Schule gefunden
Ein Happy End für sechs behinderte Kinder
Akiko Lachenmann, veröffentlicht am 24.09.2008
Ostfildern - Die Geschichte von sechs behinderten Grundschülern, über die im Januar an dieser Stelle berichtet worden ist, hat ein Happy End. Ihre Suche nach einer weiterführenden Regelschule drohte zu scheitern. Doch es kam anders.
Von Akiko Lachenmann
Chronik einer überraschenden Wende. Die meisten Kinder haben vor Aufregung kaum geschlafen. In kleinen Gruppen stehen die neuen Fünftklässler auf dem Pausenhof der Erich-Kästner-Hauptschule in Ostfildern. Gleich beginnt die Einführungsveranstaltung. Sie blicken verstohlen um sich, umklammern Mamas Hand. "Da kommt Julius", ruft Lisette. Sie rennt ihm entgegen und fällt dem Jungen in die Arme. Elisabeth und Katharina hängen sich mit ein. Wer hätte gedacht, dass sich die Grundschüler von der Klosterhofschule so schnell wiedersehen würden.
Julius ist mit Down-Syndrom geboren. Gemeinsam mit fünf anderen behinderten Kindern hat er eine Grundschule besucht. Offiziell war Julius Schüler eines Sonderschulzentrums in Esslingen. Als sogenannte Außenklasse, eine bewährte Maßnahme zur Integration behinderter Kinder, konnten die sechs Behinderten jedoch an einer gewöhnlichen Schule unterrichtet werden.
Kein rechtlicher Anspruch
Bis zur vierten Klasse. Anders als ihre Mitschüler erhielten sie keine Einladung von einer weiterführenden Regelschule. Dabei hatten sich Behörden und Eltern zwei Jahre lang darum bemüht. 25 Schulen im Landkreis waren informiert, doch es scheiterte an Raumnot und anderen praktischen Problemen. Der rechtliche Anspruch behinderter Menschen auf "Teilhabe am gesellschaftlichen Leben" half den sechs Kindern auch nicht weiter.
Die Stuttgarter Zeitung berichtete darüber am 29. Januar 2008. Julius und seine behinderten Mitschüler hatten sich damals schon innerlich darauf eingestellt, wieder zurück an die Sonderschule zu gehen. Abschiedsstimmung lag über den Klassen 4b und 4c, die von wenigen Leistungsfächern abgesehen vier Jahre lang gemeinsam die Schulbank gedrückt haben. "Alle sind in meinem Herzen", so hatte Annika, ein Mädchen mit Down-Syndrom, ihre Trauer damals zum Ausdruck gebracht.
Doch das Blatt hat sich überraschend gewendet. Kaum war der Bericht erschienen, erhielt Udo Lang einen Anruf vom Schulamt. Lang ist Rektor der Erich-Kästner-Hauptschule in Ostfilderns Stadtteil Nellingen, die von der Klosterhofschule nur 800 Meter entfernt liegt. Es war nicht der erste Kontakt in dieser Sache, wie Mitarbeiter des Schulamts betonen. Doch nach dieser Anfrage kam der Stein ins Rollen.
Lang prüfte zunächst, ob im Schulgebäude noch eine weitere Klasse untergebracht werden kann. Wie viele Hauptschulen verzeichnet auch die Erich-Kästner-Schule rückläufige Schülerzahlen, zuletzt knapp sieben Prozent. So fiel es denn auch nicht schwer, einen Raum, der als reiner Kunstraum hätte dienen sollen, der Außenklasse zur Verfügung zu stellen. Die erste und vielleicht höchste Hürde war genommen.
Eine Referendarin mit Erfahrung in Behinderteneinrichtungen
In einem Beratungsgespräch mit dem Schulamt wurden dem Hauptschulrektor daraufhin alle Hilfsmittel angeboten, über die das Amt verfügen kann: zusätzliche Stunden zur Vorbereitung des Unterrichts sowie eine sogenannte schulscharfe Ausschreibung, die es der Schulleitung erlaubt, bei der Suche nach einem qualifizierten Lehrer selbst Auswahlgespräche zu führen. "Es war mir wichtig, jemanden mit Erfahrung für die Klasse zu finden", sagt Lang. Die Entscheidung fiel auf die junge Referendarin Nina Eret, die bereits in Behinderteneinrichtungen gearbeitet hat.
Parallel dazu setzten auch die Eltern der Außenklässler, die von alledem nichts wussten, weitere Hebel für ihre Kinder in Bewegung. Verena Könekamp, die Mutter von Julius, sprach mehrmals mit einem Vertreter des Stuttgarter Regierungspräsidiums. Dieser schlug ihr eine Schule in Sielmingen vor, einem Stadtteil von Filderstadt. Sie wendete ein, dass die Schule zwanzig Kilometer von ihrem Wohnort entfernt liege. "Schleckig" dürfe sie in ihrer Lage nicht sein, habe ihr der Mitarbeiter daraufhin geantwortet.
Von Akiko Lachenmann
Chronik einer überraschenden Wende. Die meisten Kinder haben vor Aufregung kaum geschlafen. In kleinen Gruppen stehen die neuen Fünftklässler auf dem Pausenhof der Erich-Kästner-Hauptschule in Ostfildern. Gleich beginnt die Einführungsveranstaltung. Sie blicken verstohlen um sich, umklammern Mamas Hand. "Da kommt Julius", ruft Lisette. Sie rennt ihm entgegen und fällt dem Jungen in die Arme. Elisabeth und Katharina hängen sich mit ein. Wer hätte gedacht, dass sich die Grundschüler von der Klosterhofschule so schnell wiedersehen würden.
Julius ist mit Down-Syndrom geboren. Gemeinsam mit fünf anderen behinderten Kindern hat er eine Grundschule besucht. Offiziell war Julius Schüler eines Sonderschulzentrums in Esslingen. Als sogenannte Außenklasse, eine bewährte Maßnahme zur Integration behinderter Kinder, konnten die sechs Behinderten jedoch an einer gewöhnlichen Schule unterrichtet werden.
Kein rechtlicher Anspruch
Bis zur vierten Klasse. Anders als ihre Mitschüler erhielten sie keine Einladung von einer weiterführenden Regelschule. Dabei hatten sich Behörden und Eltern zwei Jahre lang darum bemüht. 25 Schulen im Landkreis waren informiert, doch es scheiterte an Raumnot und anderen praktischen Problemen. Der rechtliche Anspruch behinderter Menschen auf "Teilhabe am gesellschaftlichen Leben" half den sechs Kindern auch nicht weiter.
Die Stuttgarter Zeitung berichtete darüber am 29. Januar 2008. Julius und seine behinderten Mitschüler hatten sich damals schon innerlich darauf eingestellt, wieder zurück an die Sonderschule zu gehen. Abschiedsstimmung lag über den Klassen 4b und 4c, die von wenigen Leistungsfächern abgesehen vier Jahre lang gemeinsam die Schulbank gedrückt haben. "Alle sind in meinem Herzen", so hatte Annika, ein Mädchen mit Down-Syndrom, ihre Trauer damals zum Ausdruck gebracht.
Doch das Blatt hat sich überraschend gewendet. Kaum war der Bericht erschienen, erhielt Udo Lang einen Anruf vom Schulamt. Lang ist Rektor der Erich-Kästner-Hauptschule in Ostfilderns Stadtteil Nellingen, die von der Klosterhofschule nur 800 Meter entfernt liegt. Es war nicht der erste Kontakt in dieser Sache, wie Mitarbeiter des Schulamts betonen. Doch nach dieser Anfrage kam der Stein ins Rollen.
Lang prüfte zunächst, ob im Schulgebäude noch eine weitere Klasse untergebracht werden kann. Wie viele Hauptschulen verzeichnet auch die Erich-Kästner-Schule rückläufige Schülerzahlen, zuletzt knapp sieben Prozent. So fiel es denn auch nicht schwer, einen Raum, der als reiner Kunstraum hätte dienen sollen, der Außenklasse zur Verfügung zu stellen. Die erste und vielleicht höchste Hürde war genommen.
Eine Referendarin mit Erfahrung in Behinderteneinrichtungen
In einem Beratungsgespräch mit dem Schulamt wurden dem Hauptschulrektor daraufhin alle Hilfsmittel angeboten, über die das Amt verfügen kann: zusätzliche Stunden zur Vorbereitung des Unterrichts sowie eine sogenannte schulscharfe Ausschreibung, die es der Schulleitung erlaubt, bei der Suche nach einem qualifizierten Lehrer selbst Auswahlgespräche zu führen. "Es war mir wichtig, jemanden mit Erfahrung für die Klasse zu finden", sagt Lang. Die Entscheidung fiel auf die junge Referendarin Nina Eret, die bereits in Behinderteneinrichtungen gearbeitet hat.
Parallel dazu setzten auch die Eltern der Außenklässler, die von alledem nichts wussten, weitere Hebel für ihre Kinder in Bewegung. Verena Könekamp, die Mutter von Julius, sprach mehrmals mit einem Vertreter des Stuttgarter Regierungspräsidiums. Dieser schlug ihr eine Schule in Sielmingen vor, einem Stadtteil von Filderstadt. Sie wendete ein, dass die Schule zwanzig Kilometer von ihrem Wohnort entfernt liege. "Schleckig" dürfe sie in ihrer Lage nicht sein, habe ihr der Mitarbeiter daraufhin geantwortet.
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