ZUM THEMA

 
Quote gegen Sicherheit?
Quote gegen Sicherheit?

Höher, schneller, besser - auch das ZDF-Zugpferd "Wetten, dass ..." kann sich scheinbar nicht gegen den Trend behaupten. Soll die Quote weiterhin über die Sicherheit gestellt werden?

 
 
 
Parken nur für Anwohner
Parken nur für Anwohner

Im Süden ist er schon lange Realität, der Westen zieht mit dem kostenpflichtigen Parkausweis für Anwohner jetzt nach: Anwohnerparken - das richtige Konzept für Stuttgart?

 
 
 
Glaubensfrage Guttenberg
Glaubensfrage Guttenberg

Der Verteidigungsminister steht mit dem Rücken zur Wand. Heute darf die Opposition Guttenberg auf den Zahn fühlen. Egal wie es für ihn ausgeht: Hat der Baron seine Glaubwürdigkeit verloren?

 
 
 
Lange Nacht der Museen
Lange Nacht der Museen

Ein Ticket, zehn Touren, fast 100 Einrichtungen: Bei der Langen Nacht der Museen am Samstag dürfte es voll werden in der Stadt. Stürzen Sie sich ins Getümmel?

 
 
 
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart

Sven Ulreich war sowohl in der Notenrangliste der Sportredaktion als auch bei den StN-Lesern der "VfB-Spieler der Saison". Wie gut ist der Torwart?

 
 
 
Lehren aus Winnenden
Lehren aus Winnenden

Glauben Sie, dass man die richtigen Lehren aus dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen gezogen hat, um ähnliche Taten in Zukunft zu verhindern?

 
 
 
Neu verhandeln?
Neu verhandeln?

Er trifft und trifft und ... verlässt die Roten voraussichtlich im Sommer. Soll der VfB Cacau um jeden Preis halten?

 
 
 
Lahm trägt die Binde
Lahm trägt die Binde

Jogi Löw hat sich Philipp Lahm als neuen Kapitän ausgesucht. Das ist ...

 
 
 
Matchwinner Khedira
Matchwinner Khedira

Sami Khedira schießt Deutschland auf Platz drei der WM und ist heiß umworben. Soll der VfB ihn halten?

 
 
 
Transferpolitik
Transferpolitik

Nun hat auch Sebastian Rudy, der vom VfB ausgebildet wurde, Stuttgart in Richtung Hoffenheim verlassen - ist das die richtige Transferpolitik?

 
 
 
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart

Mit einem Sieg aus sechs Bundesligaspielen ist der VfB Tabellenletzter - wer ist schuld an der Misere?

 
 
 
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart

Nach den Erfolgen gegen St. Pauli, Getafe und in Chemnitz muss der VfB am 10. Liga-Spieltag am Samstagnachmittag beim VfL Wolfsburg ran - gewinnen die Roten erneut?

 
 
 
"Dafür-Republik" gefordert
"Dafür-Republik" gefordert

Guido Westerwelle hat die anhaltende Diskussion über das Bahnprojekt Stuttgart 21 kritisiert und stattdessen eine "Dafür-Republik" gefordert.

 
 
 
Fernsehen
Fernsehen

Am Freitag startet die 5. Staffel des RTL-Dschungelcamps "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" mit Rainer Langhans, Mathieu Carriere, Irina Weis und anderen. Werden Sie sich's ansehen?

 
 
 
Sonntagsfrage
Sonntagsfrage

Wenn am Sonntag Landtagswahl wäre, welcher Partei würden Sie Ihre Stimme geben?

 
 
 
Quo vadis, Stuttgart 21?
Quo vadis, Stuttgart 21?

Wie schätzen Sie das ein: Wird Stuttgart 21 gebaut oder steht das umstrittene Milliardenprojekt nach dem Regierungswechsel vor dem Aus?

 
 
 
Drucken Versenden

Google

Zu mächtig, um einfach nur nett zu sein...

Bild 1 von 5
Zu besonderen Anlässen schmückt Google sein Logo.
Foto: StZ

Mountain View - Vor zehn Jahren ist Google als Zweimannbetrieb gestartet. Heute beschäftigt der Internetdienstleister 20.000 Mitarbeiter und ist an der Börse zehnmal so viel wert wie die Lufthansa. Manchem ist diese bunte, innovative Firma inzwischen aber zu mächtig geworden.


  Von Bettina Langer

 
Gus Lopez sitzt in der Sports Bar und trinkt sein drittes Beck's. Um 16 Uhr ist noch nicht viel los in dem schummrigen Flachdachbau mit den kleinen Fenstern. Im Fernsehen läuft das Football-Match ohne Ton. Der Fernmeldetechniker sitzt allein am Tresen, er kommt seit 35 Jahren. Wohler fühlt er sich aber, wenn auch die jungen Leute da sind, die Leute von Google. "Die feiern hier Partys, das ist gut für die Bar", sagt der 58-Jährige und schaut durch seine dunkle Sonnenbrille zu Steve hinterm Tresen. "Es ist auch gut für uns Einheimische. Wenn die Chinesen und die Inder hier sitzen und ihr Bier trinken, da lernen wir andere Kulturen kennen."

Google spielt in einer eigenen Liga

Chinesen und Inder gibt es in Mountain View zwar schon länger. Die Stadt ist ein wichtiges Zentrum im Silicon Valley. Die Mozilla Foundation hat hier ihren Sitz, außerdem mehrere Abteilungen von Microsoft und das Ames Research Center der Nasa. Aber seit gut vier Jahren sind auch die jungen Leute von Google da - und Google spielt in einer eigenen Liga. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen rund 20.000 Mitarbeiter, den Großteil davon in Mountain View.

Google hat sich in den zehn Jahren seit seiner Gründung zum mächtigsten Internetdienstleister weltweit entwickelt. Die Firma ist an der Börse 73 Milliarden Euro wert - 19-mal so viel wie der Autokonzern General Motors und gut zehnmal so viel wie die deutsche Lufthansa. Nach Erhebungen der Marktforschungsgruppe Millward Brown ist Google heute bereits die wertvollste Marke der Welt.

Wer den Firmensitz am Amphitheatre Parkway 1600 besucht, würde das nicht unbedingt vermuten. Das Gelände ist offen und wie ein Campus angelegt. Im Pool neben dem Eingang planscht ein junger Mann unter der kalifornischen Sonne. Neben ihm biegt eine Fitnesstrainerin der Google-Tochter G-Fit ihre Zöglinge zurecht, sechs junge Frauen mit Schirmmützen und verschwitzten Gesichtern.

Dieses Unternehmen war schon immer etwas anders

Weiter vorne brabbelt ein schmächtiger Dunkelhaariger in Army-Hosen in sein Headset und zupft dabei gedankenverloren am Lavendel. Vor dem Café, einige Meter weiter, sitzt ein Mittzwanziger mit Vollbart, vor sich ein Frucht-Smoothie und einen Laptop. Wenn er aufschauen würde, könnte er die junge Frau sehen, die in kurzen Hosen und Kapuzenshirt Richtung Gebäude 43 radelt. Er könnte auch den Jungs auf dem Beachvolleyballfeld zuschauen, die mit nacktem Oberkörper im Sand toben. Hinter dem Spielfeld erhebt sich ein monströser Dinosaurier aus Metall. Dem Dino hat irgendjemand rosafarbenen Schaum in den Mund gesprüht.

Google war schon immer ein bisschen anders. Die Firmenchefs Sergey Brin und Larry Page hatten ursprünglich gar keine Lust, ein Unternehmen zu gründen. Sie studierten in den 90er Jahren Informatik an der Stanford-Universität, beide hochintelligent und offenbar ziemliche Freaks. Larry, schreibt David Vise im Buch "The Google Story", hat schon als Schüler einen funktionierenden Inkjet-Drucker aus Legos gebaut. Sergeys Schule besorgte einen besonderen Mathelehrer von außen, damit sich der arme Kerl im normalen Unterricht nicht langweilt.

Freunde und Kollegen waren begeistert

Mitte der 90er Jahre war das World Wide Web noch ein ziemliches Chaos. Die ersten Suchmaschinen brachten nur mäßige Ergebnisse, selbst Yahoo ließ viele Internetnutzer frustriert zurück. Page und Brin entwickelten ein System, in dem Treffer - anders als bei bisherigen Suchmaschinen - nach Wichtigkeit sortiert auftauchten.

Zum Beispiel platzierten sie eine Seite umso höher, je öfter von anderen Seiten darauf verwiesen wurde. Freunde, Studienkollegen und Experten, die die Suchmaschine getestet hatten, waren begeistert. Die Nutzerzahlen stiegen raketenhaft. Brin und Page boten Yahoo, Alta Vista und anderen ihre Innovation für eine Million Dollar zum Kauf an. Aber keiner wollte sie haben. Die beiden verließen schließlich schweren Herzens die Uni. Am 7.September 1998 gründeten sie die Firma Google.

Die Sand Hill Road im Silicon Valley ist die Meile des Geldes. An dieser großzügig angelegten Straße haben die großen US-Risikokapitalgesellschaften ihren Sitz. Start-ups, die Geld brauchen, werben mit Power-Point-Präsentationen in klimatisierten Räumen um die Sand-Hill-Road-Investoren. In der Boomphase Ende der 90er Jahre kosteten 100 Quadratmeter Bürofläche dort fast 13.000 Dollar Monatsmiete.

Ein Scheck über 100.000 Dollar

Brin und Page hatten keine Präsentation vorbereitet. Sie saßen mit Andy Bechtolsheim einen Vormittag lang auf den Treppenstufen vor einem Häuschen in Palo Alto und schwärmten von Google. Bevor der Investor wieder in seinen silbernen Porsche stieg, stellte er den beiden, dort auf der Treppe, einen Scheck über 100.000 Dollar aus. Das war kein großer Betrag, aber trotzdem ziemlich mutig. Keiner wusste damals, wie man mit einer Suchmaschine im Internet - und mag sie noch so gut sein - eigentlich Geld verdienen soll.

Zudem mussten die Jungunternehmer viel Geld für die Hardware ausgeben. Um schnell und effizient Ergebnisse liefern zu können, kopierten sie die Inhalte des World Wide Web auf ein eigenes System aus zahlreichen verbundenen Computern. Bei einem Vortrag vor Studenten im Jahr 2003 sagte Brin: "Das war seit der Gründung immer unser Thema: Wir brauchen mehr Computer." Bald kaufte man PCs im 80er-Pack.

"Google, die Gelddruckmaschine"

Google, die Suchmaschine wurde dann aber doch bald auch "Google, die Gelddruckmaschine", wie es im Buch von David Vise heißt. Das Unternehmen ließ Werbung auf seinen Seiten zu. Keine nervigen Pop-up-Fenster, keine blinkenden Banner, sondern Werbung, die zum Suchbegriff des Nutzers passte. Das heißt: zur Anfrage "Digitalkamera"gibt es rechts neben den Treffern sogenannte "sponsored links", kurze, schmucklose Texte von Neckermann, Lycos oder Ebay.

Von da an ging es steil bergauf. Diese clevere Geschäftsidee und ähnliche Werbemodelle führten zu Umsatz- und Gewinnsprüngen. Die Gründer wollten aber nicht nur gute Bilanzen, sondern auch ein gutes Gewissen haben. "Don't be evil" (Sei nicht böse/unethisch) lautet das Firmenmotto, das Brin und Page ausgaben.

Rebecca Jepsen ist der grüne Daumen von Google. An diesem Julivormittag harkt sie auf dem Campus in Mountain View mit ein paar Helferinnen in den Kräuterkästen und zwischen den Tomatenstauden. Ihr Gärtchen ist Teil der "growing connection", einer Initiative, die den nachhaltigen Anbau von Nahrungsmitteln fördern soll. Auf einem Schild steht: "Wusstest Du, dass Erdbeeren zur Familie der Rosen gehören?"

Rebecca Jepsen schreibt den Öko-Tipp des Tages

Jepsen schreibt auch täglich den "green tip of the day". Dieser Tipp steht auf den Speiseplänen in allen 18 Cafés auf dem Gelände, wo die Mitarbeiter auf Firmenkosten essen. Heute hat sie Empfehlungen gegeben, wie man Papier spart. Gestern ging es um den Wasserverbrauch bei der Körperpflege. Jepsens Tätigkeit ist Ausdruck des Mottos "Don't be evil". In der Öffentlichkeit als Firma mit diesen hehren Ziel wahrgenommen zu werden wird für Google allerdings immer schwieriger.

Das Unternehmen ist manchen schlicht zu mächtig geworden. Google ist der Torwächter des World Wide Web. Was man über die Suchmaschine im Internet nicht findet, gibt es praktisch nicht. In den vergangenen Jahren hat Google seinen Einflussbereich mit immer neuen Angeboten noch deutlich erweitert. Das Unternehmen hat eine riesige Menge an Informationen auf seinen Rechnern gesammelt.

Eine solche Menge an Fotos, Satellitenbildern, Buchinhalten, Daten über Suchanfragen und Internetnutzer, dass einem schwindelig werden kann. Das erklärte Ziel der Google-Gründer ist, das gesamte Wissen der Welt für alle digital verfügbar zu machen. Aber nicht nur Wettbewerber fragen sich: Wer garantiert, dass dieses Wissen tatsächlich immer frei verfügbar sein wird? Was passiert mit Google unter neuen Großaktionären oder Firmenchefs? Und welche Informationen könnten von wem missbraucht werden?

Der Druck steigt

Das Unternehmen ist allerdings auch zur ständigen Innovation gezwungen, wenn es seine Vormachtstellung behalten und noch ausbauen will. Nutzer einer Suchmaschine oder sonstiger Onlinedienste sind flüchtige Wesen. Sie können jederzeit abwandern, wenn ein anderer im Internet Besseres bietet. Die Konkurrenz ist nur einen Mausklick entfernt. Google muss immer den entscheidenden Schritt voraus sein. Deshalb ist das Bunte, Verspielte, Offene auch nur eine Seite des Unternehmens. Der Druck steigt ebenso wie die Zahl der Geschäftsgeheimnisse.

Anton Malykh, ein 23-jähriger Google-Praktikant, gibt beim Plaudern auf dem Campus in Mountain View bereitwillig Auskunft über die Barbecues bei Google, über das coole Fitnessstudio, das Freibier freitagabends. Auf die Frage, was er denn arbeitet, in seinen acht Wochen als Praktikant, bemerkt er nur knapp: "Das kann ich nicht sagen." Der Google-Campus inmitten der Gebäudegruppe ist ein frei zugängliches Areal. Doch wer sich dort ohne offiziellen Termin länger aufhält und mit Leuten plaudert, wird irgendwann von grimmigen Sicherheitsbeamten des Geländes verwiesen.

Neue Themen Gesundheit und Genanalysen

Google will nun weiter expandieren und braucht mehr Platz. Die Firma hat im Juni angekündigt, ein Gelände in der Größe von 23 Fußballfeldern von der Nasa zu mieten. Von 2013 an soll dort gebaut werden. Neue Arbeitsgebiete sind Gesundheitsthemen und Genanalysen. Auch Wachstum über weitere Firmenzukäufe ist problemlos möglich, denn der Internetdienstleister verfügt über finanzielle Reserven von 13 Milliarden Dollar.

Gus Lopez, der Fernmeldetechniker in der Sports Bar, ist einer, der sich über diese Expansionspläne freut - für Mountain View und seine Einwohner. Erst vor wenigen Monaten hat wieder ein neues Einkaufszentrum gegenüber der Bar aufgemacht. Dort im Supermarkt gibt es die Magazine "Men's Vogue" und "Wired", kaum Obst, aber süße Mini-Donuts im Zwölferpack.

Lopez hält auch die Sorge vor einer Großmacht Google für übertrieben. "Ich habe hier in Mountain View viele Firmen kommen und gehen sehen", sagt er. "Google ist etwas Besonderes und hat großen Einfluss." Aber er gibt dem Unternehmen noch fünf bis zehn Jahre. "Dann sind die auch in der Normalität angekommen."
 



Bettina Langer

08.08.2008 - aktualisiert: 08.08.2008 18:47 Uhr



Parse error: syntax error, unexpected '}' in /mnt/six01/msh/apache/sirsix7.1.1/sixcms_upload/templates/template5933.php on line 27