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Exotische Studiengänge

Den Mutigen gehört die Welt

Stefanie Gengenbach und Gregor Leineweber, veröffentlicht am 08.10.2008
Foto: Rudel

Stuttgart - BWL, Jura oder "irgendwas auf Lehramt" studieren? Das kann theoretisch jeder Abiturient. Wie wäre es mit einem ungewöhnlichen Studiengang? Natürlich mögen die Berufschancen zunächst nicht so rosig erscheinen, aber gerade Nischenfächer sind bei der Jobsuche oft gefragt.


  Von Stefanie Gengenbach und Gregor Leineweber

 
Meist findet man innerhalb der Geisteswissenschaften allerhand Nischenfächer, bei denen man manchmal noch nicht einmal die Bezeichnung versteht. Außerdem - so das altbekannte Vorurteil - führt ein Studium der Geisteswissenschaften direkt in die Arbeitslosigkeit beziehungsweise zum Taxifahrerjob. Doch das schlechte Image und unsichere Berufsaussichten haben die Geisteswissenschaften nicht vor einem Ansturm von Studenten bewahren können. Im Jahr 2005 nahmen laut Uni-Spiegel-Online 82.000 Erstsemester ihr Studium auf, das sind 23 Prozent aller Anfänger und ein Viertel mehr als 1995.

Doch auch die Naturwissenschaften bieten zum Teil ungewöhnliche Spezialfächer an wie zum Beispiel "NaWaRo". Was es damit auf sich hat und was sich sonst hinter manch kryptischem Studiengang verbirgt, haben die Junge-Szene-Autoren passend zum nahenden Semesterstart heraus gefunden.

Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients

Ein nicht gerade alltägliches Studium ist zum Beispiel das Fach "Sprachen und Kulturen des Christlichen Orients". Das wird unter anderem an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Uni Tübingen angeboten. Mit auf dem Lehrplan stehen dabei die Sprachen Altnubisch, Altäthiopisch und Altarmenisch. Außerdem kann man mehr oder weniger spannende Veranstaltungen wie "Magie und Zauber in den koptischen Ritualientexten" oder "Jüdische und christliche Bibelkommentare im vierten und fünften Jahrhundert" belegen. Man sollte allerdings Kenntnisse in Griechisch und Latein mitbringen. Ein Studiengang, der bestens geeignet ist für Leute, die sich für alte Sprachen und Kulturen interessieren und außerdem noch halbwegs bibelfest sind.

Weitere Infos unter www.uni-tuebingen.de/orientsem/index.htm


Bachelor Nebenfachstudium Galicisch

Wer sich lieber mit modernen Sprachen beschäftigt, es aber trotzdem gerne ausgefallen mag, für den hat die FU Berlin das Bachelor-Nebenfachstudium "Galicisch" im Angebot. Galicisch - auch "Galego" - ist eine iberoromanische Sprache, das heißt, wem Spanisch oder Portugiesisch liegt, der dürfte keine Probleme damit haben. Neben der Sprache beschäftigt man sich mit Landeskunde und Literaturwissenschaft. Galicisch ist nur in der nordwestspanischen unabhängigen Provinz Galicia Amtssprache, und das auch nur neben dem Spanischen. Trotzdem ist es eine Überlegung wert, denn schließlich ist die Philologische Bibliothek an der FU Berlin gut ausgestattet und es werden auch zahlreiche Austauschprogramme angeboten, um die Sprache einmal in der Praxis erproben zu können und die galicische Kultur kennen zu lernen.

Weitere Infos unter www.fu-berlin.de/studium/studienangebot/grundstaendige/galicisch_kombi/index.html


Assyrologie

Das krasse Kontrastprogramm zum modernen Galicisch ist wohl der Studiengang "Assyrologie". Das kann man zum Beispiel an der Uni Heidelberg studieren. Darunter versteht man "die Wissenschaft von den Hochkulturen des alten Vorderasiens und ihren Sprachen, ihrer Geschichte, Religion, Wissenschaft, Literatur, Wirtschaft, Gesellschaft und ihres Rechts". Noch Fragen? Die Studenten arbeiten hauptsächlich mit keilschriftlichen Dokumenten, das heißt mit Tontafeln und Steininschriften. Für alle, die sich denken: Klingt ja interessant, aber was war noch mal Keilschrift? Die Altorientalisten der Uni Heidelberg helfen bei der Klärung dieser Frage. Die Keilschrift ist ein sehr komplexes Sprachsystem, das im vierten Jahrhundert vor Christus im südlichen Mesopotamien entstand. Sprachen, die in dieser Schrift notiert wurden, sind unter anderem das Sumerische, das Akkadische, das indogermanische Hethithisch und das Elamische. Im Hauptfach stehen drei Sprachen auf dem Lehrplan. Im Nebenfach eine. Außerdem sollte man bei Studienantritt die Sprachen Englisch und Französisch beherrschen, damit man die Fachliteratur gut versteht. Auch Italienisch ist von Vorteil. Sprachenfreaks, ab nach Heidelberg!

Weitere Infos unter www.uni-heidelberg.de/studium/interesse/faecher/assyriologie.html


Sprachen und Kulturen der Länder des indischen Subkontinents und Tibets

Eine andere Möglichkeit, Sprache(n) und Traditionen einer fremden Kultur kennenzulernen bietet sich an der Hamburger Uni. Dort kann man "Sprachen und Kulturen der Länder des indischen Subkontinents und Tibets" studieren. In diesem Bachelorstudiengang wurden die Magisterstudiengänge "Sprache und Kultur des neuzeitlichen Indien", "Sprache und Kultur des alten und mittelalterlichen Indien" sowie "Sprache und Kultur Tibets" gewissermaßen zusammengefasst. Das bedeutet ein relativ straffes Programm innerhalb eines ungewöhnlich langen Bachelor-Studiums von acht Semestern.

Weitere Infos unter: www.verwaltung.uni-hamburg.de/vp-1/3/34/studienfaecher/Bachelor/studiengang.html?1029334097


Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie

Man muss nicht immer in die Ferne schweifen. An der Uni Hohenheim wird zum Beispiel der Bachelor-Studiengang "Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie" angeboten. Ein exotischer Studiengang, der, wenn man später mal "was Sicheres" haben möchte, nahezu ideal scheint. Nach Angaben der Universität sind bereits Absolventen im mittleren Management in Vertrieb, Entwicklung und Beratung sowie im gehobenen Staatsdienst untergekommen. "NawaRo", wie das Studium von den Studenten genannt wird, ist ein Mix aus Mathe, Physik und Chemie. Da zuckt wahrscheinlich der ein oder andere zusammen. Wer aber schon immer wissen wollte, was eigentlich die pflanzenbaulichen, technischen und ökonomischen Voraussetzungen für die Produktion von Biomasse sind oder sich für neue Technologien zur Energiegewinnung interessiert, könnte hier sein Traumstudium gefunden haben. Wer sich nicht endgültig darauf festlegen will, kann auch einfach damit anfangen und nach einem Jahr in einen anderen naturwissenschaftlichen Studiengang der Uni Hohenheim wechseln. Alle Studenten studieren nämlich in den ersten beiden Semestern dasselbe, um sich die naturwissenschaftlichen Grundlagen anzueignen.

Weitere Infos unter agrar.uni-hohenheim.de/agrar-nawaro-bsc.html


Philosophie-Künste-Medien

Wer sich nicht zwischen Philosophie, Kunstgeschichte und Medienwissenschaft entscheiden kann, der findet vielleicht mit dem Studiengang "Philosophie-Künste-Medien" an der Uni Hildesheim das, wonach er gesucht hat. Was sich zunächst wie eine seltsame Kombination von Geisteswissenschaften liest, scheint bei näherem Hinsehen aber ziemlich gut zueinander zu passen. Die Frage ist natürlich, ob sechs Semester Bachelor nicht eine etwas knapp bemessene Zeit für ein so ausschweifendes Unterfangen sind.

Weitere Infos unter: www.uni-hildesheim.de/de/phi.htm


Kreatives Schreiben

Zuletzt fiel die Stichprobe auf "Kreatives Schreiben" am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig beziehungsweise "Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus" an der Uni Hildesheim. Jedem, der sich für neuere deutsche Literatur interessiert, sollte die Leipziger Schule ein Begriff sein. Mancher Absolvent des Deutschen Literaturinstituts hat schon den Leipziger Buchpreis gewonnen wie Clemens Meyer in diesem Jahr.

Auch die erfolgreiche Schriftstellerin Juli Zeh gehört zu den Absolventen der Leipziger Uni. Der Studiengang ist sehr praxisorientiert angelegt. Das sechssemestrige Studium umfasst die Fächer Prosa, Lyrik und Dramatik/Neue Medien. Seit dem Wintersemester 2006/07 gibt es eine Bachelor- sowie Master-Studienordnung.

Weitere Infos unter: www.deutsches-literaturinstitut.de und unter www.uni-hildesheim.de/de/ks.htm
 
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