ZDF-Doku "Der Fall"

Die lange Jagd nach dem Phantom

Tilmann Gangloff, veröffentlicht am 25.08.2008
Foto: Eichin/ZDF

Mainz/Stuttgart - Sie ist die Verbrecherin, nach der in Deutschland derzeit am intensivsten gefahndet wird. An mehr als dreißig Tatorten in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sind in den vergangenen 15 Jahren ihre DNA-Spuren entdeckt worden. Ihr Name ist nicht bekannt, es existiert nicht einmal ein Phantombild. Deshalb sprechen die Fahnder beamtendeutsch von einer "UWP", einer unbekannten weiblichen Person.


  Von Tilmann Gangloff

 
Lange hat die Polizei nicht geglaubt, dass es sich um eine Frau handelt, weil die Täterin so kaltblütig und skrupellos vorgeht. Begonnen hat die Serie brutaler Verbrechen 1993 mit dem Mord an einer Rentnerin in Idar-Oberstein. Bundesweit Aufsehen erregte die Täterin, als sie im April 2007 in Heilbronn die 22-jährige Polizistin Michelle K. brutal erschoss und deren 24-jährigen Kollegen lebensgefährlich verletzte.

Wie filmt man ein Phantom?

Wie aber filmt man ein Phantom? Für ihren Beitrag zu der ZDF-Reihe "Der Fall" mit dem Titel "Die Frau ohne Gesicht" behelfen sich die beiden Autorinnen Ulrike Eichin und Kristina Kayatz mit sogenanntem Reenactment, mit nachgespielten Szenen also. Ansonsten versuchen sie in ihrer Dokumentation, an der sie noch bis kurz vor der Ausstrahlung gearbeitet haben, die Verbrecherin einzukreisen. Ihre jüngsten Spuren hinterließ diese erst im vergangenen März im Auto eines mutmaßlichen Dreifachmörders.

Gespräche mit sogenannten "Profilern", Spezialisten der Landeskriminalämter in Stuttgart und Mainz, die versuchen, die Frau mit charakterlichen Merkmalen zu versehen, deuten auf eine komplexe Persönlichkeit hin. Die Verbrecherin, so die Koautorin Kristina Kayatz, ist offenbar nicht, wie man vermuten könnte, "die große Bandenchefin, sondern eher eine Mitläuferin, eine Frau mit leichtem Gepäck, aber sehr raffiniert, extrem cool und jederzeit zu äußerster Brutalität bereit".

Der Polizei dicht auf den Fersen

Sechs Sonderkommissionen fahnden nach dem Phantom. Die Autorinnen haben sich eng an die Fersen der Polizei geheftet. Sie durften die Beamten zu verschiedenen Tatorten begleiten. Ursula Eichin ist bei den Fahndern bekannt: Sie beschäftigt sich seit sechs Jahren mit dem Thema und der Frage, welches Motiv die Täterin leiten könnte.

Auch bei der Analyse konnte gelauscht werden, so dass ein höchst vielschichtiges Bild entsteht; nicht nur von der Täterin, auch von der Polizeiarbeit. Die Ermittler waren mit Mikrofonen ausgestattet und verkabelt, so dass man jedes gesprochene Wort mitbekommt. Vor der Kamera äußern sich allerdings nur Beamte und Experten, etwa eine Polizeipsychologin vom Stuttgarter Landeskriminalamt. Natürlich gibt es auch Zeugen in Fällen, die der Täterin angelastet werden. Doch die einen schweigen aus Angst, und die anderen müssen geschützt werden.

Dienstag 21.00 ZDF
 

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