Uni Hohenheim

Hundert Liter Freibier sollen Studenten versöhnen

Markus Heffner, veröffentlicht am 28.08.2008
Foto: Zweygarth

Stuttgart - Nach dem Verschwinden von 113 Klausuren hat an der Uni Hohenheim am Donnerstag die Aufarbeitung des für alle Beteiligten unerfreulichen Zwischenfalls begonnen. Der Dozent Christian Klein will hundert Liter Freibier spendieren - die Studenten halten das für "lächerlich wenig".


  Von Markus Heffner

 
An normalen Tagen stehen im Hörsaal 1 der Uni Hohenheim Politische Philosophie, Statistik und Methoden der Industrieökonomik auf dem Lehrplan, am Donnerstag wurde kurzfristig eine Praxisstunde Krisenmanagement eingeschoben. Wie konnten die Klausuren verschwinden? Wie sieht es mit einer Entschädigung aus? Und wie geht es jetzt weiter? Diesen und vielen anderen Fragen seiner Studenten musste sich Christian Klein stellen, nachdem der Dozent am Lehrstuhl für Rechnungswesen und Finanzierung vorneweg eines klargestellt hatte: "Es führt leider kein Weg daran vorbei, Sie müssen die Klausur noch einmal schreiben."

Etwa die Hälfte jener 113 Bachelorstudenten, deren Klausur im Fach Technik des Rechnungswesens spurlos verschwunden ist (wir berichteten), war am Donnerstag zur anberaumten Aussprache in den Hörsaal 1 der Uni Hohenheim gekommen. Dorthin, in den ersten Stock im Ostflügel des Hohenheimer Schlosses, war die Krisensitzung kurzfristig verlegt worden. Die Uni habe befürchtet, sagt die Sprecherin Johanna Lembens-Schiel, dass bei einem Saal im Erdgeschoss die Fernsehteams durchs Fenster filmen.

Großes Medienecho

Die Sorge ist nachvollziehbar: Sowohl sie als auch Klein mussten nicht erst seit Donnerstag den ganzen Tag Interviews geben und erklären, warum die Klausuren im Altpapier gelandet sind, wie Klein seinen Studenten berichtete.

Gesagt hat er den wechselnden Interviewpartnern immer das Gleiche: "Der Karton mit den Klausuren stand wohl unglücklicherweise direkt neben dem Papierkorb. Ich übernehme die volle Verantwortung für die Sache, es tut mir aufrichtig leid." Um dies auch zu zeigen, will Klein eine Entschädigung anbieten - wenngleich auch nicht in der von seiner Frau vorgeschlagenen Form. Diese habe angeregt, so Klein, im Hörsaal Tomaten zu verteilen und sich als Zielscheibe aufzustellen. Stattdessen hat sich der Dozent überlegt, aus eigener Tasche hundert Liter Freibier zu finanzieren. "Lächerlich wenig", wie einer der Studenten findet. "Wir haben Tag und Nacht gebüffelt und auf vieles verzichtet. Die Zeit ist unwiederbringlich weg."

Klausur soll Mitte November wiederholt werden

Mitte November soll die Klausur nun wiederholt werden, was den Bachelorstudenten weitere Probleme bereitet. Der Termin kollidiert mit der Vorbereitung auf eine Matheklausur, zudem verdienen sich manche in dieser Zeit nebenher ihr Studium. "Wie kann es eigentlich sein, dass auf dem Karton nicht ,Klausur' mit fünf Ausrufezeichen stand", will eine Studentin wissen. "Auf die Idee sind wir nicht gekommen", antwortet Klein. Außerdem hätte man die Warnung in mehreren Sprachen schreiben müssen.

Der ansonsten sehr beliebte Dozent hat in den vergangenen Tagen per E-Mail auch einiges an Zuspruch erfahren, überwiegend deuten die vielen Beiträge in seinem Briefkasten aber eher auf ein momentan angespanntes Verhältnis zwischen Dozent und Studentenschaft hin. Herr Klein sei ein großer Lügner, die Geschichte mit der Putzfrau stimme nicht, habe man ihm vorgeworfen. Manche drohten mit Klagen, zudem seien alle möglichen Forderungen erhoben worden, bis hin zur Erstattung der Studiengebühr, so Klein.

Den Ärger unter den Studenten, die jetzt eine Doppelbelastung haben, kann er natürlich verstehen. Die Idee sei daher, durch Unterstützung in der Vorbereitung den Aufwand so gering wie möglich zu halten. "Wir garantieren, dass alle Beteiligten nach der Ersatzklausur zufrieden sein werden", betonte Klein am Donnerstag mehrfach - wobei das nicht bedeute, dass die Noten verschenkt werden, so Unisprecherin Johanna Lembens-Schiel: "Für die zweite Klausur gelten die gleichen Anforderungen wie für die erste."
 
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