BASF kämpft um die Zulassung
Genkartoffel vor Gericht
Tanja Volz, veröffentlicht am 04.09.2008
Stuttgart - Die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora wurde von der BASF Plant Science für die Industrie entwickelt. Seit Jahren wartet man nun auf die Zulassung. Vor kurzem hat das Unternehmen vor dem Europäischen Gerichtshof eine Untätigkeitsklage eingereicht.
Von Tanja Volz
Eigentlich sollte Amflora schon längst im Boden sein. Seit Jahren rechnet man bei der BASF Plant Science mit der Genehmigung für die Genkartoffel. Doch die Zulassung ist eine fast endlose Geschichte: Seit 1996 läuft das Verfahren mittlerweile. Die gentechnisch veränderte Kartoffel geriet in die Überarbeitung der europäischen Gentechnikgesetzgebung - auch der Antrag für die Genkartoffel musste überarbeitet werden. 2006 schließlich gab die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) grünes Licht für die Industriekartoffel. Amflora sei genau so sicher für Mensch, Tier und Umwelt wie herkömmliche Kartoffeln.
Doch bei der politischen Abstimmung im europäischen Agrarministerrat im Juli 2007 wurde die für die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen vorgeschriebene notwendige Mehrheit von 74 Prozent der Mitgliedstaaten nicht erreicht. In diesen Fällen sollte die europäische Kommission eine Entscheidung auf der Basis wissenschaftlicher Bewertung treffen. Doch der zuständige Umweltkommissar Stavros Dimas verweist darauf, dass noch nicht alle Sicherheitsaspekte abschließend geklärt seien. Dabei geht es um eine genetisch eingekreuzte Antibiotikaresistenz in der Kartoffel.
BASF verliert die Geduld
Daher bat die EU-Kommission im Mai dieses Jahres die EFSA erneut um eine sogenannte konsolidierte wissenschaftliche Einschätzung. Das Gutachten wurde bis Ende September angefordert, die EFSA will aber erst im Dezember eine erneute Bewertung abgeben. Bei der BASF Plant Science scheint man nun die Geduld zu verlieren: Im Juni hat man wegen des schleppenden Zulassungsverfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof erster Instanz eine Untätigkeitsklage gegen die EU-Kommission eingereicht.
"Es gibt keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Daher wird die EFSA bestätigen, dass das Markergen und somit Amflora sicher ist. Dies hat die Behörde bereits in drei Gutachten festgehalten", erklärt Pressesprecherin Susanne Benner. Somit sei damit zu rechnen, dass die EU-Kommission grünes Licht gebe und man daher im Frühjahr die Kartoffel einpflanzen könne.
Die Genkartoffel ist keine Speisekartoffel. Sie wurde speziell für die Stärkeindustrie entwickelt: Die Kartoffelstärke wird beispielsweise bei der Herstellung von Papier verwendet. Als Oberflächenbeschichtung verhindert sie, dass die Farbe verläuft. In der Textilindustrie werden Garne mit einem Film aus Stärke umgeben, der die Fäden gegen Schmutz schützt und stabiler macht. Zudem ist Kartoffelstärke in Klebern und Waschmitteln enthalten und bindet Produkte wie Spritzbeton und Zahnpasta.
Dabei braucht man vor allem eine bestimmte Stärke, das Amylopektin. Doch in herkömmlichen Kartoffeln ist eine störende Variante, die Amylose, enthalten. Die Trennung der beiden Komponenten ist aufwendig und teuer. Die gentechnisch veränderte Kartoffel produziert nur noch Amylopektin.
Doch zusätzlich zu diesen Genveränderungen wurde ein weiteres genetisches Konstrukt eingebaut: Um im Labor die gentechnisch veränderten Pflanzen von denen unterscheiden zu können, bei denen der Transfer nicht geklappt hat, braucht man sogenannte Markergene. Meist verwendet man dabei Gene für eine Antibiotikaresistenz. Und genau darum geht es bei dem Streit um die Zulassung: Kritiker und Umweltschutzverbände fürchten, dass diese Resistenzgene im Boden von Bakterien aufgenommen werden und an andere und letztlich Mensch und Tier weitergegeben werden könnten. Somit könnten bestimmte in der Medizin eingesetzte Allzweckwaffen gegen Infektionskrankheiten wirkungslos werden.
Harmloser Türöffner
In der fertig entwickelten gentechnisch veränderten Pflanze braucht man diese Markergene nicht mehr. Theoretisch könnte man sie sogar in bestimmten Fällen wieder herauskreuzen: "Möglich ist dies bei Amflora allerdings nicht, da hier das Markergen direkt an das eigentlich gezielt veränderte Gen in der Pflanze gekoppelt ist", erklärt Susanne Benner. Und wenn man eine markerfreie Amflora entwickeln würde, würde es sich, so die Biologin, um eine neue, gentechnisch veränderte Pflanze handeln. Man müsste erneut einen Zulassungsantrag stellen, das ganze Procedere ginge von vorne los. Aber in Zukunft werde man sicherlich andere Markergene verwenden, glaubt sie.
Doch die Kritik an Amflora beschränkt sich nicht auf die Markergene. Man fürchtet, dass mit der Zulassung die Gentechnik auf dem Acker salonfähig wird. Es gebe, so betonen beispielsweise Greenpeace und das gen-ethische Netzwerk, kaum eine gentechnisch veränderte Pflanze, die besser geeignet wäre, der grünen Gentechnik Tür und Tor zu öffnen. Denn anders als bei anderen gentechnisch veränderten Pflanzen wie Mais oder Raps muss man bei Amflora nicht befürchten, dass etwa benachbarte Kartoffelfelder eines Biobauern mit den eingeschmuggelten Genen belastet werden.
Kartoffeln vermehren sich vor allem vegetativ, also ungeschlechtlich. Aus der Mutterknolle wachsen unterirdische Ausläufer, die sich zur Knolle verdicken. Zwar blühen Kartoffeln auch, doch würden Amflora-Pollen eine konventionelle Kartoffel befruchten, würde dies nicht zur Fortpflanzung und Verbreitung führen. Die entstehenden Beeren sind ungenießbar. Auch das sonst so überzeugende Argument, die manipulierten Pflanzen könnten sich unkontrolliert ausbreiten, zieht bei Amflora nicht. Kartoffeln haben in Deutschland keine wilden Verwandten, mit denen sie sich kreuzen könnten.
Von Tanja Volz
Eigentlich sollte Amflora schon längst im Boden sein. Seit Jahren rechnet man bei der BASF Plant Science mit der Genehmigung für die Genkartoffel. Doch die Zulassung ist eine fast endlose Geschichte: Seit 1996 läuft das Verfahren mittlerweile. Die gentechnisch veränderte Kartoffel geriet in die Überarbeitung der europäischen Gentechnikgesetzgebung - auch der Antrag für die Genkartoffel musste überarbeitet werden. 2006 schließlich gab die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) grünes Licht für die Industriekartoffel. Amflora sei genau so sicher für Mensch, Tier und Umwelt wie herkömmliche Kartoffeln.
Doch bei der politischen Abstimmung im europäischen Agrarministerrat im Juli 2007 wurde die für die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen vorgeschriebene notwendige Mehrheit von 74 Prozent der Mitgliedstaaten nicht erreicht. In diesen Fällen sollte die europäische Kommission eine Entscheidung auf der Basis wissenschaftlicher Bewertung treffen. Doch der zuständige Umweltkommissar Stavros Dimas verweist darauf, dass noch nicht alle Sicherheitsaspekte abschließend geklärt seien. Dabei geht es um eine genetisch eingekreuzte Antibiotikaresistenz in der Kartoffel.
BASF verliert die Geduld
Daher bat die EU-Kommission im Mai dieses Jahres die EFSA erneut um eine sogenannte konsolidierte wissenschaftliche Einschätzung. Das Gutachten wurde bis Ende September angefordert, die EFSA will aber erst im Dezember eine erneute Bewertung abgeben. Bei der BASF Plant Science scheint man nun die Geduld zu verlieren: Im Juni hat man wegen des schleppenden Zulassungsverfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof erster Instanz eine Untätigkeitsklage gegen die EU-Kommission eingereicht.
"Es gibt keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Daher wird die EFSA bestätigen, dass das Markergen und somit Amflora sicher ist. Dies hat die Behörde bereits in drei Gutachten festgehalten", erklärt Pressesprecherin Susanne Benner. Somit sei damit zu rechnen, dass die EU-Kommission grünes Licht gebe und man daher im Frühjahr die Kartoffel einpflanzen könne.
Die Genkartoffel ist keine Speisekartoffel. Sie wurde speziell für die Stärkeindustrie entwickelt: Die Kartoffelstärke wird beispielsweise bei der Herstellung von Papier verwendet. Als Oberflächenbeschichtung verhindert sie, dass die Farbe verläuft. In der Textilindustrie werden Garne mit einem Film aus Stärke umgeben, der die Fäden gegen Schmutz schützt und stabiler macht. Zudem ist Kartoffelstärke in Klebern und Waschmitteln enthalten und bindet Produkte wie Spritzbeton und Zahnpasta.
Dabei braucht man vor allem eine bestimmte Stärke, das Amylopektin. Doch in herkömmlichen Kartoffeln ist eine störende Variante, die Amylose, enthalten. Die Trennung der beiden Komponenten ist aufwendig und teuer. Die gentechnisch veränderte Kartoffel produziert nur noch Amylopektin.
Doch zusätzlich zu diesen Genveränderungen wurde ein weiteres genetisches Konstrukt eingebaut: Um im Labor die gentechnisch veränderten Pflanzen von denen unterscheiden zu können, bei denen der Transfer nicht geklappt hat, braucht man sogenannte Markergene. Meist verwendet man dabei Gene für eine Antibiotikaresistenz. Und genau darum geht es bei dem Streit um die Zulassung: Kritiker und Umweltschutzverbände fürchten, dass diese Resistenzgene im Boden von Bakterien aufgenommen werden und an andere und letztlich Mensch und Tier weitergegeben werden könnten. Somit könnten bestimmte in der Medizin eingesetzte Allzweckwaffen gegen Infektionskrankheiten wirkungslos werden.
Harmloser Türöffner
In der fertig entwickelten gentechnisch veränderten Pflanze braucht man diese Markergene nicht mehr. Theoretisch könnte man sie sogar in bestimmten Fällen wieder herauskreuzen: "Möglich ist dies bei Amflora allerdings nicht, da hier das Markergen direkt an das eigentlich gezielt veränderte Gen in der Pflanze gekoppelt ist", erklärt Susanne Benner. Und wenn man eine markerfreie Amflora entwickeln würde, würde es sich, so die Biologin, um eine neue, gentechnisch veränderte Pflanze handeln. Man müsste erneut einen Zulassungsantrag stellen, das ganze Procedere ginge von vorne los. Aber in Zukunft werde man sicherlich andere Markergene verwenden, glaubt sie.
Doch die Kritik an Amflora beschränkt sich nicht auf die Markergene. Man fürchtet, dass mit der Zulassung die Gentechnik auf dem Acker salonfähig wird. Es gebe, so betonen beispielsweise Greenpeace und das gen-ethische Netzwerk, kaum eine gentechnisch veränderte Pflanze, die besser geeignet wäre, der grünen Gentechnik Tür und Tor zu öffnen. Denn anders als bei anderen gentechnisch veränderten Pflanzen wie Mais oder Raps muss man bei Amflora nicht befürchten, dass etwa benachbarte Kartoffelfelder eines Biobauern mit den eingeschmuggelten Genen belastet werden.
Kartoffeln vermehren sich vor allem vegetativ, also ungeschlechtlich. Aus der Mutterknolle wachsen unterirdische Ausläufer, die sich zur Knolle verdicken. Zwar blühen Kartoffeln auch, doch würden Amflora-Pollen eine konventionelle Kartoffel befruchten, würde dies nicht zur Fortpflanzung und Verbreitung führen. Die entstehenden Beeren sind ungenießbar. Auch das sonst so überzeugende Argument, die manipulierten Pflanzen könnten sich unkontrolliert ausbreiten, zieht bei Amflora nicht. Kartoffeln haben in Deutschland keine wilden Verwandten, mit denen sie sich kreuzen könnten.
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