Die Kunst des negativen Denkens
Aufsässiger Rolli-Fahrer
Ruprecht Skasa-Weiß, veröffentlicht am 18.09.2008
Filmbeschreibung
Prima Filmtitel. Endlich kommt uns mal einer negativ, kunstvoll, denkend! "Think positive", diese Devise selbst ernannter Coaching-Professoren, reizt doch nur noch zum Spott. Also erwartet man längst die Satire, die den Feel-good-Seim führender Weisheitsexperten umfärbt ins Tintenschwarze. Denn wir gieren nach Negativem, wollen's bissig, zynisch, aufsässig, obstruktiv - weil Ätzendes doch viel erfrischender ist. Und auch geistreicher, meistens.
Aber "Die Kunst des negativen Denkens" ist nicht bissig, nicht geistreich, es geht darin auch gar nicht ums Denken, sondern ums Fühlen - was eben Krüppel, schwerstbeschädigte Menschen beschäftigen muss: wie sie ihr Leben "meistern". Das will er zeigen, der Film, und zwar in einer Art von fortgesetztem Gruppen-Coming-out, provoziert durch therapeutische Konfrontationen; ein krudes Kammerspiel, skandinavisch polternd, mit "dogmatisch" geschwenkter Handkamera, an von Triers "Idioten" gemahnend. Das Experiment, das viehisch, doch halbwegs glückhaft missrät, war die Idee der Therapeutin Tori. Penetrant positiv denkend, wollte sie ihrem Behindertentrupp einen neuen Aktionskreis eröffnen, indem sie die Armen mitnahm zu einem anderen Armen. Der sitzt querschnittgelähmt und jointrauchend in seiner Villa, süchtig nach Johnny-Cash-Gedröhn und Weltuntergangskino, und mag kaum mehr leben.
"Verpisst euch, ihr behinderten Ärsche!"schreit er sofort, als der Trupp unterm Fenster auftaucht. Seit seinem Autounfall ist er durchdrungen von eitel Negativität, ein Rollstuhl-Rübezahl, gallig aus Prinzip, trotz liebender Gattin. Er und die Positivdenkerin Tori, die an Wochenziele und an galleabführende Kotzbeutel glaubt - das wäre schon eine Konstellation für eine schwarze Komödie. Aber Brad Breien, der Regisseur, lässt Tori nach dem ersten Filmdrittel das Weite suchen, erst ganz am Ende darf sie wieder aufkreuzen. Bis dahin passiert pausenlos Wüstes: Tobsuchtsanfälle, Selbstmordversuche, Russisch-Roulette-Spiele, kurz, jeder hat seinen Ausbruch, fad und vorhersehbar. "Feelbad-Komödie" nennt der Norweger Breien den Film. Belachen kann man diese Komödie allerdings kaum - man fühlt sich zu schlecht.
Aber "Die Kunst des negativen Denkens" ist nicht bissig, nicht geistreich, es geht darin auch gar nicht ums Denken, sondern ums Fühlen - was eben Krüppel, schwerstbeschädigte Menschen beschäftigen muss: wie sie ihr Leben "meistern". Das will er zeigen, der Film, und zwar in einer Art von fortgesetztem Gruppen-Coming-out, provoziert durch therapeutische Konfrontationen; ein krudes Kammerspiel, skandinavisch polternd, mit "dogmatisch" geschwenkter Handkamera, an von Triers "Idioten" gemahnend. Das Experiment, das viehisch, doch halbwegs glückhaft missrät, war die Idee der Therapeutin Tori. Penetrant positiv denkend, wollte sie ihrem Behindertentrupp einen neuen Aktionskreis eröffnen, indem sie die Armen mitnahm zu einem anderen Armen. Der sitzt querschnittgelähmt und jointrauchend in seiner Villa, süchtig nach Johnny-Cash-Gedröhn und Weltuntergangskino, und mag kaum mehr leben.
"Verpisst euch, ihr behinderten Ärsche!"schreit er sofort, als der Trupp unterm Fenster auftaucht. Seit seinem Autounfall ist er durchdrungen von eitel Negativität, ein Rollstuhl-Rübezahl, gallig aus Prinzip, trotz liebender Gattin. Er und die Positivdenkerin Tori, die an Wochenziele und an galleabführende Kotzbeutel glaubt - das wäre schon eine Konstellation für eine schwarze Komödie. Aber Brad Breien, der Regisseur, lässt Tori nach dem ersten Filmdrittel das Weite suchen, erst ganz am Ende darf sie wieder aufkreuzen. Bis dahin passiert pausenlos Wüstes: Tobsuchtsanfälle, Selbstmordversuche, Russisch-Roulette-Spiele, kurz, jeder hat seinen Ausbruch, fad und vorhersehbar. "Feelbad-Komödie" nennt der Norweger Breien den Film. Belachen kann man diese Komödie allerdings kaum - man fühlt sich zu schlecht.
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