mantuano mischt den Postelein mit anderen Salatsorten: Ihr schmecken die saftigen, langstieligen Blättchen am besten zusammen mit der pikanten französischen Brunnenkresse oder dem Kräutersalat Portofino aus Italien, der unter anderem Senfblätter enthält, die ihm einen leicht scharfen Geschmack verleihen. "Postelein ist hier allerdings immer noch nicht so bekannt - viele Kunden nehmen lieber den Feldsalat, weil sie den schon kennen, falls ich Postelein nicht ausdrücklich empfehle", sagt die Inhaberin von La Verdura in der Markthalle. Sie bietet mehr als 20 verschiedene Salatsorten an ihrem Stand an, frischen Postelein gibt es bei ihr dreimal in der Woche: donnerstags, freitags und samstags.
 
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