Bibliothek 21
Mehr Besucher als der VfB?
Thomas Braun, veröffentlicht am 11.09.2008
Stuttgart - Die Bibliothek des 21. Jahrhunderts soll der künftige kulturelle Mittelpunkt des Europaviertels hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof werden. OB Wolfgang Schuster hofft sogar auf doppelt so hohe Besucherzahlen wie bei den Bundesligaheimspielen des VfB.
Von Thomas Braun
Am kommenden Donnerstag will das Stuttgarter Kommunalparlament endgültig den Startschuss für das millionenschwere Bauvorhaben am künftigen Mailänder Platz geben. Der Stuttgarter Rathauschef ist erleichtert: "Elfeinhalb Jahre nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats wird aus dem Projekt endlich Wirklichkeit."
Eine Million Leserinteressierte
Dass der Bau des 40 Meter hohen quadratischen Monoliths inmitten einer 15 Zentimeter tiefen Wasserfläche notwendig sei, belegten die gestiegenen Besucherzahlen der Stuttgarter Bibliotheken: In den vergangenen zwölf Jahren sind diese nach Schuster Angaben von 1,6 auf 2,3 Millionen im Jahr angestiegen. Allein die bisherige Stadtbücherei im Wilhelmspalais verzeichnete zuletzt knapp eine Million Leseintereessierte. Und der OB sieht in den neuen Räumen noch Spielraum nach oben: "Ich wette, dass wir mit der neuen Bibliothek doppelt so viele Besucher im Jahr anziehen werden wie der VfB Stuttgart." Schuster rechnet beim Bundesligaklub in der kommenden Saison mit 600.000 bis 700.000 Zuschauern - "zumindest wenn der VfB guten Fußball spielt, was ich hoffe."
Auch Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann betonte, die Bibliothek 21 werde die Stuttgarter Bildungslandschaft bereichern. Mit ihr entstehe zugleich ein Ort der Kommunikation und Begegnung. Das Angebot eröffne den Besuchern eine "völlig neue Dimensionen der Wissensvermittlung". Für die stetige Aktualisierung des Medienetats werde die Stadt zusätzlich 250000 Euro bereitstellen. Eisenmann sagte, die Einrichtung stelle auch ein Beitrag zur Chancengleichheit dar: In einer eigenen Kinderbibliothek könnten sich Kinder und Jugendliche unabhängig von Herkunft und kulturellem Hintergrund kostenlos Wissen aneignen.
Technikbürgermeister Dirk Thürnau blieb es vorbehalten, ein bisschen Wasser in den Wein zu gießen. Der im Juli 2007 vom Gemeinderat beschlossene Kostendeckel in Höhe von 74,1 Millionen Euro werde nach derzeitigem Stand zwar nur um 530000 Euro (0,7 Prozent) überschritten. Weil allerdings erst 68 Prozent der Bauleistungen ausgeschrieben sind, erwartet Thürnau aufgrund steigender Baupreise am Ende Gesamtkosten von 79 Millionen Euro. Stolz ist der Technikbürgermeister auf die energetische Konzeption der Bibliothek. Das neue Gebäude, dessen Dach mit Photovoltaikzellen bestückt und über geothermische Anlagen geheizt wird, liege damit um 40 Prozent unter der Energieeinsparungsverordnung. Ein positives Votum der Stadträte vorausgesetzt, rechnet der Bürgermeister mit einem Baubeginn noch im November.
Im Gemeinderat zeichnet sich trotz der absehbaren Kostensteigerung eine breite Mehrheit für den Baubeschluss ab. Die Vorsitzende der größten Ratsfraktion, Iris Ripsam (CDU), sieht in der Bibliothek eine zukunftsweisende Einrichtung: "Es wird Zeit, dass die Bürger sehen, dass sich auf dem Gelände etwas bewegt." Das neue Europaquartier bekomme langsam "ein Gesicht".
Alles soll wie am Schnürchen laufen
SPD-Fraktionschef Manfred Kanzleiter will da nicht nachstehen: "Wir haben die Bibliothek an dieser Stelle immer für richtig gehalten. Sie ist genau die zentrale Einrichtung, die für die Publikumsfrequenz des Geländes A1 hinter dem Hauptbahnhof notwendig ist." Der Bau unterstreiche den öffentlichen Charakter des Areals. Er gehe davon aus, dass bis zum Baubeschluss die Finanzierungsvereinbarung über das Bahnprojekt Stuttgart 21 unterschriftsreif sei und nach deren für Oktober angekündigten Unterzeichnung einen Monat später mit dem Bau begonnen werden könne. Ein formelles Junktim zwischen dem Kontrakt und dem Baubeschluss für den Bibliothekswürfel am Mailänder Platz sieht der Sozialdemokrat aber nicht: "Wir vertrauen darauf, dass bei Stuttgart 21 alles so läuft wie angekündigt."
Für die Grünen, die lange Zeit gegen den Standort opponiert und unter anderem zu wenige Toilettenanlagen moniert hatten, sicherte ihr kulturpolitischer Sprecher Michael Kienzle dem Projekt ebenfalls die Unterstützung seiner Fraktion zu: "Wir haben uns bei dem Thema mitunter schwer getan, waren aber immer von der Notwendigkeit eines Neubaus überzeugt." Deshalb nehme man auch in Kauf, dass der Würfel "für's erste in der Pampa steht". Die Grünen legten aber Wert auf optimale energetische Standards. "Die Probleme, die es diesbezüglich beim Kunstmuseum gegeben hat, dürfen sich nicht wiederholen", so Kienzle. Falls das Bahnprojekt Stuttgart 21 doch noch scheitert, woran Kienzle freilich selbst nicht so recht glauben mag, ändere dies nichts daran, dass "wir die neue Bibliothek brauchen."
Von Thomas Braun
Am kommenden Donnerstag will das Stuttgarter Kommunalparlament endgültig den Startschuss für das millionenschwere Bauvorhaben am künftigen Mailänder Platz geben. Der Stuttgarter Rathauschef ist erleichtert: "Elfeinhalb Jahre nach dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats wird aus dem Projekt endlich Wirklichkeit."
Eine Million Leserinteressierte
Dass der Bau des 40 Meter hohen quadratischen Monoliths inmitten einer 15 Zentimeter tiefen Wasserfläche notwendig sei, belegten die gestiegenen Besucherzahlen der Stuttgarter Bibliotheken: In den vergangenen zwölf Jahren sind diese nach Schuster Angaben von 1,6 auf 2,3 Millionen im Jahr angestiegen. Allein die bisherige Stadtbücherei im Wilhelmspalais verzeichnete zuletzt knapp eine Million Leseintereessierte. Und der OB sieht in den neuen Räumen noch Spielraum nach oben: "Ich wette, dass wir mit der neuen Bibliothek doppelt so viele Besucher im Jahr anziehen werden wie der VfB Stuttgart." Schuster rechnet beim Bundesligaklub in der kommenden Saison mit 600.000 bis 700.000 Zuschauern - "zumindest wenn der VfB guten Fußball spielt, was ich hoffe."
Auch Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann betonte, die Bibliothek 21 werde die Stuttgarter Bildungslandschaft bereichern. Mit ihr entstehe zugleich ein Ort der Kommunikation und Begegnung. Das Angebot eröffne den Besuchern eine "völlig neue Dimensionen der Wissensvermittlung". Für die stetige Aktualisierung des Medienetats werde die Stadt zusätzlich 250000 Euro bereitstellen. Eisenmann sagte, die Einrichtung stelle auch ein Beitrag zur Chancengleichheit dar: In einer eigenen Kinderbibliothek könnten sich Kinder und Jugendliche unabhängig von Herkunft und kulturellem Hintergrund kostenlos Wissen aneignen.
Technikbürgermeister Dirk Thürnau blieb es vorbehalten, ein bisschen Wasser in den Wein zu gießen. Der im Juli 2007 vom Gemeinderat beschlossene Kostendeckel in Höhe von 74,1 Millionen Euro werde nach derzeitigem Stand zwar nur um 530000 Euro (0,7 Prozent) überschritten. Weil allerdings erst 68 Prozent der Bauleistungen ausgeschrieben sind, erwartet Thürnau aufgrund steigender Baupreise am Ende Gesamtkosten von 79 Millionen Euro. Stolz ist der Technikbürgermeister auf die energetische Konzeption der Bibliothek. Das neue Gebäude, dessen Dach mit Photovoltaikzellen bestückt und über geothermische Anlagen geheizt wird, liege damit um 40 Prozent unter der Energieeinsparungsverordnung. Ein positives Votum der Stadträte vorausgesetzt, rechnet der Bürgermeister mit einem Baubeginn noch im November.
Im Gemeinderat zeichnet sich trotz der absehbaren Kostensteigerung eine breite Mehrheit für den Baubeschluss ab. Die Vorsitzende der größten Ratsfraktion, Iris Ripsam (CDU), sieht in der Bibliothek eine zukunftsweisende Einrichtung: "Es wird Zeit, dass die Bürger sehen, dass sich auf dem Gelände etwas bewegt." Das neue Europaquartier bekomme langsam "ein Gesicht".
Alles soll wie am Schnürchen laufen
SPD-Fraktionschef Manfred Kanzleiter will da nicht nachstehen: "Wir haben die Bibliothek an dieser Stelle immer für richtig gehalten. Sie ist genau die zentrale Einrichtung, die für die Publikumsfrequenz des Geländes A1 hinter dem Hauptbahnhof notwendig ist." Der Bau unterstreiche den öffentlichen Charakter des Areals. Er gehe davon aus, dass bis zum Baubeschluss die Finanzierungsvereinbarung über das Bahnprojekt Stuttgart 21 unterschriftsreif sei und nach deren für Oktober angekündigten Unterzeichnung einen Monat später mit dem Bau begonnen werden könne. Ein formelles Junktim zwischen dem Kontrakt und dem Baubeschluss für den Bibliothekswürfel am Mailänder Platz sieht der Sozialdemokrat aber nicht: "Wir vertrauen darauf, dass bei Stuttgart 21 alles so läuft wie angekündigt."
Für die Grünen, die lange Zeit gegen den Standort opponiert und unter anderem zu wenige Toilettenanlagen moniert hatten, sicherte ihr kulturpolitischer Sprecher Michael Kienzle dem Projekt ebenfalls die Unterstützung seiner Fraktion zu: "Wir haben uns bei dem Thema mitunter schwer getan, waren aber immer von der Notwendigkeit eines Neubaus überzeugt." Deshalb nehme man auch in Kauf, dass der Würfel "für's erste in der Pampa steht". Die Grünen legten aber Wert auf optimale energetische Standards. "Die Probleme, die es diesbezüglich beim Kunstmuseum gegeben hat, dürfen sich nicht wiederholen", so Kienzle. Falls das Bahnprojekt Stuttgart 21 doch noch scheitert, woran Kienzle freilich selbst nicht so recht glauben mag, ändere dies nichts daran, dass "wir die neue Bibliothek brauchen."
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