Sommerkrimi-Nachlese

Wenn die Krimi-Figuren ungeplant Morde begehen

Sabine Nedele, veröffentlicht am 29.08.2008
Foto: Steinert

Stuttgart - Was fördert die Inspiration? Lesen. Was stärkt die Konzentration? Eine Katze. Einen amüsanten Abend lang hat Uta-Maria Heim im Pressehaus übers Schreiben, Nöte und Vorlieben einer Schriftstellerin geplaudert. Für die Autoren des Sommerkrimis ein aufschlussreicher Abschluss.


  Von Sabine Nedele

 
Zum Abschluss der dritten und letzten Sommerkrimi-Aktion hatten am Donnerstag Abend gut 40 Autoren, Leser und Krimifans Gelegenheit, die Schriftstellerin Uta-Maria Heim als ausgesprochen selbstironische Person kennen zu lernen, deren strohtrockener - und ziemlich schwarzer - Humor auch in ihren Büchern spürbar wird, aus denen sie einige Kostproben vortrug.

Deutscher Krimipreis für "Rattenprinzip"

Die 1963 in Schramberg geborene Autorin, die Literaturwissenschaft, Linguistik und Soziologie studierte und heute als Dramaturgin in der Hörspielabteilung des SWR arbeitet, zählt sich zur Generation der Babyboomer. Für Heim heißt das: "Man selbst gilt gar nichts, weil es so viele davon gibt". Eingeschüchtert hat diese Erkenntnis die heute 44-Jährige offensichtlich nicht. Sie verdiente sich ihr Studium unter anderem als freie Journalistin und Schriftstellerin, und veröffentlichte schon mit 21 Jahren ihren ersten Gedichtband. 1990 erschien ihr erster Stuttgart-Krimi "Rattenprinzip", der mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde.

Dabei betrachtet sie ihre Methode Geschichten zu erzählen, als durchaus riskantes Unterfangen: Während ihr ein Schreibdozent einmal geraten habe, ein Roman müsse jeweils zur Hälfte bestehen aus "Zeitgeist und aus zeitlosen Dingen, die an die Wurzeln des Lebens rühren", sei bei ihr die Krux, dass dieses Verhältnis bei 80 zu 20 liege - ihre Geschichten also zu viel Zeitgeist enthalten, "der sich nach zehn Jahren nicht mehr verkauft." Da spürt man die Distanz der Autorin zu den eigenen Werken, zumal Uta-Maria heim zugab, keine Rezepte für den Erfolg zu haben, aber viele Möglichkeiten ihn zu verhindern: "Da fühle ich mich kompetent."

Die Lesekostproben aus dem 2007 erschienenen Roman "Totschweigen", "Dreckskind" (2006) und der Krimi-Anthologie "Tod am Bodensee" bewiesen allerdings eher das Gegenteil. Ihre Vorliebe für drastische Zeitsprünge, Perspektivenwechsel, psychologische Studien eines erzählenden Ichs oder ungewöhnliche Perspektiven zum Einstieg, die Uta-Marie Heim hübsch ironisch als "Gemeinheit für die Leser" deklassierte, empfanden die Zuhörer erwartungsgemäß eher als spannend und von heiterer Bösartigkeit.

Das Schreiben ist ihr liebstes Hobby

Das lag auch an den Einblicken, die Uta-Maria Heim in ihre Schreibwerkstatt gewährte. Sie schreibe diszipliniert, allerdings nur in ihrer Freizeit, manchmal acht Stunden am Stück, erzählt sie. Sie liest ein gutes Buch als Inspirationsquelle und empfindet ihre Katze als konzentrationsfördernd, wenngleich Schreibhemmungen ihr fremd sind: "Das Problem habe ich leider nicht."

Deshalb könne es mitunter passieren, dass eine Geschichte aus den Fugen gerate, die Figuren sich verselbständigen und ungeplant Morde begingen: "Das bringt einen ganz schön ins Schwitzen." Dennoch will Heim ihrer Linie, kein "Erfüllungsgehilfe eines Konzepts zu sein", treu bleiben, weil ihr das Schreiben noch immer "liebstes Hobby und liebste gedankliche Beschäftigung" sei.

Überhaupt solle man keinesfalls versuchen, ohne Spaß an der Sache Schriftsteller zu werden, empfahl Uta-Maria Heim. "Das lohnt sich nicht." Dass es bei den Schreiberinnen und Schreibern des StZ-Sommerkrimis mit dem Spaß an der Sache geklappt hat, zeigte sich in den anschließenden Gesprächen: da wurde von nächtlichen Schreibmarathons bis in die Morgenstunden berichtet, von Durchhalteparolen und von Computersitzungen, die dann stattfanden, wenn der Nachwuchs seinen Mittagsschlaf abhielt.
 

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