ABC-Schützen aus armen Familien

Wenige Städte geben Geld für Schulmaterial

dpa/lsw, veröffentlicht am 31.08.2008
Foto: dpa

Karlsruhe/Heilbronn - In vielen Haushalten mit künftigen Erstklässlern reicht das Geld für Schulranzen, Hefte und Schreibzeug nicht. Und ein finanzieller Zuschuss beim Schulstart ist keineswegs selbstverständlich. Während es in Karlsruhe und Heilbronn zum Schulstart erstmals einen Zuschuss für die Erstausstattung von ABC-Schützen aus bedürftigen Familien gibt, lehnen andere große Städte eine derartige finanzielle Unterstützung ab. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. In diesem Fall sind helfende Vereine und Organisationen besonders wichtig.

In Karlsruhe können Kinderpass-Inhaber bis zu 150 Euro beantragen, in Heilbronn werden Familienpass-Besitzern bis zu 100 Euro gewährt. Andere Kommunen - darunter Stuttgart, Ulm, Freiburg und Mannheim - verweisen darauf, dass die Unterstützung von Hartz IV-Empfängern Bundessache sei.

"Ich werde sehr oft gefragt, warum Vater Staat gerade für so etwas Entscheidendes wie die Schul-Erstausstattung kein Geld hat", sagt Sigrid Kemptner von der Caritas Mannheim. Mit ihren Leuten hat sie Ranzen organisiert und Spenden gesammelt, um den ABC-Schützen aus bedürftigen Familien etwas an die Hand zu geben. Die Nachfrage sei in diesem Jahr besonders groß. 68 Schülern hätten sie helfen können, 35 Erstklässlern und 33 Schulwechslern. Bei rund 550 Kindern aus Hartz-IV-Familien, die nach Auskunft der Stadt in Mannheim eingeschult werden, ist es trotzdem ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Stadt möchte bewusst nicht einspringen. "Es gibt Gesetzesinitiativen mehrerer Bundesländer, nach denen die Kosten für die Schulausstattung bei Hartz IV berücksichtigt werden sollen", sagt Michaela Settelmaier, bei der Stadt Mannheim für Soziales zuständig. Zum Teil ist darin von erhöhten Bezügen die Rede, zum Teil von einer Kostenübernahme. Die Stadt wolle da "nicht vorgreifen". Schließlich sei hier der Bund in der Pflicht. Umso dankbarer sei sie für die Hilfe der freien Wohlfahrt.

Andere Städte sehen das weniger grundsätzlich und unterstützen Bedürftige bei der Anschaffung von Ranzen, Turnbeuteln, Mäppchen, Heften und mehr. Laut Schätzung der städtischen Experten fallen dafür rund 150 Euro an, selbst ohne das neueste Ranzen-Model einer Nobel-Marke. Die städtischen Hilfen sind meist neu und greifen in diesem Jahr zum ersten Mal. Tübingen unterstützt die "Aktion Sahnehäubchen", die Gutscheine ausgibt. Konstanz gewährt den Schulen aus einem Sozialfonds Zuschüsse, die sie nach Bedarf verteilen können. Für 2009 sind hier insgesamt knapp 23.000 Euro vorgesehen.

Sogar die nicht gerade wohlhabende Stadt Pforzheim schießt in diesem Jahr etwas zu: Aus einem Schulmittelfonds bekommt jeder bedürftige Schüler einen Gutschein über 30 Euro für Schulmaterialien. Stadt, Hilfsorganisationen und private Spender haben rund 90.000 Euro eingezahlt. Rund 3000 Kinder und Jugendliche profitieren davon, berichtet Sozialamtsleiter Rüdiger Staib. "Es wird aber wohl eine einmalige Sache bleiben", sagt er. Für eine Fortsetzung fehle das Geld. Deshalb, und weil 30 Euro für die Erstausstattung nicht reichen, hat das Brücken-Lädle rund 60 gebrauchte Ranzen gesammelt und verteilt. "Die Erfahrung war sehr gut", sagt Gerhard Hager, einer der Aktiven. Eine Fortsetzung sei geplant.

Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) macht sich unterdessen bei der Bundesregierung für die gesetzliche Grundlage einer besseren Unterstützung stark. Mit Hilfe "befähigender Sachleistungen" will er Kindern und Jugendlichen mit entsprechendem Bedarf Schulausstattung und Nachhilfeunterricht ermöglichen.

Bis es dazu kommt, kann allerdings auch Schuster auf private Initiativen bauen: Der neue Verein "Frauen helfen helfen" hat Schulmaterial für rund 140 bedürftige Schüler zusammengetragen. Vorstandsvorsitzende Silke Schmidt-Dencker war ganz begeistert von der Spendenfreudigkeit der Menschen: "Der Zuspruch war enorm. Viele haben uns gesagt, dass sie für diesen Zweck sehr gern etwas geben."
 

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