Flugzeugunglück in Madrid

Absturzursache scheint geklärt

dpa, veröffentlicht am 25.08.2008
Foto: AP

Madrid - Warum hatte die Spanair-Unglücksmaschine beim Start zu wenig Schub zum Abheben? Um diese Frage drehen sich die Untersuchungen zur Flugzeugkatastrophe auf dem Madrider Flughafen. Wie die Zeitung "El País" am Montag berichtete, hatte der Jet der spanischen Fluggesellschaft Spanair am vergangenen Mittwoch auf der Startbahn einen halben Kilometer mehr gebraucht als normal, um vom Boden abzuheben. Die Maschine vom Typ MD-82 stieg aber nur einige Meter hoch und stürzte in ein Flusstal. 154 Menschen starben, 18 wurden verletzt. Unter den Toten ist auch eine vierköpfige Familie aus Pullach bei München.

Dies wurde fünf Tage nach dem Absturz bei der Identifizierung der Opfer zweifelsfrei festgestellt. Die Identität sei durch einen Abgleich mit DNA-Spuren der Familie geklärt worden, teilte das Bayerische Landeskriminalamt in München mit. Die 38 Jahre alte Mutter und der 50-jährige Vater wollten zusammen mit ihren beiden fünf und acht Jahre alten Söhnen auf die Ferieninsel Gran Canaria fliegen.

Bei der Ermittlung der Absturzursache gehen die Experten auch der Hypothese nach, ob das rechte Triebwerk der zweistrahligen Maschine unmittelbar nach dem Abheben sich möglicherweise auf Umkehrschub stellte. "Dies würde erklären, weshalb die Maschine nach rechts abschmierte", sagte ein Luftfahrt-Ingenieur. Ein Umkehrschub, der normalerweise ein Flugzeug bremsen soll, könnte laut "El País" durch ein Versehen oder eine technische Panne ausgelöst worden sein.

Bislang ist auch unklar, welches die letzten Worte von Flugkapitän Antonio García Luna waren. "Nach der Startfreigabe gibt es keinen Funkverkehr zwischen dem Piloten und dem Kontrollturm", schreibt "El Pais". "Der Kapitän wird aber mit dem Kopiloten gesprochen haben. Dieses Gespräch wurde von einem der Flugschreiber aufgezeichnet." Pilot und Kopilot starben bei dem Unglück. Die Flugschreiber werden von Experten ausgewertet.

Die Katastrophe von Madrid erinnert an ein ähnliches Unglück vor 21 Jahren in den USA. Damals war am 16. August 1987 eine MD-82 in Detroit ebenfalls nach dem Start abgestürzt. Wie in Madrid starben 154 Insassen; obendrein kamen zwei Menschen am Boden ums Leben. Damals wurde das Unglück unter anderem darauf zurückgeführt, dass die Piloten die Startklappen nicht ausgefahren hatten. Nach Angaben der Zeitung "El Mundo" hielten spanische Experten es für ausgeschlossen, dass einem erfahrenen Piloten wie dem Kapitän der Spanair-Maschine ein solcher Fehler unterlaufen sein könnte.

Die Identifizierung der Opfer wird sich nach Angaben des spanischen Innenministers Alfredo Pérez Rubalcaba noch bis zu zwei Wochen hinziehen. Wegen des Feuers und der Hitze beim Absturz seien die Proben zur Anfertigung der DNA-Analysen "in einem schlechten Zustand", sagte der Minister. Er schloss nicht aus, dass in einzelnen Fällen eine Identifizierung nicht mehr möglich sein werde. Bisher sei die Identität von 90 Toten festgestellt worden.

Eine der 18 Überlebenden wird wahrscheinlich nie mehr aus dem Koma aufwachen. Die 44-Jährige sei in ein irreversibles Koma gefallen, teilten Ärzte mit. Der achtjährige Sohn der Frau, der mit seiner Mutter in der Unglücksmaschine gesessen hatte, erholt sich dagegen allmählich von seinen Verletzungen.

Die Behörde für Zivilluftfahrt wies Zeitungsberichte über gravierende Sicherheitsmängel im spanischen Flugverkehr zurück. "Der Luftverkehr in Spanien ist sicher und zuverlässig", sagte der Behördenchef Manuel Bautista. "El Mundo" hatte berichtet, Spanien verfüge nur über zwei Flugzeug-Inspektoren. Seine Behörde beschäftige 300 Inspektoren zur Überprüfung von Flugzeugen, sagte Bautista. Allein bei Spanair habe es in diesem Jahr über 100 Kontrollen gegeben, ohne die geringste Beanstandung.
 

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