Das Chronische Müdigkeitssyndrom
Völlig erschöpft wird der Alltag zur ständigen Qual
Tanja Volz, veröffentlicht am 16.09.2008
Stuttgart - Viele Menschen ahnen nicht, dass sie krank sind. Die Dunkelziffer beim Chronischen Erschöpfungssyndrom ist hoch. Doch die Erkrankung sollte erkannt und behandelt werden, denn wer ständig müde ist, kann im beruflichen und privaten Alltag kaum mehr bestehen.
Von Tanja Volz
"Das Schlimmste ist nicht, dass ich jeden Tag völlig erschöpft mit bleischweren Beinen aufwache oder dass mein Gedächtnis streikt und jeder Muskel in meinem Körper schmerzt. Das Schlimmste ist noch nicht einmal, dass jeder denkt, ich würde mir das alles nur einbilden. Das Schlimmste an dem Chronischen Erschöpfungssyndrom ist, zusehen zu müssen, wie mein Leben an mir vorbeizieht." Mit diesen Worten beschreibt eine Patientin in einem Film des amerikanischen Gesundheitsministeriums ihren Alltag mit einer Erkrankung, die als Chronic-Fatigue-Syndrom (CSF) bezeichnet wird.
Der kurze Film ist Teil einer amerikanischen Aufklärungskampagne, die dazu dient, die eher unbekannte Krankheit ins Rampenlicht zu rücken. Der Film endet mit dem Aufruf, sich über dieses Leiden zu informieren. Betroffene sollten sich nicht zurückziehen, sondern einen Arzt aufsuchen.
Keine oder eine falsche Diagnose
Wie viele Menschen wirklich von der Krankheit betroffen sind, ist nicht klar. Bis jetzt gibt es in Deutschland keine wissenschaftliche Erhebung. Jedoch zeigen Studien in Großbritannien und den USA, dass zwischen 0,24 bis 0,42 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Da CFS in Deutschland kaum bekannt ist, erhalten die meisten Patienten vermutlich keine oder eine falsche Diagnose.
Schwierig an dieser Erkrankung ist die Vielzahl der Symptome: Die CSF beginnt oft schlagartig, innerhalb weniger Stunden oder Tage. Betroffene klagen über ein grippeartiges Gefühl: Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen lassen an eine nahende heftige Erkältung denken. Allerdings verschwinden diese Symptome nicht wieder. Im Gegenteil, sie werden schlimmer, und hinzu kommen eine grenzenlose Müdigkeit und oft starke Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Gliedern in unterschiedlichen Regionen des Körpers. Belastend wird schließlich die lähmende körperliche und geistige Erschöpfung, die sich auch in Ruhephasen nicht bessert. Hinzu kommen individuell ganz unterschiedliche und vielfältige Begleiterscheinungen wie etwa Allergien, Schwindel, Depressionen oder Magen-Darm-Beschwerden. Für Menschen mit CFS wird der Alltag zur Qual. Sie verfügen nur noch über einen winzigen Bruchteil ihrer früheren Energie. Sie sind nicht mehr in der Lage, Stress im Beruf, in der Partnerschaft oder der Familie zu bewältigen.
Weltweit wird nach den Ursachen der CSF gesucht, bisher ohne Erfolg. Die Erbanlagen können ebenso eine Rolle spielen wie Viren oder Umweltgifte. Auch lange anhaltender Stress kommt als auslösender Faktor infrage. Verschiedene Forschungsarbeiten beleuchten verschiedene Aspekte der Erkrankung. Einige Forschergruppen haben Veränderungen des Gehirns festgestellt. So entdeckten niederländische Wissenschaftler, dass die gesamte graue Substanz bei den von ihnen untersuchten CSF-Patienten reduziert ist.
Auch die genetischen Aktivitäten verändern sich bei den Betroffenen. Vermutlich spielen diese Gene eine Rolle, wenn Stress auftritt. Auch das Hormonsystem kann gestört sein. Bei einigen Patienten befindet sich das Immunsystem in einem dauernden Alarmzustand. Möglicherweise funktionieren auch die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, nicht mehr richtig. Die Liste der Veränderungen ist lang und zeigt, dass das Leiden eine organische Krankheit ist und nicht den psychosomatischen Erkrankungen zugeordnet werden sollte.
Eine allgemein gültige Behandlung gibt es nicht
Doch aufgrund dieser vielen verschiedenen Faktoren ist eine Diagnose schwierig. Es gibt keinen Test im Labor, und die Symptome können auch bei anderen Erkrankungen als Begleiterscheinungen auftreten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gibt in einem Merkblatt lediglich eine Orientierungshilfe. Eine allgemein gültige Behandlung gibt es bis jetzt nicht.
Fachleute empfehlen das sogenannte Pacing: Dies bedeutet, dass man sich zunächst bremst und einen Gang zurückschaltet. Man sollte die individuelle Belastungsgrenze nie überschreiten. Diese Belastungsgrenze kann sehr unterschiedlich sein und muss vom Patienten selbst ermittelt werden. Alltägliche Aufgaben sollten in kleinen Portionen erledigt werden. Dazwischen braucht der Betroffene immer wieder Ruhephasen. Verbessert sich der Zustand, kann sich der CSF-Patient auch wieder etwas mehr zumuten - allerdings nur, wenn die Symptome sich dadurch nicht wieder verstärken. Symptome wie Schlaflosigkeit oder Depressionen sollten gesondert behandelt werden. Fachleute geben jedoch zu bedenken, dass Betroffene auf Medikamente empfindlicher reagieren. Auch der richtige Umgang mit Stress sollte gelernt werden, eine psychologische Beratung hilft dabei.
Informationen:
www.fatigatio.de
www.cfs-portal.de
www.cfs-aktuell.de
Von Tanja Volz
"Das Schlimmste ist nicht, dass ich jeden Tag völlig erschöpft mit bleischweren Beinen aufwache oder dass mein Gedächtnis streikt und jeder Muskel in meinem Körper schmerzt. Das Schlimmste ist noch nicht einmal, dass jeder denkt, ich würde mir das alles nur einbilden. Das Schlimmste an dem Chronischen Erschöpfungssyndrom ist, zusehen zu müssen, wie mein Leben an mir vorbeizieht." Mit diesen Worten beschreibt eine Patientin in einem Film des amerikanischen Gesundheitsministeriums ihren Alltag mit einer Erkrankung, die als Chronic-Fatigue-Syndrom (CSF) bezeichnet wird.
Der kurze Film ist Teil einer amerikanischen Aufklärungskampagne, die dazu dient, die eher unbekannte Krankheit ins Rampenlicht zu rücken. Der Film endet mit dem Aufruf, sich über dieses Leiden zu informieren. Betroffene sollten sich nicht zurückziehen, sondern einen Arzt aufsuchen.
Keine oder eine falsche Diagnose
Wie viele Menschen wirklich von der Krankheit betroffen sind, ist nicht klar. Bis jetzt gibt es in Deutschland keine wissenschaftliche Erhebung. Jedoch zeigen Studien in Großbritannien und den USA, dass zwischen 0,24 bis 0,42 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Da CFS in Deutschland kaum bekannt ist, erhalten die meisten Patienten vermutlich keine oder eine falsche Diagnose.
Schwierig an dieser Erkrankung ist die Vielzahl der Symptome: Die CSF beginnt oft schlagartig, innerhalb weniger Stunden oder Tage. Betroffene klagen über ein grippeartiges Gefühl: Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen lassen an eine nahende heftige Erkältung denken. Allerdings verschwinden diese Symptome nicht wieder. Im Gegenteil, sie werden schlimmer, und hinzu kommen eine grenzenlose Müdigkeit und oft starke Schmerzen in Muskeln, Gelenken und Gliedern in unterschiedlichen Regionen des Körpers. Belastend wird schließlich die lähmende körperliche und geistige Erschöpfung, die sich auch in Ruhephasen nicht bessert. Hinzu kommen individuell ganz unterschiedliche und vielfältige Begleiterscheinungen wie etwa Allergien, Schwindel, Depressionen oder Magen-Darm-Beschwerden. Für Menschen mit CFS wird der Alltag zur Qual. Sie verfügen nur noch über einen winzigen Bruchteil ihrer früheren Energie. Sie sind nicht mehr in der Lage, Stress im Beruf, in der Partnerschaft oder der Familie zu bewältigen.
Weltweit wird nach den Ursachen der CSF gesucht, bisher ohne Erfolg. Die Erbanlagen können ebenso eine Rolle spielen wie Viren oder Umweltgifte. Auch lange anhaltender Stress kommt als auslösender Faktor infrage. Verschiedene Forschungsarbeiten beleuchten verschiedene Aspekte der Erkrankung. Einige Forschergruppen haben Veränderungen des Gehirns festgestellt. So entdeckten niederländische Wissenschaftler, dass die gesamte graue Substanz bei den von ihnen untersuchten CSF-Patienten reduziert ist.
Auch die genetischen Aktivitäten verändern sich bei den Betroffenen. Vermutlich spielen diese Gene eine Rolle, wenn Stress auftritt. Auch das Hormonsystem kann gestört sein. Bei einigen Patienten befindet sich das Immunsystem in einem dauernden Alarmzustand. Möglicherweise funktionieren auch die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, nicht mehr richtig. Die Liste der Veränderungen ist lang und zeigt, dass das Leiden eine organische Krankheit ist und nicht den psychosomatischen Erkrankungen zugeordnet werden sollte.
Eine allgemein gültige Behandlung gibt es nicht
Doch aufgrund dieser vielen verschiedenen Faktoren ist eine Diagnose schwierig. Es gibt keinen Test im Labor, und die Symptome können auch bei anderen Erkrankungen als Begleiterscheinungen auftreten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gibt in einem Merkblatt lediglich eine Orientierungshilfe. Eine allgemein gültige Behandlung gibt es bis jetzt nicht.
Fachleute empfehlen das sogenannte Pacing: Dies bedeutet, dass man sich zunächst bremst und einen Gang zurückschaltet. Man sollte die individuelle Belastungsgrenze nie überschreiten. Diese Belastungsgrenze kann sehr unterschiedlich sein und muss vom Patienten selbst ermittelt werden. Alltägliche Aufgaben sollten in kleinen Portionen erledigt werden. Dazwischen braucht der Betroffene immer wieder Ruhephasen. Verbessert sich der Zustand, kann sich der CSF-Patient auch wieder etwas mehr zumuten - allerdings nur, wenn die Symptome sich dadurch nicht wieder verstärken. Symptome wie Schlaflosigkeit oder Depressionen sollten gesondert behandelt werden. Fachleute geben jedoch zu bedenken, dass Betroffene auf Medikamente empfindlicher reagieren. Auch der richtige Umgang mit Stress sollte gelernt werden, eine psychologische Beratung hilft dabei.
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