Tage des Zorns
Moral und Unmoral in Zeiten des Krieges
Iris Benker, veröffentlicht am 28.08.2008
Filmbeschreibung
Auf ihre Mitbürger, die Widerstand gegen die deutschen Besatzer in der Nazizeit leisteten, sind die Dänen stolz. Mit diesem Stück Zeitgeschichte setzt sich der Regisseur Ole Christian Madsen in seinem Film "Tage des Zorns" auseinander. Beachtlich ist dabei, dass er nicht auf die Ästhetik von Kriegs- oder Antikriegsdramen zurückgreift. Farbgestaltung und Atmosphäre erinnern eher an das Genre des klassischen Gangsterfilms.
1940 besetzten die Nationalsozialisten Norwegen und Dänemark. Während Norwegen verbissen gegen die Besatzungsmacht kämpfte, arrangierte sich Dänemark mit den neuen Machthabern. Als Gegenleistung für eine autarke Regierung forderten die Nationalsozialisten Ruhe und Ordnung. Dennoch regte sich ab 1943 auch hier der Widerstand. Dessen bekannteste Vertreter nannten sich mit Kampfnamen Flame und Citron, und so werden sie als Nationalhelden weiter verehrt. "Flammen & Citronen", so der Originaltitel der dänisch-deutschen Koproduktion, erzählt die Geschichte dieser beiden Charaktere mit Ecken und Kanten.
Kaltblütig liquidieren Flame (Thure Lindhardt, "Was nützt die Liebe in Gedanken") und Citron (der "Casino Royal"-Bösewicht Mads Mikkelsen) dänische Kollaborateure. Flame, getrieben von seinen Idealen als Antifaschist, ist der ausführende Arm des Duos, das schnell und treffsicher jeden Auftrag erledigt, während Citron, immer stärker zerfressen von seiner Wut, zunächst nur als Fahrer dient. Ihre Aufträge erhalten die beiden vom Chef ihrer Widerstandszelle, dem undurchsichtigen Winther (Peter Mygind). Doch als die Ermordung des Chefs der deutschen Abwehr, Gilbert (Hanns Zischler), misslingt und Flame sich in ein Gespräch mit seinem Opfer verwickeln lässt, mehren sich Vermutungen, dass Winther ein doppelbödiges Spiel treibt. Flames mysteriöse Geliebte Ketty (Stine Stengade) nährt diese Zweifel.
Nicht nur Kettys Auftreten als Femme fatale verstärkt die Assoziation zum Gangstergenre, sondern auch die äußere Erscheinung der Protagonisten. Doch unter der Oberfläche brodelt der Widerstand, eingefangen in eindrucksvollen, nicht mit Action überladenen Bildern. Primär scheint sich der Film mit dem Irrsinn des Krieges und seinen Wirren auseinanderzusetzen. Auf abstrakte Art und Weise behandelt "Tage des Zorns" die Thematik von Gut und Böse, Recht und Unrecht und erzählt, was passiert, wenn deren Abgrenzungen immer undefinierbarer werden.
Das Verschwimmen dieser Linie zwingt Flame und Citron, ihre Moral zu hinterfragen und letztendlich ihren eigenen Kampf zu führen, für den sie Ideale dem Hass opfern. Wer Verbündeter und wer Verräter ist, scheint bald undurchschaubar in diesem Film. Selbst der Gestapochef Dr. Hoffmann (Christian Berkel) ist für die beiden irgendwann nicht mehr als klares Feindbild zu erkennen. Angenehm zurückhaltend spielt Thure Lindhardt die Figur des schon fast traumwandlerisch kaltblütigen Killers. Mads Mikkelsens Figur Citron steht da ein wenig im Hintergrund, zeichnet jedoch einen überzeugenden, vom unsteten Leben des Widerstands ausgezehrten Charakter.
Dass sich Gut und Böse in Zeiten des Krieges verschieben, Verbündete zu Feinden werden und Vertrauen sich in Misstrauen verwandelt, ist eine keineswegs überalterte Erkenntnis. "Tage des Zorns" behandelt eine aktuelle Frage: die nach der Moral in unmoralischen Zeiten.
1940 besetzten die Nationalsozialisten Norwegen und Dänemark. Während Norwegen verbissen gegen die Besatzungsmacht kämpfte, arrangierte sich Dänemark mit den neuen Machthabern. Als Gegenleistung für eine autarke Regierung forderten die Nationalsozialisten Ruhe und Ordnung. Dennoch regte sich ab 1943 auch hier der Widerstand. Dessen bekannteste Vertreter nannten sich mit Kampfnamen Flame und Citron, und so werden sie als Nationalhelden weiter verehrt. "Flammen & Citronen", so der Originaltitel der dänisch-deutschen Koproduktion, erzählt die Geschichte dieser beiden Charaktere mit Ecken und Kanten.
Kaltblütig liquidieren Flame (Thure Lindhardt, "Was nützt die Liebe in Gedanken") und Citron (der "Casino Royal"-Bösewicht Mads Mikkelsen) dänische Kollaborateure. Flame, getrieben von seinen Idealen als Antifaschist, ist der ausführende Arm des Duos, das schnell und treffsicher jeden Auftrag erledigt, während Citron, immer stärker zerfressen von seiner Wut, zunächst nur als Fahrer dient. Ihre Aufträge erhalten die beiden vom Chef ihrer Widerstandszelle, dem undurchsichtigen Winther (Peter Mygind). Doch als die Ermordung des Chefs der deutschen Abwehr, Gilbert (Hanns Zischler), misslingt und Flame sich in ein Gespräch mit seinem Opfer verwickeln lässt, mehren sich Vermutungen, dass Winther ein doppelbödiges Spiel treibt. Flames mysteriöse Geliebte Ketty (Stine Stengade) nährt diese Zweifel.
Nicht nur Kettys Auftreten als Femme fatale verstärkt die Assoziation zum Gangstergenre, sondern auch die äußere Erscheinung der Protagonisten. Doch unter der Oberfläche brodelt der Widerstand, eingefangen in eindrucksvollen, nicht mit Action überladenen Bildern. Primär scheint sich der Film mit dem Irrsinn des Krieges und seinen Wirren auseinanderzusetzen. Auf abstrakte Art und Weise behandelt "Tage des Zorns" die Thematik von Gut und Böse, Recht und Unrecht und erzählt, was passiert, wenn deren Abgrenzungen immer undefinierbarer werden.
Das Verschwimmen dieser Linie zwingt Flame und Citron, ihre Moral zu hinterfragen und letztendlich ihren eigenen Kampf zu führen, für den sie Ideale dem Hass opfern. Wer Verbündeter und wer Verräter ist, scheint bald undurchschaubar in diesem Film. Selbst der Gestapochef Dr. Hoffmann (Christian Berkel) ist für die beiden irgendwann nicht mehr als klares Feindbild zu erkennen. Angenehm zurückhaltend spielt Thure Lindhardt die Figur des schon fast traumwandlerisch kaltblütigen Killers. Mads Mikkelsens Figur Citron steht da ein wenig im Hintergrund, zeichnet jedoch einen überzeugenden, vom unsteten Leben des Widerstands ausgezehrten Charakter.
Dass sich Gut und Böse in Zeiten des Krieges verschieben, Verbündete zu Feinden werden und Vertrauen sich in Misstrauen verwandelt, ist eine keineswegs überalterte Erkenntnis. "Tage des Zorns" behandelt eine aktuelle Frage: die nach der Moral in unmoralischen Zeiten.
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