Kulturprojekte
Stadtbibliothek soll das neue Europaviertel beleben
Thomas Borgmann, veröffentlicht am 17.09.2008
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Stuttgart - Die Landeshauptstadt nimmt zwei weitere große Kulturprojekte in Angriff. Am Donnerstag fasst der Gemeinderat den Baubeschluss für die Bibliothek 21. Mitte Oktober wird der Realisierungswettbewerb für das neue Stadtmuseum im Wilhelmspalais ausgeschrieben.
Von Thomas Borgmann
Seit Tagen schon weilt der in Köln ansässige koreanische Architekt Eun Young Yi mit seinen Mitarbeitern in Stuttgart. Die Gäste wollen hautnah miterleben, wie das Stadtparlament und seine Gremien den Bau der Bibliothek 21 auf den Weg bringen. 1999 hatten Yi und sein Büro den von der Stadt ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gewonnen. Dass bis zum ersten Spatenstich im kommenden November fast zehn Jahre vergangen sind, kommentiert der Architekt immer wieder mit demselben Satz: "Große Projekte brauchen ihre Zeit, das ist für mich nichts Ungewöhnliches. Hauptsache, sie werden verwirklicht. Wir freuen uns sehr, dass es mit dem Bau der Bibliothek bald losgeht."
Die Vorarbeiten laufen seit Monaten
Seit Monaten laufen die Vorarbeiten für das knapp 75 Millionen Euro teure Kulturprojekt bei der Stadt auf Hochtouren. Selbst die Vergabe der ersten Rohbauarbeiten ist so weit fortgeschritten, dass im November begonnen werden kann. Gleichwohl muss der Gemeinderat, um den Regularien der Kommunalverfassung Genüge zu tun, als Erstes den formalen Baubeschluss für die Bibliothek fassen. Dies geschieht am Donnerstagnachmittag in öffentlicher Sitzung (Beginn 16.30 Uhr).
Die Ratsfraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern haben bereits ihre Zustimmung signalisiert - eine breite Mehrheit im Stadtparlament ist also gesichert. Der Finanzausschuss des Gemeinderats hat die Beschlussvorlage am Mittwoch früh ohne jegliche Debatte passieren lassen und einstimmig gebilligt. Am Donnerstag werden der Oberbürgermeister und die Fraktionen das zweite große Kulturprojekt in Stuttgart binnen weniger Jahre - nach dem Bau des Kunstmuseums am Schlossplatz - in Grundsatzreden politisch einordnen.
Untrennbar verbunden mit dem Bau der neuen Bibliothek 21 ist die Zukunft des Wilhelmspalais am Charlottenplatz, wo die Stadtbücherei seit dem Wiederaufbau zu Beginn der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts residiert. Ursprünglich diente das 1836 von Hofbaumeister Giovanni Salucci erbaute Palais den Mitgliedern der württembergischen Königsfamilie als Wohnsitz; König Wilhelm II. lebte dort bis zu seiner Abdankung im Jahr 1918. Unter den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs brannte das Gebäude im Sommer 1944 vollständig aus. Seit vielen Jahren schon gilt das Wilhelmspalais als viel zu klein für die Stadtbücherei; die Sammlung des Stuttgarter Stadtarchivs, die über Jahrzehnte ein Stockwerk belegt hatte, ist in den neunziger Jahren ausgezogen.
Erstes eigenes Stadtmuseum
Apropos Stadtgeschichte. Wenn die Stadtbücherei im Sommer 2011 ihr altes Stammhaus am Charlottenplatz verlässt, wird es innen grundlegend umgebaut, damit Ende 2012 das neue Stadtmuseum eröffnet werden kann. Die Weichen dafür, dass Stuttgart zum ersten Mal in seiner Geschichte ein eigenen Stadtmuseum bekommt, werden bereits in den nächsten Wochen gestellt. Schon am Dienstag befasst sich der Ausschuss für Kultur und Medien mit dem Projekt, im Oktober folgen die Ausschüsse des Gemeinderats - am 16. Oktober soll die Vollversammlung einen Grundsatzbeschluss fällen über das Konzept des Museums sowie über das Raumprogramm.
Außerdem soll der Rat grünes Licht geben für die Ausschreibung eines europaweiten Realisierungswettbewerbs, zu dem rund zwanzig Büros von Architekten und Museumsgestaltern eingeladen werden. Der Wettbewerb beginnt im Januar 2009 und soll im Mai entschieden werden. Die Kosten für das neue Stadtmuseum werden nach ersten Berechnungen auf knapp 30 Millionen Euro veranschlagt. Im Rathaus geht man davon aus, dass auch dieses Projekt im Gemeinderat eine breite Mehrheit finden wird.
Die Bibliothek ist freilich nicht der einzige Neubau auf dem Gelände von Stuttgart 21 direkt am Hauptbahnhof. Er gilt vielmehr als Startschuss für die weitere Aufsiedlung des sogenannten Europaviertels. Mit der Bibliothek baut die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) eine neue Trasse durch das Quartier, um die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zu schaffen.
Außerdem starten nächstes Jahr drei weitere Neubauten: Die LBBW Immobilien errichten ihr neues Stammhaus mit einem Anteil von Wohnungen, das Mannheimer Unternehmen Fay und die Gero Real Estate bauen einen reinen Bürokomplex. Schließlich errichtet das in München ansässige Unternehmen Reiß und Co. Real Estate ein Gebäude, das auf drei Viertel der Fläche Wohnungen enthält.
Von Thomas Borgmann
Seit Tagen schon weilt der in Köln ansässige koreanische Architekt Eun Young Yi mit seinen Mitarbeitern in Stuttgart. Die Gäste wollen hautnah miterleben, wie das Stadtparlament und seine Gremien den Bau der Bibliothek 21 auf den Weg bringen. 1999 hatten Yi und sein Büro den von der Stadt ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gewonnen. Dass bis zum ersten Spatenstich im kommenden November fast zehn Jahre vergangen sind, kommentiert der Architekt immer wieder mit demselben Satz: "Große Projekte brauchen ihre Zeit, das ist für mich nichts Ungewöhnliches. Hauptsache, sie werden verwirklicht. Wir freuen uns sehr, dass es mit dem Bau der Bibliothek bald losgeht."
Die Vorarbeiten laufen seit Monaten
Seit Monaten laufen die Vorarbeiten für das knapp 75 Millionen Euro teure Kulturprojekt bei der Stadt auf Hochtouren. Selbst die Vergabe der ersten Rohbauarbeiten ist so weit fortgeschritten, dass im November begonnen werden kann. Gleichwohl muss der Gemeinderat, um den Regularien der Kommunalverfassung Genüge zu tun, als Erstes den formalen Baubeschluss für die Bibliothek fassen. Dies geschieht am Donnerstagnachmittag in öffentlicher Sitzung (Beginn 16.30 Uhr).
Die Ratsfraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern haben bereits ihre Zustimmung signalisiert - eine breite Mehrheit im Stadtparlament ist also gesichert. Der Finanzausschuss des Gemeinderats hat die Beschlussvorlage am Mittwoch früh ohne jegliche Debatte passieren lassen und einstimmig gebilligt. Am Donnerstag werden der Oberbürgermeister und die Fraktionen das zweite große Kulturprojekt in Stuttgart binnen weniger Jahre - nach dem Bau des Kunstmuseums am Schlossplatz - in Grundsatzreden politisch einordnen.
Untrennbar verbunden mit dem Bau der neuen Bibliothek 21 ist die Zukunft des Wilhelmspalais am Charlottenplatz, wo die Stadtbücherei seit dem Wiederaufbau zu Beginn der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts residiert. Ursprünglich diente das 1836 von Hofbaumeister Giovanni Salucci erbaute Palais den Mitgliedern der württembergischen Königsfamilie als Wohnsitz; König Wilhelm II. lebte dort bis zu seiner Abdankung im Jahr 1918. Unter den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs brannte das Gebäude im Sommer 1944 vollständig aus. Seit vielen Jahren schon gilt das Wilhelmspalais als viel zu klein für die Stadtbücherei; die Sammlung des Stuttgarter Stadtarchivs, die über Jahrzehnte ein Stockwerk belegt hatte, ist in den neunziger Jahren ausgezogen.
Erstes eigenes Stadtmuseum
Apropos Stadtgeschichte. Wenn die Stadtbücherei im Sommer 2011 ihr altes Stammhaus am Charlottenplatz verlässt, wird es innen grundlegend umgebaut, damit Ende 2012 das neue Stadtmuseum eröffnet werden kann. Die Weichen dafür, dass Stuttgart zum ersten Mal in seiner Geschichte ein eigenen Stadtmuseum bekommt, werden bereits in den nächsten Wochen gestellt. Schon am Dienstag befasst sich der Ausschuss für Kultur und Medien mit dem Projekt, im Oktober folgen die Ausschüsse des Gemeinderats - am 16. Oktober soll die Vollversammlung einen Grundsatzbeschluss fällen über das Konzept des Museums sowie über das Raumprogramm.
Außerdem soll der Rat grünes Licht geben für die Ausschreibung eines europaweiten Realisierungswettbewerbs, zu dem rund zwanzig Büros von Architekten und Museumsgestaltern eingeladen werden. Der Wettbewerb beginnt im Januar 2009 und soll im Mai entschieden werden. Die Kosten für das neue Stadtmuseum werden nach ersten Berechnungen auf knapp 30 Millionen Euro veranschlagt. Im Rathaus geht man davon aus, dass auch dieses Projekt im Gemeinderat eine breite Mehrheit finden wird.
Die Bibliothek ist freilich nicht der einzige Neubau auf dem Gelände von Stuttgart 21 direkt am Hauptbahnhof. Er gilt vielmehr als Startschuss für die weitere Aufsiedlung des sogenannten Europaviertels. Mit der Bibliothek baut die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) eine neue Trasse durch das Quartier, um die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zu schaffen.
Außerdem starten nächstes Jahr drei weitere Neubauten: Die LBBW Immobilien errichten ihr neues Stammhaus mit einem Anteil von Wohnungen, das Mannheimer Unternehmen Fay und die Gero Real Estate bauen einen reinen Bürokomplex. Schließlich errichtet das in München ansässige Unternehmen Reiß und Co. Real Estate ein Gebäude, das auf drei Viertel der Fläche Wohnungen enthält.
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